Nur eine Antwort …

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Nur eine Antwort …

Ich nannte ein Haus
voller Bücher mein eigen
es waren Vielhunderte an der Zahl

doch wie es nun einmal so ist –

man kann im Leben
dieses und jenes vergeigen
jetzt sind um mich die Wände sehr kahl

das „Wortvoll“ der Bücher
ist nur noch im Kopf
mir schwant was von Blücher
und manch’ anderem Tropf

das denken an Heine und Schreiberkollegen
wie Busch mit Max und Moritz oder Storm
mit seines Schimmels Reiter
bestärkt mich enorm

drum mache ich weiter
und halt mich in Form

reih’ Buchstab’ an Buchstab’
zu Worteskapaden

laß’ Mädchen und Knab’
im Sonnenlicht baden

trete in manch kalten Wintern
oder tief drinnen in nächtlicher Nacht
auch wohl Politiker in den Hintern
wenn sie mal wieder Verderben gebracht

laß wirken die Schönheiten heiler Natur
geißel das schädigend’ Tun vieler Täter
bleibe wie Terrier auf verräterisch’ Spur
oder nenne das Leid vieler Väter

verschließe nicht Auge, nicht Ohr und Gefühl
lasse Dinge sich drehen und wenden
laß`mich nicht irren von Menschens Gewühl
und hoffe mein Tun wird noch lange nicht enden …

©ee

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Getaggt mit

Kuscheltiger.

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Kuscheltiger.

Ein riesengroßer Kuscheltiger
lebt im Urwald von Burmesien
sein’s Vaters Wiege stand am Niger
die Mutter stammt aus Polynesien

er fühlt in Freiheit sich alleine
drum wandert er nach China ein
trifft da ’ne Tigerin – ’ne kleine
und denkt das wird die Lösung sein

sie schließen eine wilde Ehe
gründen ’ne Tigermachfabrik
und machen nun auf Wohl und Wehe
Tiger auf Tiger – Stück um Stück

jeder bekommt ’nen schönen Stempel
„made in Südostasia“
so haben die Welt sie umgekrempelt
denn plötzlich war’n nur noch Tiger da

©ee

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Morgens fünf Uhr zweiunddreißig

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Morgens fünf Uhr zweiunddreißig

die Nacht hat sich schon leise davon geschlichen
weil sie das Licht das Tages scheut
bis auf kleine Reste ist das Dunkel gewichen
die werden jetzt von der Helle verbläut

ein Sonnenstrahl schaut keck über die Kante der Erde
seine Nasenspitze ist noch ganz rot
er fragt sich wie wohl das Heute werde
vom Frühstück bis hin zum Abendbrot

mit klammen Fingern erklimmt er den Himmel
richtet es sich komodig dort ein
und reitet auf seinem Feuerschimmel
fröhlich in die Zeit hinein.

©ee

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Trübe wars…

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Trübe wars…

Trübe wars
die Tasse kochte
als es an der Türe pochte

es war der Stimme anzuspüren
die da drang durch alle Wände
sie wollte einen Tanz aufführen
denn so pochten Ordnungshände.

Drinnen waltet gerade
die züchtige Hausfrau
sie kocht Marmelade
aus Klimawandel und Supergau

draußen gestaltet der Vater
mit sehr viel Liebe zum Detail
seinen Benz zum Senkrechtstarter
denn das find’t er obergeil

unterm Dach im Jugendzimmer
vergewaltigt mit viel Jugendliebe
der Klaus den neuen Rasentrimmer
und kürzt damit des Triebes Triebe

Oma möcht’ partout behalten
denn sonst fährt sie aus der Haut
ihren Stuhl den furchtbar alten
den Opa grad zu Kleinholz haut

so ist im ganzen Haus die Lage
gespalten zwar aber im Trend
während im Keller unter Tage
die Tochter ihren Rausch auspennt

mittags dann um zehn vor drei
der Tag ist grad so halb erwacht
ist die Aufregung komplett vorbei
und alles durcheinander lacht.

©ee

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Darf ich …?

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Darf ich …?

Sie dürfen alles und Jedes
Ob per Rad oder Pedes

Sie dürfen lachen
Sie dürfen weinen

Sie dürfen anderen Freude machen
Sie dürfen in der Zeitung erscheinen

Ob als Anlaß für einen Skandal
Oder als Gründer einer Nichtschwimmerpartei

Ob als Sitzer auf einem Pfahl
Oder Entdecker eines neuen Kolumbusei

Sie dürfen sich den Charakter verbiegen
Oder nackend in der Sonne liegen

Sie dürfen berichten über das Wetter
Ob es nun wahr ist oder geschätzt

Sie dürfen erzählen von ihrem Vetter
Und daß er barfuß durch die Hölle gewetzt

Sie dürfen sich als wilder Verführer betrachten
Dem keine Frau ihre Unschuld verwehrt

Und sagen daß siebzehn Kinder sie machten
Von denen keines ihr Gewissen beschwert

Sie dürfen glauben sie wären ein strahlendes Licht
Und ohne sie könnt die Welt nicht bestehen

Nur eines mein Lieber das dürfen sie nicht
Nicht Heute und auch nicht an kommenden Tagen

Sie dürfen mir nicht auf den Wecker gehen
Denn das mein Bester,

kann ich auf den Tod nicht vertragen.

©ee

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Eine Sache die mich umtreibt …

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Eine Sache die mich umtreibt …

Wo hat Er bloß die vielen Ecken
Schubladen und Regaleböden
um all die Wetter zu verstecken
vom Herrgottsschön zum Nebligschnöden
wenn Er sie grade mal nicht braucht

der Himmel als sein Lagerhaus
ist doch ein endlos runder Bau
da sieht man doch die kleinste Maus
das weiß doch selbst ein Schweinchen Schlau
wenn’s quiekend durch die Suhle kraucht

ich hege stets aufs Neu’ die Ahnung
Er ist ein bannig kluges Wesen
das trotz aufgeräumter Wohnung
ein heillos krauses Wetter macht
als wäre es von Hand verlesen.

©ee

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Wilhelmshaven, du ewige Braut …

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Wilhelmshaven, du ewige Braut …

Wie oft du altes Fräulein
hat man dir schon was vorgemacht
wie oft du altes Fräulein
hat echt für dich das Glück gelacht

Mit Königsprunk und Kaisergehabe
großmächtig in die Welt gesetzt
dein erstes Kleid in Preußens Farbe
wurd’ schon bald darauf zerfetzt

Das war das Ende deiner Jugend
fortan gingst du in Lumpen nur
verdecktest schamhaft deine Tugend
verwischtest deiner Unschuld Spur

Jedoch die Freier waren rege
erkannten deines Leibes Kraft
ein Braunauer kreuzt deine Wege
hat deinen Widerstand geschafft

Mit Brautversprechen und Geschenken
hat er dich willenlos gemacht
so konnt’ bedenkenlos er lenken
dich zu Heilsgeschrei und Eisen kracht

Was hat man dir nicht all versprochen
an Gütern und Gesellschaftsweihen
für lichte tausend Ehejahre
die reichten bis zum Morgengrauen

denn da war alles schon zerbrochen.

Wieder gingst du arg in Lumpen
mit zerschlag’nen Gliedern
deine Beine waren Stumpen
nix war mehr mit Heldenliedern

Als du endlich dann genesen
konntest wieder dich am Körper freu’n
trat das nächste Freierswesen
an – und tat dir Blumen streu’n

Dein Lechzen nach des Lebens Blüte
machte dir das Denken blind
du schautest gar nicht in die Tüte
warst wie ein ausgehungert Kind

Und wieder tönten die Trompeten
von Wohlstand und von Arbeit satt
doch als du dann zum Tanz gebeten
war nichts mehr da als nur noch Watt

Der Strand, die Düne und die Sandbank
war vieler Binnenländer Traum
der Ruhrpotthimmel machte krank
Genesung gab’s am Jadesaum

Du hast dich gut damit beschieden
und wurd’st zum kleinen Paradies
doch irgendwer hat’s dir gemieden
und griff erneut zum Hochzeitsvlies

Man kannte deine wunden Stellen
dein Sehnen nach der großen Welt
drum schlug man riesengroße Wellen
hat dir damit den Blick verstellt

Alu wollt man produzieren
als der Zukunft tragend Säule
doch nach hin und herprobieren
wurd daraus ’ne Chlorgaskeule

Als dann die fremde Lust befriedigt
stand’st du erneut alleine da
hast sogar noch den verteidigt
der mit dir Teufels Kind gebar

Ich frage dich du ew’ge Braut
wie schnell erholen sich deine Schätze
weil schon der nächste Freier schaut
zu fangen dich in seinem Netze

Man macht dir wieder groß’ Versprechen
übertrumpft sich in der Größe Wahn
und ist dabei sie schon zu brechen
bevor die Hochzeitsnacht fängt an

Man qualmt dass bald die Schlote krachen
sogar das Schlafgemach dir voll
wenn du erstickst dann hört man Lachen
und reden dass doch alles toll

Gewiß wirst du auch dieses Werben
noch einmal leidlich überstehn
doch wenn die letzten Bürger sterben
wie wird’s mit dir dann weitergeh’n.

©ee

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Buchvorstellung : För Liev & Seel‘

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För Liev & Seel‘ / Für Leib & Seele:

Een Koakbook / Ein Kochbuch

(De Nachtuul / Die Nachteule)

Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (11. August 2017)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3744893731
ISBN-13: 978-3744893732

Größe und/oder Gewicht: 19 x 1,2 x 27 cm

gebundene Ausgabe : 36,99 Euro

Gedichte und Gerichte bunt gemixt mal up Platt und auf Hochdeutsch .

Ostfriesische Gerichte, Gedichte und Geschichten – mal up platt – mal auf Hochdeutsch. Die leckeren Rezepte wurden eingehend durch den Autor geprüft, für sehr gut befunden und mit großem Appetit verspeist. Doch nicht nur die Rezepte, sondern auch die Geschichten und Gedichte des Autors sorgen für Wohlbefinden. Ein Buch eben för Liev & Seel.

Reinschauen, nachkochen und die Seele baumeln lassen!

 

https://www.amazon.de/F%C3%B6r-Liev-Seel-Leib-Seele/dp/3744893731/ref=sr_1_11?s=books&ie=UTF8&qid=1502860740&sr=1-11

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Dem Glück hinterher…

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Dem Glück hinterher…

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Dem Glück hinterher – den Träumen nachjagen,
Traumbildern folgen an allen Tagen –
ob es über die Jakobsleiter
oder einfach zu Fuß geht weiter –

ob wir dabei auf Höhen wandeln
oder mit Tritten die Tiefen verschandeln –
ob wir beflügelt die Lüfte durchqueren
oder uns selber das Laufen erschweren –

stets in dem Glauben wir wären die Krone,
und das, was wir tun, das wäre stets ohne –
ohne das Denken an eigene Pfründe,
dabei ist solch‘ Glauben schon unläßlich‘ Sünde.

©ee

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die grüne Stadt am Meer…

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Wilhelmshaven – die grüne Stadt am Meer

Wenn ich als Kind mal wieder eine Zeitlang in einem mir fremden Landstrich die Schule besuchen mußte, ordneten mich viele meiner neuen Mitschüler anfangs häufig in die Kategorie ‚Flüchtling’ ein. Das wird in der Nachkriegszeit sicherlich nicht nur mir so ergangen sein. Jemand, der keinen wahrnehmbaren Dialekt sprach, der konnte ja nur ‚Flüchtling’ sein. Ich habe manchmal bei mir gedacht, was seid ihr doch doof. Dabei war es für die anderen oftmals wohl nur die eigene Antwort auf ihre nicht laut gestellte Frage: Woher kommst du eigentlich?

Mit kindlichem Stolz habe ich mich stets gegen die ‚Unterstellung’ ein ‚Flüchtling’ zu sein gewehrt. Das war einfach so. Ich kam schließlich aus Wilhelmshaven, der großen norddeutschen Marinestadt. Dort war ich als Kind ostfriesischer Eltern geboren und aufgewachsen – soweit wie ich denn schon gewachsen war. Das war doch was!

Wer von meinen neuen Mitschülern in der Fremde konnte denn schon von großen Hafenanlagen, von weißen weiten Stränden, von grünen endlosen Deichen und von Wasser bis zum Horizont berichten? Wer von ihnen hatte schon einmal auf und in den gewaltigen Trümmerbergen der größten Seeschleuse der Welt gespielt? Vor wessen Haustür stand im Watt ein riesengroßer Zinnsoldat? In wessen Heimatstadt befand sich die damals noch größte Drehbrücke Europas? Doch in meiner! In welcher Stadt stand inmitten gepflegten Grüns ein fünfzig Meter hoher Rathausturm aus dunklen Klinkersteinen? Doch auch nur in meiner!

Als Trumpf knallte ich zum Schluß immer auf den Tisch: Ich komme aus der grünen Stadt am Meer. Bei vielen Älteren rannte ich damit freilich offene Türen ein – sie kannten ‚Schlicktau’ entweder aus ihrer eigenen Dienstzeit bei der Marine, oder durch die Erzählungen der Ehemänner, Väter oder Söhne aus deren Dienstzeit. Gleich, ob die Tage im Zeichen des Königs- und Kaiseradlers oder des Hakenkreuzes gestanden hatten.

Wäre ich damals schon etwas höher gewachsen gewesen, hätten meine Empfindungen bezüglich meiner Heimatstadt vielleicht ein anderes Gesicht gehabt.

Ich liebe diesen Flecken Erde an der westlichen Seite des Jadebusen Heute ebenso wie damals, nur eben anders – und ich bin bestimmt nicht der einzige, der so fühlt.

Nur – Heute mag ich in der Fremde oft gar nicht dazu stehen, aus Furcht die Frage beantworten zu müssen, was denn um Himmelswillen aus meiner schönen grünen Stadt am Meer geworden sei. Wenn ich ein Zyniker wäre, würde ich darauf antworten, Grün verblasst nun einmal mit der Zeit zu Schwefelgelb.

©ee

auch zu finden hier in unserer  : Schreibwerkstatt

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