Gott sei Dank war da noch Tante Klärchen…

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Gott sei Dank war da noch Tante Klärchen

oder was sonst noch so im Siegerland passiert…

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Margret ist an diesem verregneten Vormittag schon eine geraume Weile in Siegen unterwegs. Von Amt zu Amt unterwegs. Für ihren Friedmar. Wichtige Dinge beschicken, Besorgungen erledigen.

Zu Fuß, versteht sich. Wo sie doch schon seit längerer Zeit gar nicht mehr so gut zu Fuß ist – aber Friedmar hatte keine Zeit. Er mußte gerade an diesem Tag seine Beziehung pflegen – seine Bezieh-ung zum Fußball.

Vorentscheidungsspiel zur Weltmeisterschaft – die Deutschen gegen Irgendwen. Wenn er sie wenig-stens gelassen hätte – vor Jahren, als sie mit ihrer Freundin gemeinsam den Autoführerschein machen wollte. Aber nein – was will eine Frau mit Mann mit einem Führerschein?

Pure Geldverschwendung sei so etwas! Da könnte man den Pinguinen am Nordpol für ihre Futter-vorräte ebenso einen Kühlschrank liefern, hatte er gemeint. Doofmann – hat sie damals gedacht, am Nordpol gibt es doch gar keine Pinguine.

Dieser Geizkragen, denkt sie, als ihr die schicke Handtasche – im Schaufenster bei Goldpfeil – wieder ins Auge fällt. Das erste Mal, solange sie verheiratet waren, hatte sie sich etwas zum Geburtstag ge-wünscht. Nur diese Handtasche.

Fleutjepiepen ………………, nix war damit.

Aber am Tag nach ihrem Geburtstag, mit Hannes dem Nachbarn, nach Köln ins Stadion düsen – Fußball gucken – die Karte für fuffzig Mark

Den Blumenstrauß, den er ihr am Geburtstags-morgen an die Brust drückte, den hätte er auch behalten können. Eigentlich hätte sie ihn fragen wollen, auf welchem Grab dieser Strauss ausgedient habe, denn kurz vor ihrer Hochzeit war Onkel Willi gestorben, und ihr Friedmar hatte doch tatsächlich gemeint, einen Brautstrauß bräuchten sie denn ja nicht zu kaufen – in vierzehn Tagen würde Onkel Willis Grabhügel sowieso plattgemacht – und bevor die schönen Blumen auf den Kompost kämen …

Sie hat das damals für einen Jux gehalten – obwohl darüber keiner so recht lachen konnte

Ogottinee – dieser Geizkragen. Jeden Pfennig, den sie für den Haushalt ausgibt, muß sie Buch drüber führen.

Sie kauft schon alles bei Aldi – und trotzdem nörgelt er ständig über die hohen Preise. Letztens raunzte er sie doch tatsächlich an, ob sie zu dumm wäre, mit „die Kassiererin anne Kasse“ – wie er sagte, „um den Preis für dat Bier zu handeln“.

Margret merkt, wie gaaanz langsam Stacheldraht in ihr hoch kriecht. Jetzt ist dat schietegal – jetzt muß sie erstmal im Cafe Plück etwas trinken. Wenn es nach Friedmar ginge, dann könnte sie auf’m Damen-klo Wasser trinken. Nix da – ’nen Kännchen Kaffee gibt dat – richtig stark. Laß Friedmar nachher ruhig stark toben. Irgendwie saß der liebe Gott wohl grad an diesem Morgen im Cafe Plück bei einem Cap-puchino und trocknete seinen Regenmantel – denn, als sie ihren Mokka schon bezahlt hatte und gerade gehen wollte – fünf Groschen Trinkgeld für die Bedienung tat sie noch obendrauf – entdeckte sie auf dem Nebentisch eine liegengebliebene Rechnung. Booaa – hatten die aber gezecht – sogar Schampus am frühen Morgen.

197 Märker hatten die Gäste dafür berappt – genau soviel wie die Handtasche, da bei Goldpfeil im Schaufenster, kostete.

Jemand gab ihr von innen her einen Stoß, und sie steckte flink die Rechnung ein. Der liebe Gott hatte ihr wohl Stelzen geliehen – sie war nämlich zu Hause plötzlich ganz groß, als sie ihrem Friedmar die Rechnung unter die Nase hielt. Bevor er seine Brille aus der Hosentasche gekramt hatte, tat sie ihm mit aller Empörung, zu der sie fähig war, kund: Das hab ich für Deine liebe Tante Klärchen ausgegeben.

Damit hatte sie eine Explosion ihres Friedmar in eine ziemlich sauertöpfische Miene abgemildert. Tante Klärchen war nämlich Friedmars schwerreiche Erbtante.

So einfach ist das Leben manchmal, wenn der liebe Gott dabei ist.

Mit strahlenden Augen fragte Margret denn am nächsten Tag ihre beste Freundin: Ist die Handtasche nicht wirklich schick? © ee

 

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Ein Gedanke zu „Gott sei Dank war da noch Tante Klärchen…

  1. terencehorn sagt:

    Im Aldi um den Preis feilschen, das hätte was.

    Gefällt 1 Person

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