Eine schöne Bescherung.

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Eine schöne Bescherung.

 

Im großen Wolkenschloss in der Himmelreichgasse 11 ging es seit Wochen drunter und drüber. Anfang September hatte der Postbote schon die ersten Weihnachtswunschzettel abgeliefert. Zuerst war es täglich nur eine Posttasche voll. Zuletzt schleppte er jeden Tag fünf große Leinensäcke an, deren Inhalt dann in der Eingangshalle reihenweise bunte Waschkörbe füllte, bevor das Christkind sorgfältig prüfte, ob auch alles seine Ordnung hatte. Wenn der Absender das Jahr über einigermaßen artig gewesen, und der Wunsch nicht zu groß geraten war, dann stempelte es mit einem großen goldenen Siegel seine Zustimmung auf den Wunschzettel und reichte ihn an den Weihnachtsmann weiter. Der hatte mit seinen vielen fleißigen Helfern in den letzten Wochen unheimlich viel zu tun, um alles auf die Reihe zu kriegen. Nun war es fast geschafft. Überall auf der Erde hatten die Kinder an diesem Morgen das letzte Türchen des Adventskalenders geöffnet. Es war Heiligabend.

Der Küchenengel hatte dem Weihnachtsmann zur Morgenvesper gerade eine Tasse heiße Schokolade in die Werkstatt gebracht. Seit vier Uhr in der Frühe bastelte der schon an Geschenken für die in letzter Minute eingetroffenen Wünsche herum, die Knecht Ruprecht anschließend noch alle irgendwie auf dem Schlitten verstauen mußte. Eine Eilreparatur war ihm heute Morgen auch noch dazwischen gekommen. Dem Teddy Brummelbär mußte er ein neues Auge einreparieren. Ihm war nämlich ein Glubscher heraus gefallen, als er zum Frühstück in der Speisekammer des Schlosses zu lange Stielaugen nach dem Honigtopf gemacht hatte. Und mit einem Auge konnte man den Teddy doch nicht bei dem Mädchen in dem großen Krankenhaus abliefern. Es lag schon so lange in seinem weißen Bettchen in der Klinik, und hatte sich einen Teddy – so wie es früher schon einmal einen hatte – gewünscht, um nicht mehr so allein zu sein. Rita war nämlich blind, und der Teddy sollte ihr alles erzählen was er sah. Darum mußte er unbedingt zwei Augen haben.

Ein Viertelstündchen mußte der Weihnachtsmann sich nun aber wirklich verpusten, sonst würde er am Abend auf seiner Reise von Gabentisch zu Gabentisch auf dem Kutschbock des Schlittens noch einschlafen.

Der Gute war ja schließlich nicht mehr der Jüngste. Er wußte selber gar nicht mehr wie alt er eigentlich schon war. Die ganze Welt würde auf jeden Fall furchtbar durcheinander geraten, wenn er nicht rechtzeitig zur Bescherung zur Stelle war. Stellt euch einmal vor, es ist Heiligabend und es gibt für euch keine Bescherung, weil der Weihnachtsmann irgendwo zwischen Wolke sieben und eurem Haus mit seinem Schlitten auf einem Rastplatz Rast macht, um sich auszuschlafen. Das wäre doch nun wirklich eine schöne Bescherung.

Auf jeden Fall ging es da oben in den letzten Stunden vor der Abfahrt mit dem Rentierschlitten ganz schön rund. So mancher Schweiß-tropfen aus den Gesichtern der vielen Helfer sammelte sich noch in den Wolken unter ihnen. Gott sei Dank – denn wo sollte sonst der Schnee für die Fahrt mit dem Schlitten durch die Christnacht herkommen. Rudi das Rentier hatte, auch wenn es tüchtig schneite, an dem vollgepackten Schlitten schon schwer genug zu ziehen. Die Himmelsmannschaft schaffte es aber wie gewöhnlich, Knecht Ruprecht und seinen Chef früh genug auf die Reise zu schicken – auch wenn der Weihnachtsmann sich zum Schluß in aller Eile mühsam in seine Dienstkleidung zwängen mußte. Er hatte nämlich in den letzten Wochen ein wenig zugenommen, weil er zu oft von dem leckeren Weihnachtsgebäck genascht hatte. Seinen roten Mantel konnte er ja noch soeben über seinem dicken Bauch zuknöpfen, aber bei seiner Hose da kriegte er den Reißverschluss einfach nicht mehr hochgezogen. Was sollte er also machen? Die Hose vom Himmels-schneider weitermachen lassen ging nicht mehr – der hatte nämlich am Mittag schon Feierabend gemacht, weil seine Finger vom vielen Puppenkleider nähen ganz durchgescheuert waren – und Zeit für ihn, um ein paar Pfündchen abzunehmen war schon mal gar nicht mehr drin. So blieb er an diesem Weihnachten wohl oder übel bei jedem Halt an einem Gabentisch auf dem Kutschbock sitzen, weil ihm sonst die Hose runtergerutscht wäre, und ließ seinen Knecht die Geschenke vor die Türen der Häuser legen. Vielleicht habt ihr es bemerkt, und euch gewundert, den Weihnachtsmann letztes Jahr nicht gesehen zu haben. Einige von euch können aber auch recht froh darüber sein, denn kein kleiner Bösewicht bekam dadurch die Rute auf seinem Hintern zu spüren. Verlasst euch aber nicht zu sehr darauf, daß es dieses Jahr wieder so sein wird. So ein Missgeschick passiert dem Weihnachtsmann nämlich ganz bestimmt nicht ein zweites Mal. © ee

 

ewaldeden

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