Den Weihnachtsmann verpasst …

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Den Weihnachtsmann verpasst …

 

Mit Raureif an Mützenrändern und Krägelchen waren die Kinder zur Vesperzeit ins Haus gestoben. Sonst mußte die Mama auch schon mal öfter rufen, bevor die Rangen sich bequemten, draussen ihre Spiele abzubrechen.

Heute am Heiligabend war alles ganz anders. Der Weihnachtsmann hatte nämlich vor einer Viertelstunde sein Vorläuten hören lassen. Das tat er immer, wenn er auf seinem Schlitten mit dem Schimmel davor durch das Himmelstor das Weihnachtsland verließ und in die Wolkenstrasse einbog. Karla, Marie und Klaus-Günther hatten es gar nicht gehört. Sie sausten nämlich gerade auf ihren Hosenböden den Abhang am Ende des Gartens hinunter.

Bloß klein Christa, die sich aus Angst um ihr neues Mäntelchen nicht getraut hatte den anderen hinterher zu rutschen, die hatte das feine Läuten von Tanne zu Tanne und von Ast zu Ast springen hören.

Nun hieß es aber schnell nach Hause rennen – sonst wären sie nicht zur Stelle, wenn der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten auf dem Dach des Hauses landete, um die Geschenke in der Stube unter den Weihnachtsbaum zu legen.

Karla, Marie und klein Christa hatten den Weihnachtsmann nämlich noch nie zu sehen bekommen. Bloß Klaus-Günther, der wusste schon wie der Weih-nachtsmann aussah – na ja, so ungefähr wenigstens. Er hatte ihn nämlich vor zwei Jahren einmal von weitem gesehen, als er bei den Nachbarn ums Haus herumstapfte. Und im letzten Jahr – letztes Jahr da hatte er die Mama mit dem Weihnachtsmann in der Kammer sprechen gehört. Er wäre zu gerne in der Stube dabei gewesen. Doch durch den Schlitz unter der Türe konnte er gerade nur die Stiefelfüße sehen. Der Weihnachtsmann hatte genau so große Füße wie der Großvater.

Dieses Jahr wollten sie den Weihnachtsmann nun endlich alle sehen. Und darum mußten sie sich auch beeilen, um ins Haus zu kommen.

Sie konnten gar nicht schnell genug ihre Pelzmäntelchen und die Stiefelchen ausziehen. Als ein einziger großer Wuselhaufen lagen die Sachen in der Diele durcheinander.

Man konnte die vielen Mützen und Mäntel, Schals und Fäustlinge, Jacken und Stiefel nicht auseinander halten. Oma hatte fast einen Dahlschlag bekommen, als sie mit dem Tablett voller Kuchen und Kaffee und Kakao aus der Küche gekommen und beinahe über den Berg Anziehsachen gestolpert war. Blitzblau elektrisch und geladen wie ein Donnerwetter enterte sie die große Stube.

Sie schluckte das große Bullerballern, das schon in ihrem Mund im Kreis herumlief, aber ganz schnell wieder hinunter, als sie sah, wie artig die Rassel-bande im Halbkreis auf dem Fußboden um Opas Lehnstuhl herumsaß.

Wie gebannt hingen die Kinder mit allen Sinnen an Großvaters Lippen, obwohl er noch gar nichts gesagt hatte. Wie still würde es in der Stube erst sein, wenn er anfing seine Geschichten zu erzählen.

Umständlich und in aller Ruhe stopfte er seine lange Pfeife. Ein Indianerhäuptling hatte sie ihm auf einem Landgang im wilden Westen geschenkt, weil er ihm seinen Hexenschuß vertrieben hatte. Sie war so lang – der aus dunkelrotem Holz geschnitzte Pfeifenkopf stand zwischen seinen großen Lederpantinen auf dem Steinfußboden vor dem runden Kamin. In dem gewaltigen Feuerloch der Brandstätte wirbelten die Flammen mit hellen Zungen und mit lautem Knistern und Knacken um die trockenen Scheite herum.

Als er mit seinem breiten Daumen geprüft hatte, ob der Tabak im Pfeifenkopf auch fest genug gestopft war, zog er einen langen Kienspan aus dem Holzkorb in der Ecke, ließ ihn im Kaminfeuer entflammen und zündete anschließend damit seine Pfeife an.

Ein paar mal zog er kräftig an dem langen Rohr, bis daß der Tabak im Pfeifenkopf hellrot glühte und eine dichte Rauchwolke seinen Kopf einhüllte.

Die vier Rangen, da vor ihm auf dem Fußboden, die konnten sein Gesicht mit dem weißen Rauschebart bald gar nicht mehr erkennen, als seine tiefe Stimme zweimal ein brummelndes „So, so“ erklingen ließ. Es konnte auch ein „Hoho“ gewesen sein – es war nicht so genau zu verstehen.

Der Großvater erzählte gerne von den langen Reisen mit seinem Segelschiff, der Santa Luca. Er war nämlich sein Leben lang als Kapitän über alle sieben Meere geschippert. Bloß das Himmelsmeer – das hatte er noch nicht befahren. Aber das würde er eines Tages auch noch zu sehen bekommen, sagte er immer.

Diesmal nahm er Karla, Marie, Klaus-Günther und klein Christa mit auf eine Reise nach Grönland. Die Reise hatte er nämlich auch zufällig zur Weihnachtszeit gemacht. Grönland liegt am Rand der Arktis. Das ist ganz dicht am Nordpol, an dem der Weihnachtsmann meistens seine Sommerferien verbringt.

Damals hatte er den Weihnachtsmann gerettet – der Schlitten des Weihnachtsmannes war doch tatsächlich bei einer Zwischenlandung auf einem Gletscher vor Grönland im Eis festgefroren. Wenn Opa mit der Santa Luca nicht zufällig genau zu der Zeit daran vorbei gesegelt wäre, dann wären die Eskimokinder auf Grönland in dem Jahr in der Christnacht alle ohne Geschenke geblieben.

Für diese Rettungstat hatte der König der Eskimos Opa einen ganz großen Orden aus Walfischzähnen verliehen. Den verwahrte der Großvater in einer eisenbeschlagenen Kiste in seiner Werkstatt auf einem eisblauen Samtkissen. Diesen Orden wollten Karla, Marie, Klaus-Günther und klein Christa natürlich sofort sehen, und stapften hinter dem Großvater her in die große Scheune hinter der Hinterküche. Tja – und als sie nach einer geraumen Weile von der Besichtigungstour in die Stube zurückkehrten, da lagen ihre Geschenke schon alle fein säuberlich unter dem Weihnachtsbaum verteilt.

Inzwischen war nämlich der Weihnachtsmann zur Bescherung dagewesen … und sie, sie hatten ihn wieder nicht zu Gesicht bekommen.

Im nächsten Jahr – im nächsten Jahr, da würde es aber ganz bestimmt klappen. Das schworen sie sich gegenseitig, bevor sie sich mit Hallo über die Geschenke hermachten.© ee

 

ewaldeden

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10 Gedanken zu „Den Weihnachtsmann verpasst …

  1. Wunderbare Geschichte. Hatte viel Spass beim Lesen. Danke.
    Herzlich. Priska

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  2. Einfach nur schön! Danke! Schöne Weihnachtsfeiertage und ein frohes 2017! LG mwz (mit dem größeren Rest ;-))

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  3. Anna-Lena sagt:

    Frohe Weihnachten, friedvolle Stunden und ein gesundes Jahr 2017.

    Herzlich
    Anna-Lena

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  4. nachtuul sagt:

    Gestaltet die Zukunft für andere stets so wie ihr euch eure eigene wünscht.

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  5. hello christin its dennis the vizsla dog hay that santa clause shoor is a klever wun always sneeking in and owt wile the childrin arnt lukking!!! it is almost as if he sees yoo wen yore sleeping and nos wen yore awayk!!! mary krismas to yoo frum us!!!

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