Bauernschicksal . . .

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Bauernschicksal . . .

Der Morgen kriecht aus seinen Federn
aus wolkenweißer, schwarzer Nacht
die Vögel zwitschern in den Zedern
der Bauer sich ’nen Kaffee macht.

Er reckt die nachtesmüden Glieder
zählt ob noch alle Knochen da
es kam schon vor das hin und wieder
ein Teil morgens nicht am Platze war.

Steigt in die Hose – schnürt den Riemen
ein kleiner Korn die Stimmung hebt
schiebt einen Priem sich in die Kiemen
und spürt am Safte daß er lebt.

Der Pumpenschwengel macht ’nen Bogen
das Wasser klatscht ihm ins Gesicht
die Hose nochmal hochgezogen
dann geht es los – es ruft die Pflicht.

Die Klumpen klappern auf dem Pflaster
die Nase tropft – er schneuzt sich recht
sein einzig klitzekleines Laster
er fürchtet sich vorm Weibsgeschlecht.

So ist das Dorfgasthaus zur Linde
sein Mittagstisch – sein Abendbrot
so lange bis sich etwas finde
was ihm dann hilft aus Fleischesnot.

Im Dorf kenn’n alle das Bedrängnis
ein jeder sinnt – gut wie er kann
von ferne naht schon das Verhängnis
und schleicht sich ans Vermögen ran.

Der Pastor der kennt Meyers Ute
im Nachbarsprengel wohl zu Haus
sie schielt ’n bißchen – diese Gute
doch das gleicht leicht ihr Umfang aus.

Der Krööger hat ’ne ferne Base
die hat ’nen Buckel ohne Sinn
doch dafür ziert ’ne Riesennase
ihr leicht verrutschtes Doppelkinn.

Viehhändler Ochs denkt in Familie
denn das bringt wohl allein was ein
zu Haus hockt Töchterchen Ottilie
vom Anblick mehr ein rosa Schwein.

Wär da noch Landvermesser Zollstock
mit Kinderreichtum sehr verwöhnt
der gern mit Tischlermeister Holzbock
einem guten Tröpfchen frönt.

Es sollt bis dato nicht gelingen
und strengt er sich auch noch so an
sieben Mädchen an den Mann zu bringen
preist eine unserm Bauern an.

Der kann sich nicht so recht entscheiden
Er fürchtet um sein Seelenheil
alle mögen sein Geld wohl leiden
doch keine kommt auf Amors Pfeil.

So schweift er lieber in die Ferne
mit streng begrenztem Deckungsgeld
und findet er ’ne rot Laterne
dann ist sein Acker schnell bestellt.

© ee

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