Archiv für den Tag 8. November 2017

Ach, Mutter … davon verstehst du nichts

 

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Ach, Mutter … davon verstehst du nichts..

Der kleine Junge lag seit Stunden schon in seinem Bett. In der kleinen Kammer, die er sich mit seiner Mutter im Obergeschoß des alten Fachwerkhauses teilte. Er lauschte dem rascheln der Mäuse in den Lehmwänden und dem fiepen der hungrigen Eulenküken über ihm im Dachgebälk. Der Schlaf hatte bereits ein paar Mal zu ihm hereingeschaut, aber er wußte wohl, daß der Kleine sich noch nicht in seinen schützenden Armen verkriechen konnte. Erst wenn das vertraute knarren der dritten und siebten Treppenstufe unter den Füßen seiner Mutter leise durch die Wand zitterte und anschließend fast unhörbar die Tür zu ihrer Kammer geöffnet wurde, rutschte er aus der Wachsamkeit in den Schlummer. Es war jeden Abend das gleiche Spiel. Solange er die Mutter in den unteren Räumen hantieren hörte wußte er, daß zumindest einer seiner Brüder von irgendwelchen Unternehmungen, von denen sie zumindest in seiner Gegenwart nichts berichteten, noch nicht zurückgekehrt war. Erst wenn dem vertrauten Klopfen an den Fensterläden und dem Knarren des großen Tores im Erdgeschoß, durch die Fugen und Ritzen des Gemäuers ziehender Duft von auf Speck gebratenen Eiern und siedenden Pferdewürstchen folgte, dann waren alle im Hause.
So war es auch an diesem späten Abend, wie so häufig in der Vergangenheit.

Zusammen mit den Essensdüften drang von unten herauf mal helles, mal dunkles Stimmengemurmel durch die hölzerne Decke zu ihm in den kleinen niedrigen Raum. Wenn im Einzelnen auch nicht sehr viel zu verstehen war, wusste er doch meist, um was es sich in den Gesprächen, da unter ihm in der weiträumigen verräucherten Küche, drehte. Und jedesmal wenn der Satz: „Ach, Mutter – davon verstehst Du doch nichts!“ aus dem Munde des Älteren seiner Brüder wegen der erhobenen Stimme hell zu ihm herauf in die Dunkelheit seiner Ängste drang, wußte er, gleich ist das Reden da unten zu Ende. Die Mutter hatte sich wieder einmal dem Diktat des vermeintlich Stärkeren gefügt – so wie es in der Familie immer geschah, wenn man ihr weismachen wollte, sie würde etwas nicht verstehen. Und jedesmal wußte er, wenn die Mutter – besorgt darum ihn nicht zu wecken – sich geräuschlos und in völligem Dunkel für die Nacht zurechtgemacht und sich neben ihn in ihr Bett gelegt hatte, würde er ihr leises Weinen hören. Ihr leises Weinen aus Verzweiflung über ihre Unterwürfigkeit – und darüber, das sie tatsächlich nicht verstand, warum ihre Söhne so handelten wie sie handelten – obwohl sie als Mutter ihnen doch etwas völlig anderes vorgelebt zu haben glaubte.
Als ehrlicher, gottesfürchtiger Mensch hatte sie von Kindesbeinen an versucht ihr Leben zu meistern. Kein Hungernder der an ihre Tür klopfte, blieb hungrig – keinen Dürstenden der ihr begegnete, ließ sie dürstend seines Weges ziehen – keinem Obdachlosen versagte sie den Schutz unter ihrem Dach. Darin ruhte ihr seelischer Reichtum, aber darin wurzelte auch ihre Schlichtheit an materiellem Besitz.
In den entscheidenden Momenten unterwarf sie sich immer den Menschen, die zu ihrem eigenen Vorteil zuzugreifen verstanden.
Sie war sonst dem Schicksal gegenüber sehr stark – nur da war sie schwach. Diese Schwäche jedoch zu ertragen, das war wahrscheinlich ihre größte Stärke. Das wurde dem kleinen Jungen, der oft des Nachts ihr leises Weinen hörte, aber erst sehr viel später bewußt.

Jetzt sah er nur das schräge Tun seiner Brüder und spürte das erfolglose Mühen der Mutter eine Antwort auf die Frage zu finden:

Was habe ich nur falsch gemacht? ©ee

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Wer sind wir eigentlich …?

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Die Stundenuhr …

Träge tröpfeln die Minuten
aus dem Kelch der Stundenuhr
Zeit sagt nicht ich muß mich sputen
sie folgt den Regeln der Natur

Der Mensch als stolzes Denkerwesen
für das er sich nun einmal hält
wird nie an weiser Zeit genesen
Hochmut ihm stets den Weg verstellt

Dabei wär’s doch gar nicht schwierig
es reicht’ ein Gramm Bescheidenheit
und schon wär unser Leben spurig
hätt’ kein Problem mehr mit der Zeit.

© ee

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Hört genau hin …

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Hört genau hin …

Laut tropft die Stille durch die Nacht
mit jedem Plopp ist Zeit verschwunden
wie gut dass Gottes himmlisch Macht
uns begleitet durch die Stunden

Unmerklich für uns Erdgeschöpfe
sorgt er für unser Wohlergehen
füllt Seeles leergekratzte Töpfe
lässt Unverstand ins Nichts verwehen

Er schenkt uns inneren Denkensfrieden
beseitigt unseren Wollensmüll
so dass im Ansatz schon vermieden
was uns sonst nicht gelingen will.

© ee

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Einer trage des Anderen Last –

 

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Einer trage des Anderen Last –

so hat uns das Wort des Paulus gefasst.
Ein Jeder trage des Anderen Bürde
und niemand nehme dem Ander’n die Würde.

So sollte es sein auf globalem Rund –
so sollte es sein in Nachbarschafts Klein –
doch das ehrliche Woll’n läuft die Füße sich wund,
es weichet nicht Herz und Seele aus Stein.

Es öffnet nicht Hände um Hunger zu stillen –
es prallt gegen Wände aus kriegerisch Willen –
es wird von Panzern niedergewalzt,
während Mächtige mit Mächtigen balzt.

Es wird von Kanonen niedergeschossen,
während mächtige Macht den Kaviar genossen.
Es wird im eigenen Blute ertränkt,
während Mächtige den Mächtigen Kriegsschiffe schenkt.

Und so wird es bleiben
gepriesen als gut –
dies schändliche Treiben,
das nichts zeugt als Wut.

Und so wird es bleiben,
dies’ heuchlerisch Werkeln –
solang’ Volk es lässt,
das schrödern und Merkeln.

Wir brauchen dringend
die aufblühend’ Kraft –
nur sie kann’s bewirken
dass Land Frieden schafft.

Sie schleift Steines Brücken,
zerschlägt Steines Meier –
schickt Gabriel an Krücken
nach Heimes Weiher.

Sie bietet gefräßigen Haien die Stirn,
sie breitet im Land wieder mütterlich’ Wärme –
haut auch mal dumpfbackig’ Denkern die Birn’,
und alles das macht sie ohn’ großes Gelärme.

© ee

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