Zum Tage, zur Zeit …

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Mein „Weihnachtswunsch“ für 2017 ist der, dass meinen „kleinen Monolog“ hier ganz vieler Menschen Augen lesen und ebenso vieler Menschen „Fühlensreserven“ aktiviert werden ….

 

Ich kann immer wieder nur erinnern … und das an jedem Tag.

Obdachlos …
das Kainsmal unserer Gesellschaft.

In 1945, als unser Land über weite Strecken in Trümmern lag, als vor allem in den Städten ein immenser und scheinbar immerwährender Mangel an Wohnraum – an „Obdach“ herrschte, da „wohnte“ bei uns kein Mensch auf der Strasse – es durfte keine Obdachlosigkeit geben. Die Menschlichkeit gebot es uns allen – und alle folgten diesem Gebot. 


Wer es denn nicht ganz willig und freiwillig tat, dem half die Gesellschaft mit Hilfe des Armes Obrigkeit in Form der Wohnungsämter und deren Mitarbeitern ein wenig nach und vielfach auch auf die Sprünge. Menschen ohne Wohnraum wurden bei Menschen mit reichlich Wohnraum von Amtswegen einquartiert.
Wobei ‘reichlich’ damals zumeist nicht mit reichlich heute gleichzusetzen ist. Damals war es schon reichlich, wenn es nur ein wenig mehr war als das jeweils zum Leben Notwendige. Heute dagegen ist reichlich in vielen Bereichen überreichlich – und nicht einmal davon wird in den meisten Fällen ausreichend abgegeben. 


Heute, wo alle Welt damit prahlt, das es uns in unserer Welt gutgeht, da leben nicht wenige Menschen unter uns, die auf der Strasse leben, weil sie kein Dach über dem Kopfe haben – weil ihnen niemand ein Obdach bietet oder weil sie sich keine Unterkunft leisten können – obwohl oftmals viel Wohnraum leersteht.
Dafür nach Gründen zu suchen, die im Willen oder Verhalten der Betroffenen begründet sind, entspringt zumeist dem Bemühen von der eigenen Unwilligkeit diesem gesellschaftlichen und vor allem moralischem Fehl abzuhelfen, abzulenken.


Jeden Tag begegnet wohl jeder von uns einem solchen Menschen ohne Bleibe. Selbst wenn wir es wollten, könnten wir ihnen nicht aus dem Wege gehen. Keinen Tag.
Führe jetzt niemand das Argument der vielen „Armutsflüchtlinge“ aus fehlentwickelten oder Hungerländern ins Feld oder verweise auf die unzählig gewordenen Kriegsflüchtlinge aus Krisengebieten dieser Erde.
Wer das tut, der verleugnet sich nachgerade selber. 


Diese zweifellos bedauernswerten Geschöpfe zählen nämlich in ihrer Gesamtheit gerade nicht zu den Obdachlosen in unserem Lande. Für sie wird in aller Regel auf vielen Ebenen für Obdach und Notauskommen gesorgt – nach der Norm ihrer Heimaten in der Regel schon luxoriös – wenn auch häufig und auf Regierungsebene nur aus dem schlechten Wissen heraus, an den katastrophalen Zuständen und auch den Kriegen in deren Herkommensländern wie auch immer ursächlich zumindest mitverantwortlich zu sein. Das Perverse daran ist, dass diese Mitverantwortlichkeit grundlegend im von den damals Sieger- und jetzt Verbündetenmächten oder auch sogenannten Freundesstaaten permanent wachgehaltenen Schuldigsein am Desaster und den Folgen des vornehmlich 2. Weltkrieges, wurzelt.


Angesichts dieses Schreckensbildes wünsche ich mir oft, es wäre wieder 1945, es wäre wieder Nachkriegszeit und wir stünden vor einem neuen Beginnen –
und würden vieles anders machen als wir es heute tun.©ee

ewaldeden2017-12-04

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Ein Gedanke zu „Zum Tage, zur Zeit …

  1. Anna-Lena sagt:

    Danke für diesen berührenden Beitrag, er spricht mir in vielem aus der Seele.
    Eine gesegnete Adventszeit!

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