Wellen im Sturm …

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Wellen im Sturm …

Ich möchte’ die Wellen spür’n und seh’n,
möcht‘ mit ihnen in die Tiefe geh’n –
wie sie im Sturm so sturmgefährlich,
doch immer auch berauschend ehrlich.

Hoch hinauf bis hin zum Strand,
wie eine ehern’ feste Wand –
wo sie dann ihre Ansprüch’ stell’n,
so sind sie nun mal, diese Well’n.

Wenn der Wind zuerst ganz sacht,
als wenn er sich nicht richtig traut,
und später dann mit voller Kraft
kräftig in das Begehren haut.

Ich will im kühlen Regen steh’n.
will spüren der Natur Gewalten –
hab’ keine Angst, Blitze zu seh’n
und lass’ sie einfach Lust gestalten.

Das Peitschen der Zweige im wirren Geäst –
wenn man ahnend sich an Hände fässt.
Das zitternde Tasten hin zum Erleben,
denn vielleicht wird’s ja kein Gewitter sein,
sondern ein urwüchsig‘ Gefühlebeben.

Ein Sturm, ein Tosen – ich kann es nicht fassen –
ich muß mein Sein in Lust ihr schenken,
gefesselt im Banne kann ich es nicht lassen
mein Wollen in ihre Bereitschaft zu lenken.

Ein Schütteln, ein Brausen, ein Ohrensausen –
wie Sturmes zerren an sicherer Pforte,
wenn er begehrt Einlass im lieblichen Orte.
Es ist Naturas wilde Pracht,
alles verschlingend mit zehrender Macht.

Forte fortissimo – der letzte Satz –
gestöhnt und geschrie’n in lustvollster Hatz.
Und erst wenn Gott es so will,
dann ist ’s wieder still.

Dann schweigt die Lust, dann schweigt das Wollen –
nur drinnen ist es noch am tollen.
Der Mond scheint dann besonders hell,
und zeichnet Konturen an neckischer Stell‘.

Die Lichter spiegeln sich im Nass so beschiedlich,
die Welt ist gewaschen – sie liegt ruhig und friedlich.
Das erfüllte Gesicht erscheint unendlich lieb,
vom Baum tropft nun das, was da so blieb.

Und über dem Tale da lieget ein Dunst,
ein Bild wie gemalet, wie füllende Kunst.
Überall rieche ich Regen, eine schönwilde Welt –
so rein wie pures Leben, einfach mittenrein gestellt.

Nichts ist nunmehr wie es mal war,
alles ist anders – und doch nicht fassbar.
Alles ist anders und ist wunderschön,
weil wir es mit anderen Augen seh’n.

Was ich nicht begreife grad,
ist welche Kraft dies alles hat –
ich schließe die Augen und glaube es kaum,
es war alles ein schöner, ein wildernder Traum.

© ee

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