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In der Sonne frieren: Erinnerungen eines Jungen

In der Sonne frieren: Erinnerungen eines Jungen

01. September 1939 – wie tönte es durch Wald & Flur …

und nicht für deutsche Ohren nur?
„Ab 5 Uhr 45 wird zurückgeschossen …“

und wer weiß schon wieviel Blut geflossen …

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Deutschland hat ein Stück Geschichte hinter sich, dass trotz aller Bemühungen es zu polieren, keinen rechten Glanz bekommt. Ich denke, man mag es nicht her zeigen – wie ein unansehnliches Besteck, das nur im engeren Alltagsgebrauch auf dem Tisch erscheint. Auf meinem Weg durch die Zeit bewegt mich immer wieder aufs Neue die Leere im Innern vieler Menschen, denen ich begegne. Sei es, dass sie noch den Schwamm in der Hand halten, mit dem sie die Bilder fort gewischt haben – sei es, dass sie auf einen unbefleckten Bogen Papier sehen, auf den niemand geschrieben hat. Wer von den dabei gewesenen seinen „Ich weiß es noch“ Tresor ausgeräumt hat, mag sein Alter genießen und dieses Buch beiseite legen. Wer in seinem Wissen über diesen Abschnitt Vergangenheit Lücken sieht, dem empfehle ich weiterzulesen. Meine Erinnerungen an Erzähltes und Erlebtes mögen manchem vielleicht helfen, diese Lücken zu schließen.

Ich danke allen, die in ihrem Reden mit mir, zu diesem Buch beigetragen haben – besonders denen, die eigenes Fehlverhalten als solches erkannt – und darüber nicht geschwiegen haben. ©ee

 

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In der Sonne frieren.

Kindle Edition  3,09 Euro

Taschenbuch    6,89 Euro

  • ISBN-10: 1491031743
  • ISBN-13: 978-1491031742

Amazon

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Jugend
die nirgendwo gelandet
Jugend
die einfach irgendwo gestrandet

Jugend
die keine Hoffnung mehr hat
Jugend
die einfach verkommt

gestürzt und gestoßen
von ihrer Zukunft schmalstem Grat
was ist das Begehren
der mächtigen Macher
da in den protzend Palästen
warum tun sie Jugend
die Chancen verwehren

oder hoffen sie
auf den ganz großen Kracher
und woll’n wieder
eine Kultfigur mästen
so wie sie’s schon einmal
passabel vollzogen
vor gar nicht so langen Zeiten

als sie das hungernde Volk betrogen
und ließen es
in den Untergang gleiten.

©ee

Getaggt mit ,

Abschied.

Meine Buchvorstellung :

Worte für die Momente im Leben

in denen die Seele

eine Stütze benötigt. Ewald Eden.

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Abschied

 

Abschied

 

Momente
Ewald Eden

Hardcover

80 Seiten

ISBN-13: 978-3-7448-8737-3

Verlag: Books on Demand

Erscheinungsdatum: 02.08.2017

Sprache: Deutsch

14,99 €

inkl. MwSt. /

 

Abschied Ewald Eden

Getaggt mit

Die Insel.

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Die Insel …

Türkisenes Wasser – schneeweißer Sand
blauender Himmel – rötelndes Land

das alles auf einer handvoll Fläche
zu umrunden im Bruchteil der Tagesbahn

die Menschen hier leben in ihrer eigenen Welt
bestaunt und beneidet von täglichen Gästen

die sich wundern daß es jemand auf Dauer gefällt
abseits zu sein von Rummel und Festen

bewundert von Wesen
die nicht mehr wissen wie’s geht

wenn Mensch der Natur
gegenübersteht.

© ee

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Die Nachteule: Ostwind

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Taschenbuch
von Ewald Eden (Autor)

Kindle Edition 5,49 Euro
Taschenbuch 7,99 Euro

ISBN Nr. 978342 366831

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Zu kaufen bei :

Amazon – die Nachteule

514TT871SNL

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Meine Buchempfehlung .

Mein Freund Ewald Eden ist Heimatdichter und er schreibt nicht nur traumschöne Zeilen voll Poesie, er setzt unterhaltsame Geschichten, tippt sozialkritische Beiträge verzaubert mit seinen Kindergedichten und hält mich unter Spannung mit seinen Krimis . Das ER auch mit einer Leichtigkeit zeichnet und genauso gerne fotografiert hat mich dann nicht mehr gewundert. Ein Tausendsassa mein Freund .

Ich enpfehle deine Bücher gerne weiter dein Bücherwürmchen

Christin

Getaggt mit ,

Auszug aus der Erzählung „Nordwehen“

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Auszug aus der Erzählung „Nordwehen“

 

Oma Lüders ihr zu Hause ist eine ehemalige Wehrmachtsbaracke – zwei Steinwürfe vom Dorfrand – am Weg in die Dünen. Das Armenquartier der Stadt Norderney – des Bades der Reichen und Schönen. Wenn man durch die hohe Dornenhecke in das Geviert des Gartens tritt, wähnt man sich in eine andere Welt versetzt. Die fühlbare Liebe zur Natur überrollt mich beim ersten Besuch, wie eine Woge von Zufriedenheit und Glück. Bei Oma Lüders Tee trinken, ist jedes mal eintauchen in Geborgenheit und Zuversicht.

 

Sie sitzt dann in dem uralten Lehnstuhl – nahe beim Ofen. Es ist ein Stück Heimat – noch von ihrem Großvater aus ostpreußischem Holz getischlert.

Den weiten Weg von Gumbinnen – unweit der russischen Grenze – bis auf diese Nordseeinsel hat sie den Lehnstuhl auf ihrem Handwagen gezogen.

Damals saß auf weiten Strecken ihre betagte Mutter im Stuhl auf dem Leiterwagen, wenn ihre Beine ihr den Dienst versagten. Im Februar neunundvierzig hat der liebe Gott sie zu sich geholt. Was von ihr blieb, liegt auf dem Inselfriedhof – ein Fuß breit neben dem Glockenturm. Zu gerne wäre sie in der Heimat zur letzten Ruhe gebettet worden. Wenn Sonntags in der Frühe die Glocken zum Gebet in Gottes Haus rufen, dann erzählt Oma Lüders ihrer Mutter, was so die Woche passiert ist, und wie sie das Leben handhabt. Ich spüre – es liegt ihr viel an diesen Zwiegesprächen. Auch wenn sie die Antworten nicht hören kann.

 

Ein anderes Stück Heimat – das kleine, buckelige Sofa hat sie für ihre Liebesleute – für Edeltraud und mich – reserviert.

Wenn wir im schummer-düster aneinander geschmiegt auf dem verschossenen Samtbezug kuscheln, versinkt alles um uns her. Der Lichtkreis der Petroleumlampe, die auf der hellen, sorgfältig gescheuerten Tischplatte steht, hält alles was sich nicht in ihm befindet, von uns fern.

Das Feuer im eisernen Küchenherd knistert und knastert – als wenn wir im Herbst durchs trockene Unterholz des Inselwäldchens laufen.

Durch die Risse und Schrunden in der blank geputzten Kochplatte werfen die züngelnden Flammen geisterhaft tanzende Sprenkel an die, von Kochdunst und Rauch in langen Jahren braun gefärbte, niedrige Küchendecke. In diesen Stunden der Muße gibt es nur uns Drei. Die Welt führt in diesem Stück Zeit ihr Hasten und Treiben ohne uns. Oma Lüders Erzählen nimmt uns beide mit auf die Reise – zurück in eine Geschichte, die wir zum Glück nicht  erleben durften. Stundenlang könnten wir sie begleiten.

 

Tja – und dann sind da die Abende, an denen Oma Lüders nicht erzählt.

Sie fühlt, wenn uns etwas drückt – und schweigt. Nur ihre zerfurchte, schwielige Hand sucht unsere Hände. Oder sie fährt sacht über den Kopf meiner Fee – als wenn ein Engelsflügel vorbei streicht. Ganz von selbst fängt unser Kummer an zu fließen. Worte und Sätze werden zu einem Bach – und Oma Lüders zeigt ihm den Weg, damit er in das große Meer der Erleichterung fließen kann. Keine Sorge und kein Bedrücken, die nicht von ihr in einen frohen Abschied verwandelt werden. Oma Lüders weites Herz streut Blumen über jedes schwarze Erinnern. Die Teestunde bildet allabendlich den Schlußpunkt.

 

Unser Begehren stillen wir, wenn  Wetterpetrus es zuläßt, in unserem weiten Dünenland. Oma Lüders weiß das – nur, davon spricht sie nicht. Nie nicht einmal eine Andeutung hören wir. Heute abend geht sie zum Abschied mit bis vor die Dornenhecke.

Kinners – sagt sie, morgen müßt ihr mir alten Tante einen Gefallen tun. Ich muß Morgen aufs Festland, was Dringendes beschicken. Die Katze muß versorgt werden, und ich mag das Haus über Nacht nicht allein lassen. Hier ist ein Schlüssel von der Hintertür, bleibt Morgen über Nacht hier. Und – mein Deern – die Schwester Oberin hab’ ich gefragt, die hat da niks gegen, das du eine Nacht auf mein Haus acht gibst. Keine Ausreden – das ist eine abgemachte Sache. Wir seh’n uns übermorgen wieder. Paßt man schön auf.

Und schon stehen wir alleine auf dem Weg. Heute abend fällt das Auseinandergehen leichter.

 

Dich scheint’s gewaltig erwischt zu haben, stellt mein kluger Chef sachkundig  fest, als ich ihn um eine Freinacht bitte. Entgegen allen bisherigen Erfahrungen meint er: Das kriegen wir schon hin – aber paßt gut auf. Wieder dieses: Paßt gut auf – harrijeses – können denn mit einemmal alle hellsehen? Na – und wenn schon, ist es mir auch egal. Nur mit den Schmetterlingen im Bauch muß ich die ganze Nacht – und den Tag über – alleine fertig werden. Die wollen sich überhaupt nicht in ihre Blütenbäume setzen. Die können auch wohl in die Zukunft schauen. Wenigstens bis in die folgende Nacht.

 

Mit dem Abräumen der Kaffeetische ist für mich am Nachmittag die Arbeit beendet. Duschen und Umziehen muß ich nicht im Eilzugtempo hinter mich bringen. Vor einer guten halben Stunde zog meine Liebste nämlich, mit ihrer Kindergruppe, auf der Strandpromenade vorbei. Sie hat um die normale Uhrzeit Dienstschluß. Um Liebesurlaub kann sie die Schwester Oberin schlecht angehen. Meine Hochstimmung leidet darunter nicht – eine ganze, lange Nacht liegt vor uns. Abholen vom Seehospiz muß ich mein Glück aber doch. Die große Normaluhr am Denkmal in der Stadtmitte geht auf halb sechs zu. Nun aber los. Schnell noch bei Bakker’s rein – einen Kasten Pralinen und eine Mediumflasche Fürst Metternich kaufen. Hast du heute abend was besonderes vor,  will  Claas Bakker von mir wissen. Alle, denen ich heute begegne, scheinen sich auf mich einzuschießen. Ich bin doch kein Auskunftsbüro – oder sieht man mir etwa mein Glück buchstäblich an der Nasenspitze an?

 

Pfeifend und trällernd die Benekestrasse hoch – Richtung Seehospiz. Zehn Minuten muß ich mich denn doch noch gedulden – mein Gott, hat jemand die Uhrzeiger angehalten? Die bewegen sich ja gar nicht vorwärts. So ein Quatsch – aber es kommt mir beinahe so vor. Heiße Ohren hat mir die Erwartung schon beschert. Meine Märchenprin-zessin taucht aus dem Halbdunkel des großen Tores auf. Wie eine Elfe erscheint sie mir – der gelbe Rock tanzt um ihre wunderschönen Beine. Die langen seidigen Haare – sonst sittsam in einem Knoten zusammen gefaßt – wehen wie ein blonder Schleier um ihr strahlendes Gesicht. Ich kann mich nicht von der Stelle rühren – bis sie in meinen Armen liegt. In ihren Augen glitzert es verräterisch – ein paar Glückstränen schwimmen auf dem grünen See. Können zwei Menschen nur durch ihr Zusammensein vor Seligkeit überströmen? Ich kann die Antwort nicht geben – ich kann sie nur fühlen. Würde die Schwester Oberin uns jetzt sehen – wir bräuchten nichts mehr zu erklären.

 

Hand in Hand bummeln wir durch das Dorf, dem Anger zu. Vom Rande des Argonnerwäldchens her beobachtet uns eine Ricke. Sie steht zwischen den maigrünen Büschen. Im Frühling wechseln sie von den ostfriesischen Mooren auf die Insel über – ohne Wattführer. Auf Jahrhunderte alten Pfaden. Unser Reh zeigt keine Scheu. Auf zehn Schritt Entfernung läßt es uns vorüber schlendern – äugt mit großen braunen Lichtern zu uns herüber. Die Lauscher spielen, als ob sie sagen will: vor euch fürchte ich mich nicht – viel Glück, ihr Beiden. Langsam dreht sie bei und verschwindet im Dickicht.

 

Die Franzosenschanze hat sich wie eine Wand zwischen uns und den neugierig blitzenden Fenstern der letzten Häuser des Dorfes geschoben. Als wenn sie weiß, daß wir uns hochnötig umarmen und küssen müssen, um unseren drängenden Gefühlen ein Ventil zu öffnen. Oma Lüders Dornenhecke ist noch nicht in Sicht, da haben wir schon den Duft der aufbrechenden wilden Rosen in der Nase. Nun hält uns aber nichts mehr. Unsere Beine werden wie von selbst immer schneller. Ein Schritt durch die Rosenhecke, und wir sind mitten in unserem verwunschenen Reich. Glücklicher können Dornröschen und ihr Prinz auch nicht gewesen sein. Die rote Lilly liegt als ein rundes Etwas auf dem Dach des alten Zieh-brunnens. In vollen Zügen genießt sie die wärmende Maiensonne. Ein halbes Auge schenkt sie uns nur als Beachtung, denn noch ist ja nicht Futterzeit. Wenn ihr Magen knurrt, dann sind es zwei Augen, ein Köpfchen, ein krummer Buckel, ein hoch aufgestellter Schwanz und ein begehrliches Schnurren. So sehr unterscheiden wir warmblütigen Geschöpfe uns da gar nicht.

 

Meine Prinzessin ist schon im Innern ver-schwunden. Ich höre einen hellen Schrei – eile ihr nach – und stehe in fassungslosem Erstaunen unter der Tür.

Eine feuchte Spur zeichnet meine Wangen, Traudel nimmt meinen Kopf in ihre Hände und küßt sie mir fort. Als wenn ein Fabelwesen mir flüstert, weht ihre Stimme in mein Ohr: Oh, wie ich dich liebe – deine Tränen streicheln meine dürstende Seele. Seltsam – keine Scham über Mannestränen – nein, Freude breitet sich in mir aus. Freude und Glück – und unendliche

 

Wärme, als wenn ich die Sonne in meinen Armen halte. Wir stehen wie Eins in der Küche – schauen um uns zu – schauen uns an, und flüstern: liebe, liebe Oma Lüders. Zu mehr sind wir einfach nicht fähig. Die Küche und die angrenzende Kammer sind ausgeschmückt wie zu einer Hochzeit.

Den Küchentisch ziert ein blütenweißes, steif gestärktes, damastenes Tischtuch. In der Mitte stehen drei blutrote Rosen in einer irdenen Vase,  neben zwei schneeigen Kerzen in einem silbernen Leuchter. An der Seite unseres Kuschelsofas Gläser aus geschliffenem Kristall, und eine Flasche vom feinsten Burgunder. Das Bett in der Kammer sieht aus, als wenn es vom Himmel gefallen wäre – wolkendickes Bettzeug, einladend aufgeschlagen und in strahlendem Blau. Der Herd vorbereitet – wir brauchen bloß noch ein Streichholz entzünden. An der Vase auf dem Tisch lehnt eine vergilbte Hochzeitsphotografie- ein Soldat des Kaisers mit seiner Braut. Es zeigt wohl Oma Lüders und ihren Mann. Auf der Rückseite steht in zittriger Handschrift: Dies ist mein Dankeschön für euer Geben. Die Liebe zwischen zwei jungen Menschen ist das Schönste, was der Herrgott uns schenkt. Mir wurde sie in der Jugend versagt. Lebt sie für mich mit – eure alte Oma Lüders.

Es dauert geschlagene fünfzehn Minuten, bis wir wieder klar blicken können. Oma Lüders hat eine Quelle freigelegt, aus der das Herzenswasser nur so sprudelt.

Das trübt aber nicht unsere Stimmung – eher das  Gegenteil isst der Fall – es hat mein Ungestüm sachte gebremst.

 

Ich hülle mein Liebstes in Berge von Zärtlichkeit. Wir treiben uns mit unseren Liebkosungen in schwindelnde Höhen, um dann mit jubelndem Schrei in die Tiefen der Erlösung zu fallen.

Am Grunde denke ich, ich bin tot. Bin ich tot? – nein ich lebe, ich lebe die schönste Sache der Welt – ich liebe das schönste Mädchen der Welt. Diese kleinen Tode der Liebe möcht ich jeden Tag tausendmal sterben – jedes mal mit einem fröhlicheren Herzen.

Unsere Stunden auf dem Meer des Vergessens werden vom heimeligen Licht der Petroleumlampe umfangen. Von dem guten Roten haben wir bislang nur ein winziges Gläschen getrunken – mehr Zeit gibt die Liebe nicht her. Sie zeigt uns die Sterne des Lebens – sie treibt uns von Himmels- zu Himmelsrand.

Zwischen den wirbelnden Lustreigen muß ich immer wieder meine Märchenfee betrachten. Das weiche Gesicht in den Wolkenbergen – alles Glück in ihm vereint – gelöst vom Gestern und vom Morgen. Mitternacht ist lange vorüber, als wir uns zusammen kuscheln wie Zwillinge im Mutterleib – wohl behütet in der Wiege des Lebens.

 

Träume ich oder ist es Wirklichkeit? Ich spüre ein zartes Lippenpaar auf meiner Stirn, auf meinen Wangen, auf meinem Mund. Ein zartes Vögelchen zirpelt an meinem rechten Ohr und flüstert: ich liebe dich – ich liebe dich – ich liebe dich. Der Schlaftraum weicht, und das Vögelchen zirpelt immer noch und hüllt mein Gesicht in einen goldenen Baldachin lieblich duftender Haare.

Du Langschläfer – das Frühstück ist fertig. Dieser Satz animiert mich, mit beiden Beinen aus dem Bett zu springen. Halt – du hungriger Wolf. Willst du nach den Stunden des Schlafes nicht erst deine Wölfin begrüßen – sagt meine innere Stimme. Diese Mahnung hätte sie sich sparen können.

Die strahlenden Augen und der lockende Mund meiner Zauberfee, eingesponnen in einen Kokon weiblichen  Duftes, hindern mich ohnedies am aufstehen. Was wäre es, so einen Tag zu beginnen, ohne sich der Liebe zu beugen. Das beste Frühstück der Welt wird dadurch nur immer noch besser. Es werden schon noch genug einsame Morgen folgen, an denen ein Brötchen die einzige Freude ist.

Weise, wie meine Prinzessin ist, brüht sie den Tee erst, als unser Verlangen wieder auf ruhigerem Wasser schwimmt. Irgend jemand hat es so eingerichtet, das wir beide einen gemeinsamen freien Tag haben. Da ich niemanden in diese Möglichkeit einbringen kann, hat Oma Lüders wohl ihre ordnende Hand im Spiel gehabt. Dieser gemeinsame freie Tag schließt sich, auch sicherlich nicht rein zufällig, an Oma Lüders Reise auf’s Festland an.

Unserer Nacht in den Sternen folgt ein sanftes Gleiten, wieder hinunter auf die Erde.

 

So eine Reise möchte ewig dauern.

 

Um sechs Uhr nachmittags wird Oma Lüders mit der letzten Fähre übersetzen. Wenn wir mit ihr vom Dampfer kommen, soll ihr Heim wieder sein wie zuvor. Der blank gescheuerte Küchentisch, auf dem Bett in der Kammer die bunt gemusterten Laken – ganz so, als sei nichts geschehen. Traudel konnte aber nicht umhin, das Hochzeitsphoto von Oma Lüders inmitten eines großen Herzens – aus Heckenrosen geformt – auf den Küchentisch zu legen. Ich habe mich noch schnell auf die Socken gemacht, um von meinem Freund Bent einen dicken, frisch geräucherten Aal zu besorgen. Für einen Smutaal würde Oma Lüders sterben – das wußte ich – nur leisten würde sie sich ihn nie. Ihre Spargroschen ausgeben, damit wir glücklich sind – ja. Sich selber einen Räucheraal leisten – unmöglich.

 

 

* * *

 

 

 

 

Hektisches Gedränge an der Hafenmaauer. Die Wartenden scharen sich um den schwankenden Schiffssteg. Jeder will „seinen“  Ankommenden zuerst begrüßen.

Wir stehen abwartend außerhalb des Menschen-knäuels – was kommt, kommt noch früh genug. Alles ruft und winkt und redet durcheinander – und plötzlich schweigt der ganze Haufen. Die Menge teilt sich und bildet eine Gasse.

Es ist wie ein Spalier, durch das nun unsere Oma Lüders und die Schwester Oberin schreiten. Wir stehen plötzlich nicht mehr am Rande, sondern bilden den Mittelpunkt des Geschehen. Die beiden alten Damen laufen auf uns zu. Tausend böse Vorahnungen schwirren in meinem Kopf hin und her. Wir stehen uns gegenüber – keiner von uns sagt ein Wort. In dieses fühlbare Schweigen hinein hebt die Oberin die Arme – legt ihre Hände auf unsere Köpfe und sagt, für die große Schar klar zu hören: Gott segne euch – meine Kinder.

 

Na – das wird Gesprächsstoff für die Insulaner sein. Und nicht bloß für heute.

 

Unendlich schöne Male zeichnen meiner Liebsten Gesicht – ihr innerer Frieden hat sich ein Bild geschaffen. Oma Lüders steht in ihr in nichts nach, ihr Antlitz zerfließt vor Seligkeit. Sogar ihren vielen Fältchen und Runzeln hat ihr Glück heute freigegeben. Zwischen den brummenden Motor-droschken auf dem Hafenplatz verlieren sich die wenigen Landauer, die es noch auf der Insel gibt. Sie sind das ruhige Fortbewegungsmittel für Gäste mit Muße und Moos. Die großen offenen Insel-busse der Kurverwaltung stehen in Reih’ und Glied vor der Hafenmeisterei.

Damit fahren die Inselbesucher, denen es an beidem mangelt. Die haben nicht soviel klingende Münze im Beutel, dafür aber meist mehr Platz im Kopf für die Schönheiten dieser kleinen Welt in den Watten der Nordsee.

Die Schwester Oberin wird standesgemäß von der hospizeigenen Kutsche erwartet. Der Kutscher  in seiner bunten Uniform hat schon ihr Gepäck verstaut, und will, nachdem sie eingestiegen ist, die Pferde in forschen Trab bringen. Ein Zuruf läßt ihn zögern – die Oberin fordert uns nachdrücklich auf, zu ihr in die Kutsche zu steigen.

Das ist für den Hafenplatz und seine Menschen noch nicht dagewesen. Wir lassen uns nicht ein zweites Mal bitten – und schon geht die Fahrt los. Mit keinem Wort werden wir Verliebten in Verlegenheit gebracht.  Erst nachdem sie uns drei an der Dornenhecke abgesetzt hat, beugt sie sich vor,  faßt uns an den Händen und sagt in ihrer ostpreußischen Mundart: Der liebe Gott hat schon viel, viel größere Sünden vergeben.

Sie läßt uns zwei Kinder mit offenen Mündern stehen, und fährt augenzwinkernd davon.

 

Oma Lüders ist währenddessen schon im Haus verschwunden. Unsere heftige Umarmung wird begleitet vom klappern des Teekessels, das bis zu uns nach draußen dringt. Es scheint mir, als ob sie aus Erklärungsnotstand etwas forsch mit dem Teekessel umspringt. Als wir nach geraumer Zeit in die Küche treten, sitzt Oma Lüders am Küchentisch. Das Kinn hat sie auf die Hände gestützt, und badet das Heckenrosenherz in Tränen. Kein Laut hört man von ihr. Die Entsagungen ihres ganzen Lebens fließen in diesen Minuten aus ihren gütigen Augen. Wir schließen die Tür hinter uns und lassen sie für eine Weile allein. Der Zaubergarten hört auch von uns in der nächsten Stunde kein lautes Wort. Zuviel müssen wir zwei – eng aneinander geschmiegt – auf die Reihe bringen. Als Sinn und Auge Luft bekommen, wird  der verdiente Tee wieder in seine Rechte eingesetzt. Durch die Ereignisse ein wenig vernachlässigt, bekommt er uns jetzt doppelt gut.

 

Unsere schweigende Teestunde läßt mich einen langen Abend ahnen. Auf der letzten Tasse Tee dehnt sich noch wohlig das Rahmwölkchen, als Oma Lüders aufsteht, zur kleinen Buddelei in der Ecke geht, ein kleines abgegriffenes braunes Kästchen aus dem obersten Fach nimmt, und sich mit einem tiefen Seufzer wieder in den alten Lehnstuhl setzt. In der kleinen Küche schwebt eine Stille, die man fühlen kann – nur begleitet vom schwingenden Knistern des Holzfeuers.

 

Es ist dunkel geworden.

 

Wir haben kein Licht angezündet, irgendwie würde es stören.

Oma Lüders hat zwei Ringe des Herdes zur Seite geschoben. Rötlicher Feuerschein liegt auf ihrem Gesicht – die Augen geschlossen – die Hände, wie um einen Schatz, um das Kästchen auf ihrem Schoß. Ich habe Angst, mit meinem Atem die Stille anzustoßen. Traudes Kopf liegt an meiner Brust – ganz fest hält sie meine Herzenshand umklammert. Meine Rechte ist zärtlich  in ihren Haaren verborgen. Der Abend fließt in weichen Wellen durch den Raum – mit stetem Begehren auf die Nacht, die fast unmerklich näher rückt.

 

Wißt ihr – wie der Laut eines Nachtvogels streicht dieses „wißt ihr“ um uns herum – wißt ihr, schickt Oma Lüders immer voraus, wenn sie aus dem großen Schatz ihres Lebens etwas verschenken will. Wißt ihr, es ist eine lange Geschichte – mit mir und Theodora.

Theodora – jetzt hat das, mit den Augen zwinkernde, Oberinnengesicht für mich plötzlich einen Namen. Wir waren als kleine Kinder schon zusammen, auf dem Gut ihrer Familie. Zwischen den ostpreußischen Seen. Bis zum Beginn der Schulzeit waren wir Alltags nicht zu unter-scheiden, wenn wir in den Sandkuhlen oder auf den Windbrüchen spielten. Als wir sechs Jahre alt wurden,  änderte sich das  schlagartig.

Wir Dörflerkinder mußten in die einklassige Dorfschule zum Schulmeister Rübenknecht – Theodora hatte im Westflügel des Schlosses ein Studierzimmer. Ganz für sich allein – und lange Jahre als einzige Gesellschaft einen griesgrämigen, verbitterten Hauslehrer. Wir Leute im Dorf haben ihn nie zu Gesicht bekommen – wegen seines Höckers mied er anderer Leute Blicke wie die Pest.

Für die Häuslerkinder war Schulzeit immer nur dann, wenn die Arbeit auf den Feldern es zuließ. Wir zwei sahen uns nur noch selten – viel zu selten.

 

Die Kinderzeit war zur Jungmädchenzeit heran gewachsen. Unsere kleine Welt des Gutsdorfes, und die andere große Welt da draußen, lief ihren gewohnten Gang.

Bis Neunzehnhundertzehn Kaisers Geburtstag gefeiert wurde. Der Baron – Theodoras Vater – ließ ein großes Dorffest ausrichten.

In dieser Nacht verliebte sich Theodora in einen schmucken Burschen aus dem Dorf, der auf dem östlichen Vorwerk als Stallknecht seinen Dienst tat. Einen Sommer lang schwebten die beiden im siebten Himmel. Bis – ja- bis es dem Baron zu Ohren kam. Er war in der Befolgung seiner Lebensregeln auch ein unerbittlicher Vater.

Irgendeine Schöne aus dem Dorf hatte der Neid geführt – sie hätte vielleicht selber gerne den Platz an des schmucken Burschen Seite inne gehabt. Theodora kam kurzerhand nach Königsberg in ein Ordensinternat, und der hübsche junge Bursche auf das Sommergut an die Grenze Rußlands.

Theodora haben wir im Dorf nicht wieder gesehen, und ihr Sommerglück wurde drei Jahre später mein Mann. Im Frühling feierten wir Hochzeit, und im Herbst zog er in den Krieg für unseren Kaiser. Ich habe ihn nicht wiedergesehen – er ist in den ersten Wochen gefallen. So haben wir beide für einen kurzen, heißen Sommer unser Glück in den Armen gehalten. Bis es uns genommen worden ist. Jeder von uns wohl nicht auf dieselbe, aber beiden auf eine gleich schreckliche Weise.

 

An diesem Punkt angelangt, schweigt Oma Lüders. Den Kopf, mit den immer noch naturschwarzen Haaren, leicht zurück gelegt. Ihre Augen hat sie geschlossen. Nur die steifen Finger umspielen das glänzende Kästchen.

Ihre Seele ist weit, weit in die Vergangenheit eingetaucht. Als sie wieder in die Gegenwart zu-rückgekehrt ist, hebt sie aufs neue zu sprechen an.

 

Im Jahre achtzehn änderte sich die Politik, aber für uns armen Leute blieben die Tage gleich.  Arbeiten so lange es hell war – und zum Leben gerade genug. Das wurde erst nach dreiunddreißig anders. Uns Deutschen war vom Himmel das Heil beschert worden – haben wir zu Millionen geglaubt. Den Glauben an dieses Anders haben wir teuer bezahlen müssen. Als wir im Herbst fünfund-vierzig, von unserer langen Flucht erschöpft, und am Ende unserer Kraft, auf dieser Insel an Land gingen, fanden wir im Seehospiz das erste warme und trockene Lager nach unserem Marsch durch die Hölle. Eine Hölle – unvorstellbar, und von Menschen angerichtet.

Erinnerung an dieses Grauen verschließt ihr aufs neue den Mund.

Kinners – laßt es nie wieder so weit kommen. Der liebe Gott mag euch davor behüten.

Mit diesen Worten beginnt sie aufs neue zu erzählen.

Unter den Schwestern entdeckte ich am zweiten Tag Theodora. Sie war Diakonisse geworden.

Die Zeit zwischen der Trennung von „unserem“ Mann, und der Begegnung hier auf der Insel, war verschwunden – ausgelöscht. Wir wußten, wir trauerten immer noch um den selben Menschen – aber ohne trennende Gefühle. Theodora war fünfundvierzig noch keine Schwester Oberin – die wurde sie erst zehn Jahre später. Um unsere gemeinsame Geschichte weiß hier heute niemand mehr. Nur unser Herrgott benutzt uns manches mal als sein Werkzeug – wenn hier unten was gerade zu biegen ist.

 

Während ihr Erzählen den Raum füllt, hat sie die abgegriffene Schachtel geöffnet. Der Inhalt liegt ausgebreitet auf dem Küchentisch. Es sind Briefe. Briefe, die Theodora ihrem Geliebten schickte – und Briefe, die Oma Lüders von ihrem Mann aus dem Feld bekam.

Es sind bloß eine Hand voll – aber ein Schatz, wie er kostbarer wohl nicht sein kann. Wir berühren sie nicht. Sie sollen ein Edelstein in Oma Lüders Herzen bleiben. Nach langem Schweigen schreibt ihr Mund noch einen Satz in die Dunkelheit der Nacht: Wenn der Herrgott mich zu sich ruft – gebt mir dieses Kästchen mit auf die Reise.

 

* * *

 

 

 

Jemand hat mich an der Schulter zu fassen, und rüttelt mich mit hartem Griff aus dem Tiefschlaf. Wie aus einem bleiernen Sarg tauche ich an die Oberfläche des Wachseins. Das Zimmer ist hell erleuchtet. Der Nachtportier, in Begleitung von drei Gendarmen, hat uns zum Leben erweckt. Aber wie sieht unser Schlafraum aus? Hat man den Krieg ausbrechen lassen, ohne uns vorher zu warnen, oder sind die Vandalen bei uns durch die Bude gezogen? Die Schränke sind leer gemacht worden, die Kommoden ausgeräumt. In der Schubladenfront, die ich mir mit Wölfi teile, haben die Schutzleute mehr als siebzig Packungen Zigaretten entdeckt. Wir müssen unsere Hände vorzeigen – man sucht nach Schnittverletzungen. Bei Heiner und mir vergebens. Es hat in der Nacht in der Jan-Berghaus Straße ein männlicher, jugendlicher Täter einen Automaten geknackt, und sich dabei verletzt. Die Polizei ist den Blutstropfen hin und her über die Insel gefolgt. Hier bei uns im Zimmer fanden sie den letzten. Wer ist der Täter? Ganz klar – der Mann mit der blutigen Hand. Wo ist der B. fragt man uns. Schulterzucken ist unsere Antwort. Wir haben vor Erschöpfung geschlafen, wie die Mumien der Pharaonen.

Fünf Minuten später hat man Wölfi im Flakturm gefunden. Im Zockerquartier. Jetzt wissen wir, daß die Zigaretten nicht von zu Hause gekommen sind. Zwanzig mal hat Wölfi Automaten aufgebrochen – bis es ihm zum Verhängnis wurde. Die Kompanie Uniformierter hat sich verzogen. Unser Nacht-portier marschierte wie ein Feldmarschall vorweg. Wölfi in ihrer Mitte. Zwei ganz schön bedeppert aus der Wäsche guckende Zimmergenossen zurücklassend.

 

An weiterschlafen ist nach dieser Räuberpistole nicht zu denken – zumindest mir geht es so. Halb vier zeigt der Wecker.

Menschenskinder – wie gerne würde ich jetzt das Bett mit Traude teilen. Dann hätte ich anderes zu tun, als dieses verquere Ding im Kopf herum zuwälzen. Irgendwie macht sie mir doch zu schaffen – die Sache mit Wölfi. Wenn ich es mir recht überlege, haben wir auch von seinen schrägen Einkäufen gezehrt. Warum hat er uns die Glimmstengel geschenkt? Sollte das der Preis für Freundschaft sein? Ein profitables Elternhaus – das ganze darum herum – alles nur Spiegelfechterei. Und das nur um Freunde zu gewinnen? So kann es doch nicht sein.

 

Meine Gedanken wirbeln um Probleme, die mich im Grunde nichts angehen. Heiner sägt schon wieder Bäume im Gleichtakt – in imaginären Wäldern – nichts mit Reden. Ich wälze mich von einer Seite auf die andere. So ein Mist aber auch! Raus aus der Falle, leichte Klamotten über das Knochengerüst gehangen –  und ab nach draußen. Der Morgen beginnt im Osten sachte die Nacht beiseite zu schieben – der Himmel ist ganz rot vor Anstrengung.

Der Melkbuur ist auch schon unterwegs, ich höre leise die Milchkannen klingeln. Handgruß und ein gedämpftes  Hee schicke ich zu ihm hinüber. Er schaut auf – ein erstauntes Hee – und ein fragendes „Wat deist du denn all um disse Tied up?“ kommt auf Platt zurück. Bist du aus dem Bett gefallen, fragt er mich. Im gleichen Atemzug erzählt er mir, daß bei seinem Kollegen Brauer heute Nacht schon wieder ein Automat geknackt worden ist. Sieh mal – sag’ ich – und davon bin ich aus dem Bett gefallen.

Seinen fassungslosen Gesichtsausdruck hätte ich gerne festgehalten. „Wuso,“ sagt er – wee dat so luut? „Dat is doch een heel Enn’n wäch van jo!“. Nee –  sag ich –  gehört hab’ ich den Knall nicht, aber die Zigaretten sind bis zu mir in die Kommode geflogen. Dieser Art seine Neugierde geweckt, muß ich ihm natürlich die ganze Geschichte haarklein erzählen. Er ist ein aufmerk-sam lauschender Zuhörer, läßt sich nicht ein Detail entgehen.

Goldwerte Nachrichten für seine frühen Kunden. Ich bin mir sicher, bis zum Erscheinen der Badezeitung ist die Geschichte schon über die Insel gehuscht. Wofür hat die Stadt sonst ihre wandelnden Nachrichtenblätter.

Mein hoch zufriedener Melkbuur zieht fröhlich pfeifend weiter. Hab’ ich – so früh am Morgen – doch schon jemand glücklich gemacht. Anders würde es mir sicher gehen, wenn es mein Schatz gewesen wäre. Ich kneife mir selbst in die Wange, und denke so für mich: Bescheiden, bescheiden, junger Mann – von zuviel Glück sind auch schon Menschen erschlagen worden.

 

Mein Weg führt mich quer über die Kaiserwiese. Ein Satz über die Balustrade, und ich lande auf der Strandpromenade. Die einzigen, die um diese Zeit promenieren, sind die vielen Emmas. Große stolze Silbermöwen, die ihre kleineren Verwandten nur fliegend über sich dulden. Keine Bange, ihr Lieben, ich will euch nicht stören, sag ich laut zu ihnen. Ein paar  Schritte das Deckwerk hinunter, und ich befinde mich im Sand – inmitten hunderter schlafender Strandkörbe.

Die Nummer achtzehn ist mein Ziel. Mein Herzblatt und ich sitzen oft hier, in Stunden, in denen der Strand mit sich alleine ist. Ich setze mich in den Korb, ziehe die Beine unter mich, und lasse meinen Gedanken freien Lauf. Fünf singende Schläge zittern durch den kühlen Morgen. Die alte Turmuhr ist unbestechlich in ihrem Zeitmaß. Das ist gemeinhin mein Zeichen zum Dienstantritt. Heute tut es gut, die fünf hallenden Schläge der alten Glocke über dem Wasser verwehen zu lassen, ohne in der Pflicht zu stehen. Die Plackerei beim Küchenumbau hat Heiner und mir drei freie Tage beschert.

 

An der Kimm zieht langsam ein Fischkutter seinen Kurs. Das Rauschen der auflaufenden See, nur unterbrochen vom hellen Schrei sich streiten-der Möwen, läßt mich die Augen schließen. Ich vermeine Traudes Weibsgeruch zu spüren – so, als wenn sie neben mir sitzt und mich wahnsinnig macht – allein durch ihre Nähe. Ob sie weiß, daß sie alle Macht der Welt über mich hat? Ich lache still vor mich hin – ich kleiner Dummkopf – wenn sie das nicht wüßte, wäre sie keine Frau.

 

Viertel vor sechs – ich komme langsam in die Hufe. Zum Seehospiz runter, am Strand entlang, eine gute halbe Stunde. Vielleicht kann ich wenigstens noch einen geworfenen Handkuß von meinem Schatz auffangen, bevor sie ihren Dienst antritt. Die Aussicht macht wohl meine Füße schwerelos – vierzehn Minuten später bin ich schon gleichauf mit dem Seehospiz. Helles Kinderlachen – durchsetzt von freundlichen Jungmädchen Stimmen – glittert um die altehrwürdigen Mauern. Zu Zeiten des hannöverschen  Königs – vor mehr als hundert Jahren – wurde diese Anlage als Waisenpensionat errichtet. In dieser Zeit herrschte sicherlich eine andere Atmosphäre in den Gemäuern. Ich wünschte, die kleinen Bewohner hätten damals auch eine Theodora zur Schwester Oberin gehabt. Welch ein glücklicher Wandel für alle die hier leben – und leben müssen.

 

Die Krone der Umfassungsmauer ist ein schöner Sitzplatz. Meine Füße baumeln binnenwärts, über jungen Gemüsepflanzen in vielfältigem Grün. Die Schwester Gärtnerin hat ihre Äcker wohlbestellt. Zum Waschhaus hinüber zieht eine wirbelnde Gruppe halbwüchsiger Mädchen. Die beiden Kindertanten haben sichtlich Mühe, die Blase im Zaum zu halten.

Man hat mich wohl bemerkt – den Jüngling auf der Mauer. Eine der beiden Fräuleins winkt mir zu – ich kann nicht erkennen, ob ich sie kenne.

Bevor ich mit mir einig bin, wie ich es jetzt halten soll, ertönt ein schriller Doppelpfiff. Er klingt gar nicht mädchenhaft – eher burschikos. Offenbar ein Signal. Sekunden später steht an einem offenen Fenster, im Hochparterre, das Ziel meiner Begehrlichkeit.

Die Truppen haben mich auf jeden Fall erkannt, und Melder gespielt. Ein Sonnenball wirbelt durch den Gemüsegarten, und wir liegen uns in den Armen. Uns bleibt bloß die Zeit für einen atemlosen, verzehrenden Kuß, und die Worte: Bis zur Freistunde – Dünenhäuschen sieben. Schon ist sie wieder weg –  und läßt einen verwirrten – vor seliger Erwartung zitternden – Halbmann, inmitten gebeutelter Kohlpflänzchen, stehen. Bevor ich mich über die Mauer davon mache, richte ich noch schnell die Pflänzchen. Eine verärgerte Schwester Gärtnerin möchte ich uns nun doch nicht einhandeln.

 

Vergnügt schlendere ich zum Kaiserhof zurück. Heiner ist von seiner Waldarbeit noch nicht zurückgekehrt. Er schnarcht noch zum Gott-erbarmen. Der Junge ist kaputt wie nur was. Na ja – ich kann es verstehen. Er hat ja auch keine liebende Sonne, die ihm Energie schenkt.

 

Dabei ist er mir in manchem über, der Gute. Das muß ich neidlos anerkennen. Wir sind am gleichen Tage hier gelandet, waren von der ersten Stunde wie Brüder. Man nennt uns auch wohl die Unzertrennlichen. Wir haben gemeinsam so manchen Bockmist verzapft – holla – damit kein falscher Eindruck entsteht – nichts Ehrenrühriges. Aber tierisch war’s doch schon manches mal.

So im letzten Herbst, kurz vor der Winterpause. Chef und Chefin waren eine Woche außer Haus, und wie das so mit den Mäusen ist, wenn die Katze nicht da ist: Es wird auf den Tischen getanzt.

Den genauen Anlaß weiß ich nicht mehr – auf jeden Fall stiftete Wer zwei Flaschen Orangen-likör. Klingt harmlos – nur die Prozente hatten es in sich. Und uns stifteten sie an, uns zu beweisen. Was wir auch prompt taten! Chef – wo steht das Klavier? Jeder eine Flasche auf Ex austrinken. Der standfestere bekam die Königswürde.

Geleert haben wir beide die Flasche, bloß – ich fiel schon nach zehn Minuten in die Tiefen eines Donnerrausches, Heiner stand fünf Minuten länger auf den Beinen. Ihm gebührte die Krone.

Nur – was hatte er von seiner Krone? Genau soviel elend zufrieden, und genau soviel strubbeligen Kater wie ich. Also, Null Vorteil.

Bis die Stabsführung wieder im Hause war, waren die sichtbaren Schäden an Geist und Körper verflogen. Glück für uns zwei. Ein mittelschweres Erdbeben wäre sonst wohl die Folge gewesen.

 

 

* * *

 

 

Alles das ist Vergangenheit, und heute morgen drängt es mich, den Schmuck meines Hauptes in Schwung bringen zu lassen. Oh Liebe, wie bewirkst du Wunder.

Bei Figaro Kurt wird viel erzählt – der Salon ist der Insel Nachrichtenbörse!

Heute muß ich natürlich als Informant herhalten, und sein Wissen auf den neuesten Stand bringen. Dafür macht er mir auch einen besonders schönen Schlag in die Frisur. Sozusagen als Honorar. Irgendwie bin ich denn doch heilfroh, der halbwarmen Atmosphäre seines Salons entfleuchen zu können. Draußen ein paar mal tief durchatmen – so, jetzt geht es wieder. Bei der Sitzung ist die Zeit davon gerannt.  Zurückgehen und essen ist nicht mehr drin.

Ich frage mich ernsthaft, ob ich auf Makkaroni und Gulasch verzichten kann, und beschließe, das opulente Mahl zu verschmähen.

 

Das Dünenhäuschen sieben ist mein Ziel. An einem Rosenstock, mit herzblutroten Blüten, kann ich unterwegs nicht vorbeigehen.

Ich lobe mir von der fleißigen Frau im Garten eine Rose aus – eine Rose für mein Herzblut. Den ganzen Weg, bis hin zu meinem Glück, habe ich wohl die Nase an der Blume. Es entströmt ihr ein Duft, der die Sinne trunken macht. Mein Schatz braucht gleich nur noch ein Tröpfchen obenauf tun, und ich bin ihr verfallen mit Haut und Haaren.©ee

Ewald Eden : Nordwehen.

 

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Getaggt mit

Auszug aus der Erzählung „Ostwind“

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Meine BUCHVORSTELLUNG :

 

Auszug aus der Erzählung „Ostwind“  

 

Der geheime Statthalter der OSTCOM in der Norder Altstadt-Gasse hat seine Order schon vor dem Treffen der Elite im Hause des Generals erhalten – man wußte, was man beschließt.

Des Generals Direktiven gehen noch in der selben Stunde, in der aus  seinem Jagdzimmer am Newska-Prospekt die maßgeschneiderten Produkte westlicher Konfektionäre verschwun-den sind, via Dwina-Kloster Richtung Westen – genauer, in das verträumte ostfriesische Norddeich. In das beschauliche Dorf am Rande der Krummhörn – in das Quartier Siegfried Högers. Nun sind es zwei Menschen in diesem Landstrich, die wissen welche Rolle der Teufel dem Idyll zuweisen will.

 

Diese beiden so verschiedenen Vertreter des männlichen Geschlechts befinden sich am darauf folgenden Morgen,  mit ihrem brisanten Wissen im Gepäck, an Bord der Fähre Frisia III auf halbem Wege zwischen Norddeich und Norderney. Man will die Liegenschaften auf der Insel in Augenschein nehmen. Von Bruder Siegfried in seinem schlichten Ornat nimmt kaum jemand Notiz, obwohl das Schiff, trotz des kabbeligen Wetters, gut besetzt ist.

Würdenträger aller Konfessionen und aller Couleur gehören zum Alltagsbild dieser Schiffslinie, rüber zum Staatsbad. Bruder Siegfried meint die Toleranz der holländischen Nachbarn, im Umgang mit andersartigen Menschenkindern, streiche über die ostfriesische Inselkette.

So ein bisschen mag er recht fühlen – der Westfale. Jan Grensemanns Erscheinung fängt sich da schon mehr hinterher laufende Seitenblicke aus amüsierten Gesichtern ein. Natürlich nur von Besuchserstlingen – wer ihn schon einmal gesehen hat, für den gehört er zum Bild der Landschaft.

Apropos Bild – ein Bild will sich der Erkunder aus den Weiten der russischen Ebene machen – ein Bild von dem allseits begehrten Objekt, für das bereits unschuldige Menschenleben geopfert wurden. Wie wertvoll und wichtig muß es sein, in einiger Leute Vorstellungen vom zukünftigen Lauf der Welt.

Das Bild, das die Reisenden in Sachen Immobilienbesichtigung am Hafen vorfinden, ist auch ein anderes, als die Erinnerung im Kopf von Bruder Siegfried gespeichert hat. Ein kleiner Stöpsel war er noch bei seinem ersten Besuch auf der Insel. Gemächlicher ging es zu – vor gut drei Jahrzehnten. Pferdedroschken belebten das Hafenpanorama. Gepflegte Landauer mit stämmigen Rössern davor, und mit urwüchsigen Kutschern auf dem Bock.

Die Benzinkarossen haben dieses Stück Vergan-genheit nahezu völlig verdrängt. Ein kleines bißchen Wehmut schleicht sich in sein Empfinden.

Als wenn Jan Grensemann Gedanken lesen kann, sagt er halblaut vor sich hin:

„Früher war es hier auch gemütlicher.“

„Das stimmt.“

Unwillkürlich mußte Siegfried seinem Begleiter zustimmen. Der wendet sein plötzlich gar nicht mehr so zerknittertes Gesicht, erstaunt seinem jungen Gast zu. „Waren sie denn schon einmal hier?“

Ein wenig Traurigkeit schaut bei der Antwort aus Siegfrieds Augen, wie wenn ein Schleier über sie hinwegzieht:

„Mhhm – vor gut dreißig Jahren. Es waren wohl die schönsten Tage meines Lebens.“

Als wenn er die Wellen der Erinnerung erst glätten muß, schweigt er eine Weile vor sich hin.

„Ein Kuraufenthalt, würde man heute sagen. Für mich war es die Wiedergeburt. Eine grässliche Hautkrankheit bin ich hier losgeworden. Seitdem habe ich keinen schöneren Platz kennen gelernt, als die Norderneyer Dünen.“

Plötzlich betrachtet der verschrobene Alte an seiner Seite ihn mit anderen Gefühlen.

„Und keine netteren Kindertanten!“

Verschmitzt lächelnd schiebt Siegfried diese Bemerkung noch hinterher.

„Oh – mein lieber, da kann ich sie beruhigen. In diesem Punkt hat sich bis heute hier nichts geändert!“

Obwohl diese netten Kindertanten Jan Grensemanns Blut mit Sicherheit nie in Wallung brachten – erfreut hat ihr Anblick ihn über die Jahre trotzdem. Ein Leuchten in den Augen verrät ihn. Der alte Knochen gerät direkt ins Schwärmen, als er fortfährt:

„Die männliche Jugend auf der Insel weiß das ganz bestimmt zu schätzen. Ich beneide sie direkt.“

Die erste Aussage hält Siegfried für eine zutreffende Vermutung, den zweiten Satz für nicht so ganz korrekt – angesichts seiner Kenntnisse über Jan Grensemanns private Leidenschaften.

Aber das behält er lieber für sich. Seinem Verlangen nach einem Fußmarsch über den Deich des Westbades hin zur Marienhöhe kann sich der Norder Advokat nicht verschließen, zumal ihn gegen die uniformierten Einheitsbusse jedesmal eine stille Abneigung befällt. Und ein Pferdefuhrwerk ist weit und breit nicht auszumachen. Erst im Damenpfad sichten sie den ersten Landauer, lassen ihn aber gemächlich an sich vorüberfahren.

Das letzte Stück des Wegs gehen sie dann auch noch zu Fuß. Die Tour zum Objekt der allgemeinen Begierde werden sie sich kutschieren lassen.

 

Am sorgfältig gedeckten Teetisch hinter den Panoramafenstern im Cafe` auf der Marienhöhe sitzen die beiden, im Grunde gar nicht so verschiedenen, Mannsbilder erst einmal eine Zeitlang in aussagekräftiges Schweigen vertieft.

Das Rauschen der Brandung und der Blick auf die, unaufhörlich von Nordwesten, anrollenden Wellen, hat die Gedanken der Männer auf die Reise in die Vergangenheit geschickt. Bis auf das knistern der Kluntje, in dem zerbrechlich wirkenden Teegeschirr, ist in dem weiten Innenrund der Gaststube kein Geräusch zu vernehmen. Sogar der ältere Herr, der drei Tische weiter sein Frühstück genießt, blättert lautlos in der Badezeitung. Die gute alte Badezeitung gibt es also auch noch, freut es Siegfried innerlich. Durch sein Kindheitsbild ruttert die mächtige Rotationsmaschine, die sie damals bestaunt haben, und druckt Sehnsuchtszeitungen.

Stille kann verflucht laut sein, denkt Jan Grensemann plötzlich in sich hinein. Zu Lebzeiten Berend Fleßners  saß er auch häufig an diesem Platz – allein. Dicht bei seinem Verlangen, und doch meilenweit entfernt davon. Stets die eiserne Regel befolgend, nach außen ein anderer zu sein.

Eine Mißachtung dieses Prinzips hätte ihn wahrscheinlich im moralischen Ansehen der Menschen auf die unterste Stufe, und die Staatsgewalt ihn mit Effet wegen Landesverrats hinter irgendwelche Gitter befördert. Ganz zu schweigen von seinen Geschäftspartnern, die zu Zeiten einer anderen Ideologie einmal seine Genossen waren.

Nur, solche Bande waren nicht so leicht zu lösen. Und jetzt sitzt er hier in diesem Cafe einem jungen Mann gegenüber, der ihm sein eigenes Werden ungewollt vor Augen führt. Zu gerne würde er die Entwicklung seiner persönlichen Lebensgestaltung rückgängig machen – was gäbe er dafür, wenn er es könnte!

Bruder Siegfrieds Gedanken laufen diametral zu denen des alternden Jan Grensemann – aber trotzdem zum selben Endpunkt. Er hat als kleiner Steppke damals häufig davon geträumt, einmal hier zu sitzen – in diesem vornehmen Rund. Jedesmal, wenn sie in langer Reihe an dem weißen Cafe vorüberzogen.

Er mit den ersten schwärmerischen Gefühlen, eines gerade zwölfjährigen, im Bauch – für die knapp siebzehnjährige Kindertante an der Spitze des Zuges.

Dieses knapp siebzehnjährige, wunderschöne Wesen mit den langen Haaren, das sein zaghaft erwachendes Verlangen nicht bemerkte. Weil – wie sollte sie auch – sie hatte selber den Bauch voller Schmetterlinge, die ein schmucker Junge, im gleichen Alter wie sie, da drinnen freigelassen hatte.

Dieses ziehende Sehnen beim Anblick eines Mädchens ist bei ihm nie wiedergekommen. Es war für ihn, den jungen, erfolgversprechenden Rechtsanwalt, mit ein Grund, weshalb er in den Orden eingetreten ist.

Um aufkommende Missverständnisse auszu-schalten – er pflegt keine Männerfreundschaften unter der Kutte. Wahrlich, dafür wäre das Kloster ein himmlischer Ort auf Erden – nur, diese Prüfung hat sein Gott ihm nie auferlegt. Dafür ist er ihm dankbar.

Das wird ihm jetzt und hier, an diesem Platz, bewußt. Er fühlt sich wie ein Planet zwischen zwei Sonnen – als Neutrum zwischen zwei Welten, das seine Bahn nicht verlassen kann.

Während die beiden Männer am morgendlichen Teetisch, hier im Kaffeehaus auf der Marienhöhe, lautlos nebeneinander herschwei-gen, ist in Siegfried Höger plötzlich wieder die Blüte der Sehnsucht ans Licht gekommen – hat die Massen durchdrungen, unter denen sie Jahrzehnte verschüttet war, und trotzdem nichts von ihrer Intensität verloren hat.

Als wenn es erst der vielen schrecklichen Ereignisse der jüngsten Vergangenheit bedurft hätte, um ihn wieder hierher zu führen – an den Ort seines ersten Fühlens.

Was ist mit ihm geschehen? Er verspürt das Bedürfnis, seinem immer noch still dasitzendem Tischnachbarn, davon zu erzählen. Und nicht nur davon erzählt er.

Er berichtet von den Geschehnissen an der Dwina, erklärt seinem Gegenüber seinen Auftrag, und gewinnt dabei immer mehr das Gefühl, sich auf einem falschen Weg zu befinden.

Jan Grensemann hört wortlos zu, schaut auf das schier endlos scheinende Wasser hinaus. Mit einem Blick, in dem sich sein ganzes, unerfülltes Leben verliert. Während seine Augen sich an der Kimm festsaugen.

Gut eine halbe Stunde dauert Siegfried Högers Monolog, von keinem Wort seines gebannt lauschenden Zuhörers unterbrochen. Der Inhalt dieser dreißig Minuten läßt den alten Mann einen Entschluß fassen. Einen Entschluß, der dem Teufel ein Bein absägt. Er hat nichts mehr zu verlieren – er kann nur noch vieles wieder gutmachen. Auf Siegfrieds Lebensbeschreibung hat er nichts geantwortet – jeder Satz hätte die frischen Farben auf diesem Gemälde ins Unkenntliche verwischt.

 

Zwei Tassen Tee nach dem letzten Laut besteigen sie einen von der freundlichen Bedienung herbeizitierten Landauer. Der Kut-scher auf dem Bock ist ein alter Bekannter Jan Grensemanns. Dementsprechend herzlich fällt die Begrüßung zwischen den beiden aus. Soviel Wärme in seinen Gebärden hat Siegfried dem hölzern wirkenden Alten gar nicht zugetraut.

Als wenn dieser die Ankunft am Ort der Entscheidung hinauszögern will, dirigiert er die Kutsche kreuz und quer durch den Ort.

Siegfried ist es nur recht, verstärkt es doch die Erinnerungen an den Wendepunkt in seinem Leben, so daß ein nahezu unzerrissenes Band daraus entsteht.

Keine Silbe über den eigentlichen Sinn ihres Aufenthaltes hört die Norderneyer Luft, während der Fahrt durch das schöne Städtchen, über die Lippen der Männer fließen.

Ein Einheimischer zeigt seinem Gast sein Zuhause – denkt ein jeder, der sie sieht.

Der Fuhrmann auf der Bank hinter dem Pferderücken ist bestrebt, diesen Eindruck nach Kräften zu unterstützen. Anekdoten aus seinem Kutscherleben, und bunte Erklärungen zu einzelnen Gebäuden, steuert er mit sichtbarem Vergnügen zur Unterhaltung bei.

Wenn der altgediente Pferdemann da vorne wüsste, wieviel Schicksal er im Moment in den Polstern seiner Kalesche über die schöne Insel transportiert – als ein knorriger  Meilenstein der Geschichte würde er sich fühlen, der Gute.

Bevor der Kutscher sie unweit des Kaps an ihrem Ziel absetzen wird, möchte Siegfried Höger eine ganz besondere Stelle in seinem Denken an damals neu beleben.

Lührs – dieser Name ist in seinen Gehirnwindungen zementiert. Willi Lührs, der damalige Bürgermeister seiner Insel – seine Insel, wie er sie bei sich schon wieder nennt – immer um die Kinder in den Heimen des Eilandes besorgt.

Die weichen Erinnerungen an die große, rundliche Tante Lührs mit ihrem strahlenden Mondgesicht – wie die Kinder immer sagten – sind ihm in all den Jahren nicht verloren gegangen. Wenn sie ihn, den sie wohl doppelt ins Herz geschlossen hatte, an ihre massige Brust drückte, fühlte er sich wie im Himmelreich. Die Erinnerung an die Bonbons, die über die Hecke kamen, wenn sie im Gänsemarsch vorbeizogen, die läßt ihn heute noch die Süße spüren.

Jan Grensemann ist ihm gerne zu Gefallen, und läßt den Mann auf dem Bock den kleinen Schlenker machen – zumal er oft selber Gast im Häuschen der Lührs war.

 

Als sie langsam um die Ecke von Siegfrieds Vergangenheitsstrasse biegen, steht unversehens noch ein Bild vor seinem inneren Auge.

Mag es der Hunger, den er jäh verspürt, oder der Anblick des Wäldchens mit der Wohnwagen-kulisse freigelegt haben. Auf jeden Fall hat er in Gedanken eine Eistüte vor sich – ein Booken.

Eistüte heißt seit seinen Erholungstagen auf der Insel im Wattenmeer bei ihm Booken. Einmal die Woche gab es für die vorbeiziehenden Heimkinder auf dem Waldcampingplatz eine Eistüte zum Nulltarif – Mama Bookens Herz für Kinder lag darin. Eingepackt in eine dicke Kugel vom leckeren, selbstgemachten Speiseeis. Milchmann Meyer brachte jeden Tag die frischen Zutaten für diese Köstlichkeit, mit seinem Dreiradgoli, auf den Zeltplatz.

Jede Kugel in diesen Eistüten wurde zu einem Baustein für ein ewigwährendes Denkmal, in den Herzen der kleinen, ärmlichen Sorgenkinder.

Der Kutscher auf dem Bock – mit seinem von der Last des Alters gebeugten Rücken – hat diese kleinen  Alltagsgeschichten, wie er sie nennt, auch nicht vergessen.

Ob sich hier auf der Insel wohl sonst noch irgendwer dieser „Banalitäten“ erinnert? Jan Grensemann läßt leise Zweifel laut werden. Obwohl, wie er nicht ohne Stolz hinterherschickt, vieles in dieser kleinen Welt bewahrt wurde.

 

Geschlagene zwei Stunden hat die Erinnerungs-Auffrischungsrundreise gedauert. Die Stunden waren es wert.

Der schrullige Auktionator und Rechtsbeistand war in den vergangenen hundertzwanzig Minuten  nach außen hin nicht sehr gesprächig – dafür führte er mit seinem inneren Schweinehund eine umso intensivere Unterhaltung.

Wenn ihn seine Ahnungen nicht täuschen, hat er mit seinem Besucher noch allerhand zu bereden – später in der Altstadt-Gasse in Norden, unweit der Kirche.

Zuerst einmal stehen sie in der Nähe des Inselkaps vor den wunderschönen Gebäuden, um die sich die ganze Geschichte dreht. In Sichtweite liegt der Dünengürtel, und im Rücken das altehrwürdige Seehospiz.

Sehr gepflegt – sehr gediegen – das ist Siegfried Högers erster Eindruck, den er von dem Anwesen in sich aufnimmt.

Aber auch sehr kostenträchtig, wie er schlüssig hinterher bemerkt. Dieser Kostenträchtigkeit möchte er sich am Nachmittag in aller Ruhe widmen.

Seine Ideen, die Zukunft dieses wunderschönen Ensembles betreffend, laufen nämlich schon mit Siebenmeilenstiefeln in eine völlig andere Richtung, wie in die von seinen Auftraggebern angedachte.

Auch in seinem Denken schlägt die Ahnung Wurzeln, in seinem Begleiter einen Partner gefunden zu haben, der ihn auf einem anderen Weg in die Zukunft begleitet.

Auch er trägt sich mit der Absicht, einige Dinge mit Jan Grensemann zu klären – später – in dem Kontor in der Norder Altstadt-Gasse, unweit der Kirche.

Zuerst aber steht die Sonne hoch im Mittag, sein Hungergefühl gibt keine Ruhe, und er möchte sich vorher noch ein Herzensanliegen erfüllen.

Von Jan Grensemann kommt kein Einwand, als Siegfried Höger sich umwendet, und die zweihundert Schritte zum Eingangstor des Seehospiz zurück legt.

Bevor er sich mit so profanen Dingen wie Kostenrechnung, und so lebensgefährlichen Dingen wie eigenmächtiges Handeln gegen die Interessen seiner Oberen beschäftigt, möchte er den Ort wiedersehen, an dem man ihm sein zweites, sein anderes Leben gab.

Es werden zwar nicht mehr dieselben Menschen sein, aber er hofft, die gleiche Güte anzutreffen, wie zu seiner Kinderzeit. Er will von jetzt an alles anders machen.

 

Hier und heute soll der Anfang sein.

Er beachtet nicht die großen Türen des Haupteinganges, auf den sein Begleiter zusteuert – ihn zieht es durch den Torbogen auf das innere Gelände.

Auch hier beachtet man ihn nicht mehr, wie jeden anderen Besucher. Natürlich mit dem nötigen Respekt vor seiner geistlichen Würde, aber das war’s denn auch schon.

Er ist froh darüber, ungestört die alten Wege gehen zu können, froh darüber, das gleiche fröhliche Lachen zu vernehmen, daß ihm dreißig lange Jahre in den Ohren geklungen hat, wenn er nur an seine Zeit hier dachte.

 

Irgendjemand ist er denn doch wohl anders aufgefallen wie die anderen Besucher. Aus einem Seiteneingang kommt mit sicherem Schritt eine relativ junge Diakonisse auf ihn und seinen Begleiter zu, Donnerwetter, denkt er – dieses schöne Weib ist aber selbstbewusst und energisch. Er denkt tatsächlich schönes Weib! Die wieder aufgetauchte Knospe seiner Sehnsucht schaut aus seinen Augen, als sie direkten Kurs auf ihn nimmt.

Ihre Erscheinung passt irgendwie in diese Umgebung – in dieses Arrangement von Backsteinbauten aus der Kaiserzeit – mit dem vielen Grün dazwischen.

Nicht das sie ebenso altehrwürdig ausschaut – keineswegs.

Eher jugendlich und frisch, wie sie mit federnden Schritten daherkommt.

Ihre Formen sind es – die Formen ihres Körpers, die durch ihre Tracht nicht kaschiert werden – und das Strahlen ihrer grünen Augen, die mit dem Glanz der gerade erblühten Magnolien wetteifern.

Wenn er es noch richtig weiß, kam sie aus der Tür zur Wäscherei. Eigentlich nicht der rechte Aufenthaltsort für eine solche Erscheinung.

Was ist mit ihm los? Gedanken überfallen sein Denken, an die er seit seiner Pubertät nicht eine Sekunde Zeit verschwendet hat.

Verschwendet – denkt er erschrocken, kann Denken an Liebe Zeitverschwendung sein? Es geht Siegfried Höger auf, daß er wahrscheinlich sehr viel in seinem bisherigen Leben versäumt hat.

„Guten Tag, meine Herren – ich bin Schwester Christa. Kann ich etwas für Sie tun?“

Sekundenlang – oder sind es gar Minuten – ist Siegfried Höger nicht in der Lage, eine Erwiderung über die Lippen zu bringen. Der Klang ihrer Stimme hat ein riesengroßes Loch in sein Empfinden gerissen.

Bevor er sich ganz in dieser Endlosigkeit verliert, rettet Jan Grensemann schon die Situation, und stellt sie beide der Augenweide von Schwester vor.

Ohne näher auf den eigentlichen Anlaß ihres Besuches auf der Insel einzugehen, erklärt er mit wenigen Worten Siegfrieds Funktion und Herkommen.

„Bruder Siegfried kommt aus einem russischen Kloster –  die Sehnsucht nach seiner Jugend hat ihn hierher getrieben.“

Fragender Zweifel huscht über das Gesicht der hübschen Schwester, wie wenn ein Nebelschleier dem Sonnenschein einen Besuch abstattet.

„Haben wir einen Termin versäumt?“ – will die Stimme, die das Loch in Siegfrieds Empfinden gerissen hat, mit leichtem Bedauern wissen.

Immer noch kann er kein Wort hervorbringen – dieser geschliffene Wortfuchs, der – wegen seiner messerscharfen Plädoyers – vor den Gerichten gefürchtet war. Wieder springt Jan Grensemann in die Bresche.

„Der Zufall – ich weiß nicht ob ich Schicksal sagen darf – hat uns hierher geführt, Bruder Siegfried und mich.“

Um ein Haar wäre es dem gewieften Geheimdienstler wie vielen Männern in dem Metier ergangen, denen eine schöne Frau die Sinne verwirrte. Fast hätte er Geschäftspartner gesagt.

„Da wir schon einmal hier sind, würde er gerne die ehrwürdige Schwester Oberin kennen lernen.“

Ein glockenhelles Lachen springt über die Wiese zwischen den alten Mauern dahin. Irgendwo im Gemüsegarten verschwindet es in den Ackerfurchen.

Es gibt ihn noch, den Garten. Er war schon unter der gestrengen Oberin Theodora ein Kleinod innerhalb der Umfassungsmauern.

Als das erfrischend klingende Lachen nicht mehr zu hören ist, kommt im gleichen Ton hinterher:

„So, so – die ehrwürdige Schwester Oberin möchten Sie kennen lernen – bin ich ihnen ehrwürdig genug?“

Jetzt endlich hat Siegfried Höger die Sprache wieder gefunden. Jan Grensemann zweifelte schon leicht an seinem Verstand.

„Du bist – äähh – Sie sind die Schwester Oberin?“

Irritation ob seines Wortspiels breitet sich im Gesicht der Oberin aus – weicht im Zeitlupentempo einem Ahnen des verborgenen Wissens.

„Kennen wir uns“ – es ist keine Frage, wie sie das sagt. Für jeden, der hören kann, heißt das:

„Wir kennen uns!“

Der vom Leben trainierte Jan Grensemann sieht im gleichen Moment Berge von Gefühlssalat auf die beiden Menschen neben sich zukommen. Bloß aus welcher Richtung das Gemengsel kommt, das ist ihm noch unklar.

„S o m m e r  1 9 6 2 – der schüchterne blonde Junge – der mir immer Strandnelken gepflückt hat ???!!!

Wie ein langgezogenes Gummiband bringt die Oberin die Worte ans Licht. Siegfried Höger kann es nicht fassen, seine Kindertante hier als Schwester Oberin anzutreffen – und begreifen kann er schon gar nicht, daß sie sich an ihn erinnert – sich erinnert an den zwölfjährigen Steppke, der seine Kindertante anhimmelte, wie ein unschuldiges Kalb den Mond.

Auch Schwester Christa benötigt ein paar Atemzüge, um wieder normal sprechen zu können.

„Ich glaube, wir haben uns viel zu erzählen. Aber jetzt ist gleich Tischzeit – meine Schäfchen warten auf mich.“

Bei dem Wort Schäfchen sitzt das gleiche schalkhafte Lächeln in ihren Augenwinkeln wie vor dreißig Jahren, wenn sie damals ihre Schäfchen um sich sammelte.

„Darf ich euch einladen, uns Gesellschaft zu leisten – oder habt ihr schon gegessen?“

Sie sagt unbefangen und direkt euch, als wenn man erst gestern auseinander gegangen ist.

„Es wäre zu schade . . .“

  Was zu schade wäre, das heraus zufinden, überläßt sie den beiden Männern.

Ohne eine hörbare Antwort abzuwarten, faßt sie Jan Grensemann und Siegfried mit einem leichten, aber bestimmten, Griff an den Armen, und schlägt den Weg zum Speisesaal ein.

Beide lassen es ohne Widerstreben geschehen. Sie sieht aus, wie ein Engel mit übergroßen Flügeln, der entschlossen seinem Ziel zustrebt – schießt es dem alten Mann durch den Kopf.

Der weitläufige helle Raum, den sie gleich darauf  betreten, ist nur gut zur Hälfte besetzt. Kinder aller Altersgruppen und junge Erwachsene in bunter Mischung schwadronieren in allen Sprachen durcheinander.

„In unserer“ – sie sagt wie selbstverständlich in unserer  „gemeinsamen Zeit war hier mehr los.“

Ein Anflug von Traurigkeit ist in ihrer Stimme zu vernehmen, als sie über die Köpfe blickt, und – wie zu ihrer Entschuldigung – erklärend fortfährt:

„Es fehlt uns an Geld – die Mittel reichen hinten und vorne nicht.“

Man spürt ihre innere Wut, als hinterher kommt:

„Immer wird die schlechte Finanzlage vorgeschoben – wenn es um Hilfe für die Kinder geht.“

Schwester Christa holt tief Luft, bevor es förmlich aus ihr heraus bricht:

„Die Menschen in tiefe Not und Armut zu stürzen – dafür werden die Milliarden nur so aus den Ärmeln geschüttelt. Überall!“

Siegfried sieht erstaunt, wie sie bei ihren letzten Worten die schlanken, schönen  Hände, die so energisch zufassen können, zu Fäusten ballt.

„Da hinten – da am Ecktisch – sitzen ein paar unschuldige Opfer des Golfkrieges!“

Ihre Stimme versagt ihr fast den Dienst, als sie ein kleines Mädchen aus diesem Kreis in ihre Arme nimmt.

„Wir haben alle gemeinsam an den alten Herrn Bush, da in seinem feinen Weissen Haus in Washington, letzte Woche einen langen Brief geschrieben.“

Sie streicht dem zaghaft lächelnden Kind zärtlich über den kahlen Kopf.

„Wir haben ihm danke gesagt, für seine guten Taten – und für jedes Kind einen Pfennig  beigelegt, damit er noch mehr Bomben bauen kann – – – das Kinderleid auf der Welt ist in seinen Augen wohl immer noch nicht groß genug. Vielleicht versteht er uns.“

 

Nicht nur Siegfried fühlt, wie ihn das Grauen kalt berührt. Er sieht auch bei Jan Grensemann Blässe in den Falten seines Gesichts auftauchen. Sein Entschluß, etwas anderes zu tun als sein Auftrag ihm vorschreibt, stand schon am Morgen fest – jetzt ist er unumstößlich geworden.

Spontan setzt er sich zu den Kindern an den Tisch. In ihren großen, dunklen Augen sieht er die Wunden ihrer Seelen um Hilfe rufen.

 

Seine schwere Kriegskasse, wie er sie bis jetzt bezeichnete, drückt ihm schon seit geraumer Weile die Luft ab – zieht sein Gewissen förmlich zu Boden.

Buchstaben und Zahlen schreibt er in ein Heft, daß er aus seiner Rocktasche geholt hat. Als er wieder aufsteht, und sich umwendet, drückt er der Schwester Oberin wortlos ein Stück Papier in die Hand.

Es ist ein Scheckformular der Deutschen Bank.

Die Minuten, welche die Oberin benötigt, um zu begreifen was darauf geschrieben steht, scheinen wie ein totes Stück Zeit, in das mit einem lauten Jubelschrei aus ihrer Kehle das Leben zurück kehrt.

Zweihunderttausend Deutsche Mark steht da wahrhaftig geschrieben. In Ziffern und in Worten.

Außer diesem lauten Schrei bringt sie nichts zustande.

Kristallene Stille herrscht im Speisesaal. Alle kennen Tante Christa – Tante Christa ist sie, trotz aller Würden, über die Jahre für die Kinder geblieben – also, alle kennen sie als freimütig und unkonventionell, aber diesen Ausbruch von Freude, so etwas hat hier noch niemand erlebt.

Fünf Minuten später hält sie von Jan Grensemann – diesem schrulligen, angestaubten Winkeladvokaten aus der Norder Altstadt – eine zweite Zahlungsanweisung, über eben den gleichen Betrag, in der anderen Hand.

 

Was in diesem Augenblick passiert, ist wohl schon eine Ewigkeit her, daß es jemand gesehen hat.

Die ehrwürdige Schwester Oberin, des – ebenso ehrwürdigen – Seehospiz Kaiserin Friederike, auf der Nordseeinsel Norderney, küsst in aller Öffentlichkeit nicht nur einen – nein, sie küsst gleich zwei Männer – begleitet vom klatschen der anwesenden kleinen und großen Hände.

So wird es im Buch der Geschichte vermerkt stehen.

Im Buch der Geschichte wird auch vermerkt stehen, das die Mutter Generaloberin im fernen Fulda der Schwester Oberin auf Norderney, auf Drängen des Konsortiums, wegen ihres Verhaltens einen ernsten Verweis erteilte. Salopp ausgedrückt – die verknöcherten männlichen Moralkonsorten in der Ordensleitung haben ihr einen dicken Rüffel verpasst.

Dieser Rüffel sauste aber an ihr vorbei, und verlor sich, irgendwo in den Wolken am Horizont, über der Nordsee.

Einer Schwester Oberin, die plötzlich vorsitzende Geschäftsführerin einer Stiftung mit millionenschwerem Fundament ist, kann so ein ernsthafter Verweis aus kirchlichen Elfenbein-türmen ebenso wenig schaden, wie ein kräftiger  Pferdefurz dem lauen Sommerwind über der Insel.

Das es gleichzeitig der Beginn einer echten, tiefen Freundschaft zwischen zwei grund-verschiedenen Männern ist, das wird kein Historienschreiber je irgendwo zu Papier bringen.

In derselben Stunde noch bekommt eine kleine Anzahl von Menschen auf dem Eiland Schluck-beschwerden im Denken, und einiges zu tun.

Von diesem Nachmittag an – die Uhr, im Notariat von Dr. Sägemüller in der Poststrasse, zeigt exakt die dritte Nachmittagsstunde, als die kleine Runde die Dokumente abzeichnet – ist die Diakonissenschwester Christa Ahrenholtz – wie ihr bürgerlicher Name lautet – Sachwalterin der Stiftung: Kinder in Not.  

Die notwendigen Eintragungen in die Gerichts-register sind nur noch reine Formsache.

Es ist später Nachmittag geworden, als Siegfried Höger zum ersten mal das nachbarliche Fleßnersche Anwesen betritt. Es war bei der Dampferabfahrt am Morgen in Norddeich zwar nicht so geplant, aber die kommende Nacht werden Jan Grensemann und er auf der Insel verbringen.

Das Schicksal will schließlich sein Spielchen spielen.

Dem Verwalter steht für solche Fälle ein Teil des Ostflügels zur Verfügung. Berend Fleßners ehemalige Wohnung. Die anderen Räumlich-keiten in den Gebäuden sind leer. Der mit Jahresende ausgelaufene Kontrakt der Vormieter hat diese Situation geschaffen.

Bewusst wurde auf Anschlussverträge verzichtet.

Wenn nicht so ein inselverliebter Flußrusse, da irgendwo in den Weiten der ostischen Ebenen, der auch noch einen sturköpfigen, halsstarrigen und unendlich wütenden Pjotr Iwanowitsch Josef Gorki seinen Freund nennt, von den Nachlassforschern als Erbe aufgespürt worden wäre – die Sache läge längst in trockenen Tüchern.

Dank sei der deutschen Justiz und ihrer Gründlichkeit.

Das denkt und sagt jetzt auch – allerdings mit einem anderen Vorton wie noch vor drei Tagen – der Auktionator und Rechtsbeistand Jan Grensemann aus dem verschlafenen ostfriesischen Teestädtchen Norden.

Mit großer seelischer Erleichterung, wie er Bruder Siegfried, als sie alleine sind, freimütig gesteht.

Siegfrieds Informationen über die biogenetische Forschungsstätte Kusnezows – die übrigens Jonathan aus des Generals geheimen Archiven filterte – haben nicht unerheblich zu diesem Sinneswandel beigetragen.

 

Nachdem das – für heute zugegeben ungewöhnliche – Tagesgeschäft  für sie zu Ende ist, das heißt, sie hat schlicht und einfach Feierabend, wechselt die Schwester Oberin in das, nur ein paar Schritte entfernte Domizil der beiden so unterschiedlich wirkenden Wohltäter. Man hat sie auf ein Gläschen Wein eingeladen.

Da sie trotz ihrer Tracht ein lebensbejahendes Frauenzimmer geblieben ist, das weiß was es will, braucht sie auch keinen Anstands-Wauwau.

Lange fällt noch an diesem Abend der gelbe Schein der Wandleuchten auf die drei Verschwörer – da im gemütlichen Wohnzimmer des Ostflügels der Fleßnerschen Villa.

Verschwörer ist ein Gedankenblitz der Schwester Oberin. Wenn sie um die Geschehnisse und die Hintergründe – wenn sie um das viele Blut wüsste, auf dem die ganze Geschichte schwimmt, die Bezeichnung Verschwörer hätte sie verbrannt, bevor sie ihr über die Lippen huschte.

Der neue Tag legt schon seine Kleider zurecht, als Jan Grensemann sich in die Koje verzieht. Den Ausdruck Bett hört man von ihm nur bei offiziellen Anlässen.

Das Wort Koje ist der Nachhalt einer engen Verbindung zu seiner Torfmuttje, die in der Nähe von Leer am Ufer der Ems vertäut ist. Sie ist sein zweites Zuhause geworden.

Das er Siegfried und der Schwester Oberin das Schiff zu einem Wochenendausflug angeboten hat, trägt auch den Stempel der Einmaligkeit.

Er mag zwar altersmäßig schon jenseits von Gut und Böse sein – wie einer seiner Kontrakteure einmal nach dem zehnten Doornkaat etwas stumpfsinnig bemerkte – aber das er jetzt, in dieser Dreierrunde, ziemlich fehl am Platze ist, das fühlt er mit der gleichen Sicherheit, mit der ein Bernhardiner von Lawinen verschüttetes  Leben aufspürt.

 

Was in der gemütlichen Wohnstube des verstorbenen Berend Fleßner zwischen Christel und Siegfried geschieht, bis das der neue Tag seine Kleider endgültig anzieht – das bleibt ein Geheimnis der Nacht.

Der frisch frisierte neue Morgen hört und sieht auf jeden Fall, eine überaus glückliche, mit sich und  ihrer persönlichen Welt zufriedene, Schwester Oberin durch die, noch leeren Korridore ihrer Wirkungsstätte schweben.

 

Auf wunderbare Weise hat ihr Lebenskreis nach langen Jahren wieder in die vorgezeichneten Bahnen gefunden. Die Gleise der Liebe sind eine glückliche Spur.

Ein paar Armspannen über die Umfassungs-mauer hinweg, Richtung Osten – im Bad der Verwalterwohnung der Fleßnerschen Immobilie – bewegt sich Siegfrieds Inneres auch wieder in den vorgezeichneten Bahnen seines Lebens. Nur – bevor er darin ungehindert weiterfahren kann, muß er noch sehr viele Hindernisse wegräumen.

Die ersten Brocken hat sein väterlicher Freund zu nachtschlafener Zeit schon für ihn aus dem Weg geräumt.

Der Tag stand auf der Insel noch in der Unterwäsche, da erreichten den Freund über Satellitenfunk aus dem fernen Moskau die ersten Nachrichten. Nachrichten ist eigentlich zu zivil ausgedrückt – konkrete Anweisungen seines Führungsoffiziers ist zutreffender. Nur wie gesagt – ihn schert es jetzt den Teufel. Er reagiert nicht mehr auf das  Peitscheknallen aus dem Osten. Ihm kann man nicht mehr allzu viel Salz in die Suppe streuen – sein Teller ist fast leer gegessen. Von seinen restlichen Energien sollen die jungen Leute profitieren, da wird er alles dransetzen.

 

Während im Wohnzimmer, nicht weit von ihm entfernt, in der Restnacht zwei Leben erblühten, legte er in seinem Zimmer die Fundamente für die Zukunft des Fleßnerschen Hauses.

Da er, von Berend Fleßner testamentarisch fest-gelegt, der Sachwalter der Liegenschaften ist, verfasst er noch in der Nacht ein Kaufangebot an den Erben im fernen Rußland. Ein Angebot, nach den Erzählungen Siegfrieds ausgerichtet, dem Gregori Neumann garantiert zustimmen wird.

Zumal der alte Herr die Grenzen seines eigenen Blockes kennt – und durch Bruder Siegfried, Gott sei Dank, auch die der anderen. Nur, auf ihre beiden Köpfe muß dieses Wissen beschränkt bleiben, bis alles unter Dach und Fach ist.

Wenn die Tinte unter den Verträgen trocken ist, wird man sich auf östlicher Seite keine öffentlichen, grenzüberschreitenden Scheuß-lichkeiten erlauben.

Einen Aufschrei der Landeskirchen, in dieser filigranen politischen Lage der Nachkommunis-tischen Anfangszeit, wird man auch in Moskau nicht riskieren.

Sollte ihm, als Folge seines Handelns, persönlich etwas zustoßen, nimmt der alte Mann es hin. Zu oft hat er in seinem Leben schon sein Leben verspielt – es schreckt ihn nicht mehr.

Er hat in dieser Nacht sein Haus bestellt.

Die gestrigen Worte der Schwester Oberin, und die gequälten Seelen in den Augen der Kinder  lieferten ihm das Rüstzeug dafür.

 

Käuferin des gesamten Areals ist die Stiftung „Kinder in Not“, als deren Sitz die Kreisstadt Aurich eingetragen sein wird.

Den Kaufpreis in Höhe von 800.000,oo DM hat ein unbenannt bleibender Gönner auf den Tisch der Hausbank gelegt. Dem Erben als Verkäufer – und seinem halsstarrigen Freund – steht ein unübertrag- und unveräußerbares Wohnrecht in dem Komplex zu.

 

Jan Grensemann schläft, nachdem er das Vertragswerk in allen Einzelheiten ausgefeilt hat, bis in den späten Vormittag des neuen Tages hinein.

Jede Fußangel und jeden Stolperstein in den Texten, hat er nach Möglichkeit aus dem Weg geräumt. Ruhe ist in Jan Grensemanns Gewissen eingekehrt.

In seinem Leben sah ihn noch kein Vormittag schlafend – soweit er sich erinnern kann. Auch diese Wende gehört zu seinem neuen Weg.

Siegfried fand am Morgen auf dem Küchentisch nur die knappe handschriftliche Empfehlung, bis zu seinem – Jan Grensemanns  – auftauchen aus der Schlafwelt, sich tot zu stellen. Kein Nachsatz, keine Erklärung. Gerade dieser Umstand ist es, der ihn dem Rat folgen läßt.

Wie schon gesagt wurde – nichts geschieht ohne Grund, es sei denn ein Dreieck ist rund. Die alte Kant’sche Erkenntnis beweist erneut ihre Gültigkeit.

In ihrem gefährlichen Metier gehört diese Regel zur Basis des Überlebens.

Traue keinem Menschen, nicht mal dir selbst, denn – wenn du dir selber traust, bist du schon halb verraten!  Der General war es, der diesen Satz in ihre Köpfe gehämmert hatte. Keinem zu trauen, war des Kosaken  eisernes Prinzip.

In Rußland – und nicht nur in Rußland – eine Weisheit, die, in der Eiseskälte des Untergrundes, warmes Leben atmete.

 

Eine Rufweite entfernt lenkt an diesem Vormittag die Schwester Oberin ihre Schritte schon ein paar mal unversehens Richtung Draußentür – als wenn sie jemand entgegen-gehen wollte.

Bei jedem Bemerken wendet sie sich wieder um. Ein- zweimal ertappt sie sich dabei, daß sie vor sich hin trällert. Ein Lied aus den Anfangs-Sechzigern. Ob es Rocco Granata war, der damals mit seiner Marina die jungen Herzen füllte, weiß sie nicht mehr sicher. Aber ganz unoberinnenhaft ist ihr das heute morgen auch piepegal.

Bei soviel nächtlichem Sonnenschein im Herzen ist es denn auch nicht verwunderlich, daß sie in der Kaffeeküche den Salztopf mit dem Zuckertopf verwechselt. Auch das trübt bei ihr kein bisschen den Glanz des Morgens.

Der Glanz des Morgens verwöhnt auch den Grund ihrer Freude – als am späten Vormittag der ausgeschlafene, fröhlich pfeifende Jan Grensemann aus den Schluchten der Schlafnacht im Wohnzimmer auftaucht.

Ein wenig vom Strahlen der Nacht geht aus Siegfrieds Gesicht verloren, angesichts der vielen eng beschriebenen Seiten, die sein Norder Quasikollege vor ihn auf den Tisch legt.

Zweifel, an der Durchführbarkeit des Planes, schleichen sich, nach zwei Stunden intensiver Prüfung, auf Kreppsohlen in seine grauen Zellen ein. Seine Unsicherheit beruht wohl auf der kürzeren Erfahrung im Metier.

Die vielen Klippen – die der ergraute Rechtsbeistand Grensemann  im kalten Krieg umschiffte – verleihen diesem eine größere Sicherheit. Verkrustete Narben in der Seele erleichtern ihm die Einschätzung der Reaktionen kaltblütiger Drahtzieher im Hintergrund.

Siegfried Höger überläßt ohne Grimmen im Bauch dem alten Wolf die Führung in diesem Dickicht.

Was sie jetzt für die nächsten Tage benötigen, ist ein ganz großer Mantel, mit dem sie alles bedecken können – einen Mantel des Schweigens.

Wenn auch nur der leichteste Geruch des Bratens, den die beiden Männer gestern in die Röhre geschoben haben, mit dem Westwind nach Osten getragen wird, bevor er angerichtet auf der Tafel steht, schauen sie in die Hölle. Soviel ist sicher. Darüber sind sich die beiden Strategen einig.

 

Einigen muß Siegfried auch schnellstens sein gespaltenes Innenleben. Das Konzept dafür kennt er noch nicht. Auch da mangelt es ihm an Erfahrung, dem erfahrenen Rechtsanwalt aus dem ostfälischen Westfalen.

Morgen, im Laufe des Vormittags, werden er und Jan Grensemann durch die Luft aufs Festland hüpfen. Der Auktionator hat da so seine Beziehungen.

Vorher muß er Christa – Christel singt es in ihm, die Schwester Oberin haben sie heute Nacht zwischen sich begraben – vorher muß er Christel noch einiges an schwerer Kost servieren. Proben der Vorspeise hat sie im Morgengrauen mit leichtem Zögern zu sich genommen. Beim Hauptgang, so fürchtet er, wird es schwieriger werden.

Jan Grensemann hat am Nachmittag auf der Insel einiges zu erledigen.  Geschäfte, bei denen er besser alleine ist.

 

Siegfried faßt die Gelegenheit beim Schopf, und schlägt Christel einen Spaziergang durch die Dünen vor.

Die läßt sich nicht lange bitten, macht ein paar Änderungsstriche im Dienstplan, und eine halbe Stunde später steht sie parat.

Der hoffnungsvoll Wartende reibt sich verwundert die Augen – ist das „seine“ Oberschwester, die da in lockerer Freizeit-kleidung vor ihm steht? Sie ist es unzweifelhaft – diese strahlenden Augen gibt es nur einmal auf der Welt.

Am alten Kap vorbei führt sie der Weg in die, noch unberührten, Sandberge. Der Wind kräuselt sacht die Hänge hoch. Nicht lange mehr, dann sieht es hier anders aus.

Ein Kiebitz schreit hoch in der Luft sein helles Kiewitt. Für den Vogel da oben ist es leicht, sich zu erklären – Siegfried tut sich ungemein schwerer, seine Worte fließen zu lassen. Nach einem holprigen Anlauf ist aber nach ein paar tausend Schritten alles draußen.

Er fühlt sich wie im Auge eines Wirbelsturmes – so beängstigend still ist seine Begleiterin geworden.

Das engelsgleiche Wesen an seiner Seite hat nur zugehört. Nicht der Ansatz einer Frage ist zu vernehmen gewesen. Nur der feste Druck ihrer Hand hat nicht nachgelassen – nicht einen Atemzug lang.

 

Sie haben in der Zwischenzeit eine bestimmte Dünenkrone erreicht. Ihre Füße fanden von selber den Weg.

Auf der Dünenkrone steht noch immer der pilzförmige Wetterschutz, um den herum die Kindergruppe früher mit Vorliebe die Nachmittage verbrachte.

Es ist der Platz, an dem Tante Christel ihnen Geschichten erzählte. Es ist der Platz nahe dem Himmel, wo das damals siebzehnjährige Mädchen zur Frau wurde – in der ersten Mainacht vor dreißig Jahren.

Allein das weiß Siegfried aber noch nicht. Er erfährt es erst nach der gründlichsten Kopfwäsche seines Lebens. Wie ein Herrgottsgewitter fällt es über ihn her – nach einer langen Pause des Schweigens.

Und so, wie in der Natur die Schäfchenwolken sich am klaren Himmel zeigen, wenn die schwarzen Wolken, der Blitz und der Donner die Luft gereinigt und sich verzogen haben – so passiert es den beiden reifen Menschenkindern in der ersten Mainacht diesen Jahres am schicksalsträchtigen Platz.

Erzählen von einer schöneren Liebesnacht sucht man im Geschichtsbuch der Insel vergebens.

Die blanke Sichel des Mondes ist schon eine Weile über ihnen hinweggezogen. Nur die Sterne blinkern noch vertraulich, als sie sich im Torbogen voneinander trennen. Die Schritte fallen ihnen schwer. Ein Ganzes geht in zwei Hälften seinen Weg in den Morgen. Einem Morgen, der der Anfang eines neuen Lebens wird.©ee

Auch zu finden hier in UNSERER  gemeinsamen

   Schreibwerkstatt

mit weitere Erzählungen….

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OSTWIND  von meinem Freund Herrn Ewald Eden

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ein besonderes Buch sehr zu empfehlen. Christin von Margenburg

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Mein Freund der KREBS.

Hier nun nochmals dein Buch ,vorgestellt von mir :

die DIAGNOSE

wie auch bei Dir mein lieber kranker Freund Ewald Eden :

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Diagnose KREBS – und ein anderer Umgang damit ….

mehr Wahrheit geht nicht.

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Taschenbuch: 104 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (25. April 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3739235667
ISBN-13: 978-3739235660

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Taschenbuch 4,99 Euro

Die Nachteule

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Der Weg nach Hause: ein neuer Anfang

Der Weg nach Hause:

ein neuer Anfang.

 

 

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Ein Wink des Schicksals bewog Väterchen Wassili eines Tages, die alten Spuren aufzunehmen. Ein, im Zuge der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen aufgetauchtes, Werbeschild einer friesischen Bierbrauerei im Sankt Petersburger Stadtbild gab den Anstoß dazu. JEVER Fass und JEVER Pilsener leuchtete in großen grünen Buchstaben von einer Hausfassade. Leicht ist es ihm nicht gerade gemacht worden, die fast verwehten Spuren wieder sichtbar zu machen. Aber es ist ihm gelungen. Nach drei eindrucksvollen Besuchen in Deutschland war es dann soweit. Ein ganzes Jahr ist schon verstrichen, seit aus Wassens, einem kleinen Ort in Friesland, die Einladung an Katharina zu einem längeren Aufenthalt gekommen ist. Ein Jahr waren anschließend die Papiere durch die Amtsstuben gelaufen – dabei so manchen Rubel hinter sich lassend. Keine Reise ist umsonst – und im weiten Russland läuft der Amtsschimmel ohne Taler eben noch etwas sehr viel langsamer. © ee

 

Es gibt Bücher die liest man nicht einfach so um die Sätze  schnell wieder zu vergessen . Diese Buch klingt nach und wer so liest wie ich nimmt es nochmals zur Hand blättert die Seiten wieder und wieder um und lässt den Text wirken.

Mein Freund Ewald Eden hat hier sein Meisterstück geschrieben. Lest selber :

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Die Reise ins Zuckerhutland.

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Die Reise ins Zuckerhutland.

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Ein Wort vorweg …

 

Laßt euch entführen. Fahrt einfach mit ins Zuckerhutland. Wundert und freut euch mit den vielen märchenhaften Bewohnern über das Leben in einer anderen Welt.

Klettert schnell rein in den wunderlichen Zug. Die Fensterscheiben sind geputzt, und die Plätze schon angewärmt. Vielleicht entdeckt ihr auf der Reise irgendwo eigene Wünsche wieder, oder ihr findet sogar ganz neue Träume – vielleicht möchtet ihr am Ende der Reise sogar im Zuckerhutland bleiben.

 

In den Reiseberichten aus dem Zuckerhutland malt der Schreiber den Hörern und Lesern seiner Geschichten das Gegenbild ihrer wirklichen Welt. Richtig kunterbunt und kopfständisch geht es oftmals zu, doch selbst dann wird niemand die Reise abbrechen, und das Geld für die Fahrkarte zurückverlangen. Wenn ihn manchmal auch nur die einfache Befürchtung daran hindert, dass er im nächsten Reisabschnitt etwas verpassen könnte. In diesen Erzählungen wird jedem die Gelegenheit geboten, seine eigenen Illusionen zu erleben, auch wenn er dabei selber auf dem Kopf stehen müßte.

 

Ein Taschenbuch mit ausdrucksstarken , kindgerechten Illustrationen von Kensise Anders und Gabriele Lange, geschrieben von Herrn Ewald Eden  für große und kleine Leser

bestellbar über Amazon    https://www.amazon.de

Die Reise ins Zuckerhutland

(Carolin, Leonie und Laura reisen

ins Zuckerhutland)

 

  • ISBN-10: 1492219770
  • ISBN-13: 978-1492219774

 

zum Preis von 9,96 Euro

 

Getaggt mit , ,

Heute ist Weltkrebstag.

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Heute ist Weltkrebstag.

Dazu fand ich tröstende sachte hoffnungsfrohe Worte bei meiner Internet-Freundin Sylvia Kling.Hab Dank Sylvia.

https://sckling.wordpress.com/2017/02/04/die-reise/

Meinen Vater hatte ich vor wenigen Jahren durch Krebs verloren.Mein Onkel starb Ende des letzten Jahres auch an Krebs. Ich hatte so sehr gehofft, er hatte es nicht geschafft. Immer noch schmerzt es so sehr.

Auch mein Freund Ewald Eden hat Krebs. Er kämpft mit Ihm in dem er schreibt. Sein  Erlebtes hat  er in einer Erzählung uns Allen als Trost und Hoffnung  hinterlegt. Er nennt den Krebs meinem Freund in seinem Buch und …er kämpft nicht mehr mit ihm. Er hat ihn angenommen. Wie lange er noch Kraft findet und schreiben kann , ich hoffe und hoffe und habe jeden Tag Angst…bitte geh nicht auf die Reise und so setze ich jeden Tag weiter deine Gedichte damit sie Dir Freude in deine Augen bringen und den Lesern und …und vor allem doch Dir  dann beim Betrachten.

Deine Worte dazu lieber Internet,  Schreib – und Herz  Freund Ewald Eden zu diesem Schicksal

hier nun nochmals vorgestellt von mir : die DIAGNOSE wie auch bei Dir  :  KREBS und der andere Umgang damit.

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Diagnose KREBS – und ein anderer Umgang damit ….

 

mehr Wahrheit geht nicht.

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Taschenbuch: 104 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (25. April 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3739235667
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Die Nachteule

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unter dem Weihnachtsbaum.

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Meine Buchempfehlung für die weihnachtliche Zeit.

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WEIHNACHTLICHES:

Weihnachtliches … hinter einem solchen Titel erwarten wohl die meisten Leser Geschichten und Gedichte in einem von althergebrachtem Klischee. Wer das denkt, der kennt den Schreiber hinter diesen Texten noch nicht. In zwei Sprachen nimmt er den Leser mit durch die Höhen und Tiefen dieser winterlichen Besonderszeit – in Hoch- und Plattdeutsch führt er ihn abwechselnd durch wehende Schleier von Freudentränen wie auch über Wegstrecken des schmerzhaften Mitfühlens. „Weihnachtliches“ in zwei Sprachen einmal völlig anders – nämlich auf typisch „Eden“ präsentiert.

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  • ein Taschenbuch: 128 Seiten
  • Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (20. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3741290505
  • ISBN-13: 978-3741290503

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