Archiv der Kategorie: Poesie

Die fliehende Nacht.

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Die fliehende Nacht.

Morgenluft und Tagesahnen –
Licht wie duftender Jasmin,
fällt in zitternd lichten Bahnen –
läßt Fühlen durch die Lüfte zieh’n.

Hier und da von Hauses Dächern,
oder aus dem Zweiggeäst,
weht’ wie Kühl’ von zarten Fächern
ein Tönen, das uns hoffen läßt.

Des neuen Tages erste Grüße
dringen in das lauschend Ohr –
gefüllt mit himmlisch leichter Süße,
führen sie das Morgen vor.

©ee

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Nur eine Antwort …

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Nur eine Antwort …

Ich nannte ein Haus
voller Bücher mein eigen
es waren Vielhunderte an der Zahl

doch wie es nun einmal so ist –

man kann im Leben
dieses und jenes vergeigen
jetzt sind um mich die Wände sehr kahl

das „Wortvoll“ der Bücher
ist nur noch im Kopf
mir schwant was von Blücher
und manch’ anderem Tropf

das denken an Heine und Schreiberkollegen
wie Busch mit Max und Moritz oder Storm
mit seines Schimmels Reiter
bestärkt mich enorm

drum mache ich weiter
und halt mich in Form

reih’ Buchstab’ an Buchstab’
zu Worteskapaden

laß’ Mädchen und Knab’
im Sonnenlicht baden

trete in manch kalten Wintern
oder tief drinnen in nächtlicher Nacht
auch wohl Politiker in den Hintern
wenn sie mal wieder Verderben gebracht

laß wirken die Schönheiten heiler Natur
geißel das schädigend’ Tun vieler Täter
bleibe wie Terrier auf verräterisch’ Spur
oder nenne das Leid vieler Väter

verschließe nicht Auge, nicht Ohr und Gefühl
lasse Dinge sich drehen und wenden
laß`mich nicht irren von Menschens Gewühl
und hoffe mein Tun wird noch lange nicht enden …

©ee

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Morgens fünf Uhr zweiunddreißig

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Morgens fünf Uhr zweiunddreißig

die Nacht hat sich schon leise davon geschlichen
weil sie das Licht das Tages scheut
bis auf kleine Reste ist das Dunkel gewichen
die werden jetzt von der Helle verbläut

ein Sonnenstrahl schaut keck über die Kante der Erde
seine Nasenspitze ist noch ganz rot
er fragt sich wie wohl das Heute werde
vom Frühstück bis hin zum Abendbrot

mit klammen Fingern erklimmt er den Himmel
richtet es sich komodig dort ein
und reitet auf seinem Feuerschimmel
fröhlich in die Zeit hinein.

©ee

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Eine Sache die mich umtreibt …

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Eine Sache die mich umtreibt …

Wo hat Er bloß die vielen Ecken
Schubladen und Regaleböden
um all die Wetter zu verstecken
vom Herrgottsschön zum Nebligschnöden
wenn Er sie grade mal nicht braucht

der Himmel als sein Lagerhaus
ist doch ein endlos runder Bau
da sieht man doch die kleinste Maus
das weiß doch selbst ein Schweinchen Schlau
wenn’s quiekend durch die Suhle kraucht

ich hege stets aufs Neu’ die Ahnung
Er ist ein bannig kluges Wesen
das trotz aufgeräumter Wohnung
ein heillos krauses Wetter macht
als wäre es von Hand verlesen.

©ee

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Wilhelmshaven, du ewige Braut …

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Wilhelmshaven, du ewige Braut …

Wie oft du altes Fräulein
hat man dir schon was vorgemacht
wie oft du altes Fräulein
hat echt für dich das Glück gelacht

Mit Königsprunk und Kaisergehabe
großmächtig in die Welt gesetzt
dein erstes Kleid in Preußens Farbe
wurd’ schon bald darauf zerfetzt

Das war das Ende deiner Jugend
fortan gingst du in Lumpen nur
verdecktest schamhaft deine Tugend
verwischtest deiner Unschuld Spur

Jedoch die Freier waren rege
erkannten deines Leibes Kraft
ein Braunauer kreuzt deine Wege
hat deinen Widerstand geschafft

Mit Brautversprechen und Geschenken
hat er dich willenlos gemacht
so konnt’ bedenkenlos er lenken
dich zu Heilsgeschrei und Eisen kracht

Was hat man dir nicht all versprochen
an Gütern und Gesellschaftsweihen
für lichte tausend Ehejahre
die reichten bis zum Morgengrauen

denn da war alles schon zerbrochen.

Wieder gingst du arg in Lumpen
mit zerschlag’nen Gliedern
deine Beine waren Stumpen
nix war mehr mit Heldenliedern

Als du endlich dann genesen
konntest wieder dich am Körper freu’n
trat das nächste Freierswesen
an – und tat dir Blumen streu’n

Dein Lechzen nach des Lebens Blüte
machte dir das Denken blind
du schautest gar nicht in die Tüte
warst wie ein ausgehungert Kind

Und wieder tönten die Trompeten
von Wohlstand und von Arbeit satt
doch als du dann zum Tanz gebeten
war nichts mehr da als nur noch Watt

Der Strand, die Düne und die Sandbank
war vieler Binnenländer Traum
der Ruhrpotthimmel machte krank
Genesung gab’s am Jadesaum

Du hast dich gut damit beschieden
und wurd’st zum kleinen Paradies
doch irgendwer hat’s dir gemieden
und griff erneut zum Hochzeitsvlies

Man kannte deine wunden Stellen
dein Sehnen nach der großen Welt
drum schlug man riesengroße Wellen
hat dir damit den Blick verstellt

Alu wollt man produzieren
als der Zukunft tragend Säule
doch nach hin und herprobieren
wurd daraus ’ne Chlorgaskeule

Als dann die fremde Lust befriedigt
stand’st du erneut alleine da
hast sogar noch den verteidigt
der mit dir Teufels Kind gebar

Ich frage dich du ew’ge Braut
wie schnell erholen sich deine Schätze
weil schon der nächste Freier schaut
zu fangen dich in seinem Netze

Man macht dir wieder groß’ Versprechen
übertrumpft sich in der Größe Wahn
und ist dabei sie schon zu brechen
bevor die Hochzeitsnacht fängt an

Man qualmt dass bald die Schlote krachen
sogar das Schlafgemach dir voll
wenn du erstickst dann hört man Lachen
und reden dass doch alles toll

Gewiß wirst du auch dieses Werben
noch einmal leidlich überstehn
doch wenn die letzten Bürger sterben
wie wird’s mit dir dann weitergeh’n.

©ee

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Zwiespalt.

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Zwiespalt

In diese Stadt hineingeboren
sie nie gemocht und doch geliebt
und stets neu auf sie eingeschworen
auch wenn hier Machtfilz Armut schiebt.

Die Stadt stets blühte wenn Welt brannte
gedüngt mit vieler Menschen Blut
der Wohlstand schnell von dannen rannte
wenn sie ertrank in Nachkriegsflut.

Die Stadt ein Friedhof erster Klasse
mit wohlbestallter Wärterschar
die warten auf den Tod der Masse
die trotz des Nichts noch immer da.

Die Stadt der Hoffnung die stets trog
die Stadt der aufgebläht Versprechen
in der die Macht die Macht verbog
und das – ihr Mächtigen,

wird sich rächen.

©ee

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Die Deutschstunde …

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Die Deutschstunde …

Hygiene und Quartettverein –
Siebenbürgen und Emailleschilder,
was fügt man in die Prüfung ein,
als junger Menschen Sprachausbilder?

Da werden Wörter hingestellt –
in bunt und vielen andern Arten,
man legitimiert sich aller Welt
als Spezialist in schweren Sparten.

Die Lernenden – sie mühen sich –
der Schweiß perlt ihnen von der Stirn,
bei manchen geht es kümmerlich –
bei andren wirkt ein Superhirn.

Doch was ist mit der Prüfung Hürde –
wie hoch liegt Latte auf dem Stab?
Wie schwer wiegt dann des Wissens Bürde –
das man ihnen als Grundstock gab?

©ee

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Anderssein.

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Anderssein.

Ungeboren, ungeschoren –
trotz Anderssein nicht abgetrieben.
Liebeslust, Leibesfrucht –
der Berater Glaubensfrust
überwiegend weltverrucht –
hin und her Moralgeschiebe
verhindert selten Fleischestriebe.

 


Und wenn ein Kind die Welt erblickt
wohl jedes Mutterherz beglückt –
wenn nicht ihre Mit und Welt
verächtlich denkend gegenhält,
und mit ätzend spitzem Munde
„behindert“ schickt in Hörers Runde.

 


Wer so verhält sich, und auch denkt,
der fährt auf einem falschen Gleis –
wurd‘ irgendwann verkehrt gelenkt
und labert nur gequirlten Scheiß –
denn Andersein ist unser Schicksal –
jeder Mensch ein Unikat.

 


Der eine trägt ein Kainesmal,
den and’ren quält das Zölibat …
drum sollt‘ ein Jeder sich besinnen,
auf sich und auf sein eig’nes Fehl,
dann würde Miss und Gunst verrinnen
wie durch die Finger feines Mehl
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©ee

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Gedichte

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Gedichte.

Eine Welt ohne Gedichte
ist wesenslos und inhaltsleer –

denn der Welten Gleichgewichte
bewahren Texte inhaltsschwer.

©Johann Eden Christians

Ϯ 1951

Wortezauber …

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Wortezauber …

Mit Worten mag ich gern jonglieren –
vielleicht auch zaubern – dann und wann,
ich mag’s wenn Worte faszinieren
und lassen Sein an Seelen ran.

Ein Wort poliert getrübte Augen,
ein Wort bringt Lächeln ins Gesicht,
ein Wort lässt Seel’ an Seele saugen
und stellt die Freude in das Licht.

Ein Wort macht harsch’ Gedanken zärtlich,
ein Wort macht Wollen zum Begehr,
ein Wort stimmt Menschen menschenfreundlich,
ein Wort macht mürrischsein so schwer.

Drum schmied’ ich viele Alltagsworte
in glühend Feuer zärtlich um –
verteil sie dann an viele Orte,
dreh Abwehr zu Willkomm’ um.

©ee

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