Archiv der Kategorie: rückwärts gelebt und lachen gelernt

Die Stecknadel . .

.

Die Stecknadel . . .

Die Stecknadel – dies kleine Ding
hat riesengroße Kräfte
ob sie nun steckt im Hosenring
oder in Ärmels Schäfte

Unscheinbar kommt sie daher
ohn’ Schmuck und viel Geplunder
ihr fehlt sogar das Nadelöhr
sie ist ein kleines Wunder

Doch wenn sie sich entschlossen hat
mal richtig aufzutrumpfen
dann gibt es Schmerzensschreie satt
aus stichgequälten Rumpfen

Ist sie vergnügt dann sticht sie nur
mit klitzekleinen Spitzen
doch ist sie schlechte Laune pur
kann sie sich schon erhitzen

Es bremst sie nur ihr schlauer Kopf
im Eifer des Gefechtes
daran erkennt der kluge Schopf
sie ist weiblichen Geschlechtes.

© ee

Getaggt mit

Sonntägliches…

.

Sonntägliches…

Im nußgebeizten Chorgestühl –
an Stirneswand, zur linken Hand,
der Beichtstuhl still sein Dasein fristet,
in dem der Pope Sünden listet.

In ungeheizter Sakristei
spricht Ministrant die Sünder frei –
und auf den harten Kirchenbänken
die Schäfchen sich den Steiß verrenken.

Das Weihwasser im Fingerfaß
macht der Geweihten Finger naß –
und über allem groß’ Frohlocken
hört man laut der Kirche Glocken

die sonntägliche Ruh’ zerteilen –
um auf Schalles Wellen fort zu eilen.

© ee

.

 

Getaggt mit

Kuscheltiger.

.

Kuscheltiger.

Ein riesengroßer Kuscheltiger
lebt im Urwald von Burmesien
sein’s Vaters Wiege stand am Niger
die Mutter stammt aus Polynesien

er fühlt in Freiheit sich alleine
drum wandert er nach China ein
trifft da ’ne Tigerin – ’ne kleine
und denkt das wird die Lösung sein

sie schließen eine wilde Ehe
gründen ’ne Tigermachfabrik
und machen nun auf Wohl und Wehe
Tiger auf Tiger – Stück um Stück

jeder bekommt ’nen schönen Stempel
„made in Südostasia“
so haben die Welt sie umgekrempelt
denn plötzlich war’n nur noch Tiger da

©ee

.

Getaggt mit , ,

Trübe wars…

.

Trübe wars…

Trübe wars
die Tasse kochte
als es an der Türe pochte

es war der Stimme anzuspüren
die da drang durch alle Wände
sie wollte einen Tanz aufführen
denn so pochten Ordnungshände.

Drinnen waltet gerade
die züchtige Hausfrau
sie kocht Marmelade
aus Klimawandel und Supergau

draußen gestaltet der Vater
mit sehr viel Liebe zum Detail
seinen Benz zum Senkrechtstarter
denn das find’t er obergeil

unterm Dach im Jugendzimmer
vergewaltigt mit viel Jugendliebe
der Klaus den neuen Rasentrimmer
und kürzt damit des Triebes Triebe

Oma möcht’ partout behalten
denn sonst fährt sie aus der Haut
ihren Stuhl den furchtbar alten
den Opa grad zu Kleinholz haut

so ist im ganzen Haus die Lage
gespalten zwar aber im Trend
während im Keller unter Tage
die Tochter ihren Rausch auspennt

mittags dann um zehn vor drei
der Tag ist grad so halb erwacht
ist die Aufregung komplett vorbei
und alles durcheinander lacht.

©ee

.

Getaggt mit ,

Darf ich …?

.

Darf ich …?

Sie dürfen alles und Jedes
Ob per Rad oder Pedes

Sie dürfen lachen
Sie dürfen weinen

Sie dürfen anderen Freude machen
Sie dürfen in der Zeitung erscheinen

Ob als Anlaß für einen Skandal
Oder als Gründer einer Nichtschwimmerpartei

Ob als Sitzer auf einem Pfahl
Oder Entdecker eines neuen Kolumbusei

Sie dürfen sich den Charakter verbiegen
Oder nackend in der Sonne liegen

Sie dürfen berichten über das Wetter
Ob es nun wahr ist oder geschätzt

Sie dürfen erzählen von ihrem Vetter
Und daß er barfuß durch die Hölle gewetzt

Sie dürfen sich als wilder Verführer betrachten
Dem keine Frau ihre Unschuld verwehrt

Und sagen daß siebzehn Kinder sie machten
Von denen keines ihr Gewissen beschwert

Sie dürfen glauben sie wären ein strahlendes Licht
Und ohne sie könnt die Welt nicht bestehen

Nur eines mein Lieber das dürfen sie nicht
Nicht Heute und auch nicht an kommenden Tagen

Sie dürfen mir nicht auf den Wecker gehen
Denn das mein Bester,

kann ich auf den Tod nicht vertragen.

©ee

.

Getaggt mit ,

Zwei Bananen…

delfin-bananas-1737840_640

 

.

Zwei Bananen…

Zwei Bananen auf dem Dampfer
war’n verliebt in sich wie wild
sie war’n so grün wie Sauerampfer
und auch so herb und gar nicht mild

Sie lagen in dunkler Pappenkiste
gut eingepackt und temperiert
aufnotiert auf langer Liste
wurd’n sie in Hamburg eingeführt

Sie saßen schon seit ihrer Blüte
dicht beieinander an der Hand
man bescheinigte ihnen große Güte
sie zum Verspeisen gut befand

Bevor sie ihre große Liebe
ausgelebt ein einzig mal
verspürten beide starke Hiebe
und wurden gegessen – ganz banal

Was blieb war ihre gelbe Schale
achtlos irgendwo hingelegt
durch die dann so – mit einemmale
jemand sich auf den Hintern legt.

©ee

.

banana-peel-956629_640

 

Getaggt mit ,

Ampelstop . . .

stoplight-2375476_1920

 

.

Ampelstop . . .

Herzklopfen – Zitterhände – feuerrote Ohren
im Munde trock’ner Wüstensand
Finger sich in Fäuste bohren
du fühlst dich an der Welten Rand

Du weißt nicht, wo du sollst verstecken
der Augenblicke heißes Blut
du meinst, das tausend Zungen lecken
zu schüren des Verlangens Glut

Ein heißer Sturm fällt auf dich nieder
zur Säule schier aus Salz erstarrt
du riechst den Duft von weißem Flieder
und glaubst, ein Trugbild dich da narrt

Du konntest dich nicht hinbewegen
sie sah auch nicht dein heißes Glüh’n
du mußt jetzt wohl den Gang einlegen
die Ampel war schon zweimal „Grün“

© ee 2005

Getaggt mit

Kondolieren ….

tea-party-1001654_640

.

Kondolieren ….

 

Marianne war im Dorf einkaufen gewesen. In fünf Minuten war Teezeit, und sie stand noch in Hut und Mantel in der Diele. Reent Saathoff, der Krämer, hatte nämlich beim Klönen wiedermal kein Ende finden können. Es gab aber auch soviel Neues zu berichten. Durch die Schnackerei hatte sie das, was sie wirklich besorgen wollte, gar nicht in den Einkaufswagen gelegt.

Salz und Fliegenfänger – die Teile fand sie gleich doppelt in ihrem Korb.

Salz benötigte sie eigentlich überhaupt nicht, weil Gerd und sie wegen ihres Zuckers schon länger Diät leben mußten – und Fliegenfänger. Fliegenfänger hatte ihr Enkelsohn erst vorgestern im Zehnerpack von der Genossenschaft mitgebracht.

„Verdeckselt nochmal – jetzt hab ich die Trauerkarten vergessen.“ Wegen der Trauerkarten war sie überhaupt bloß in den Kramladen gegangen.

Sie knütterte in der Küche verhalten vor sich hin. Wenn jetzt jemand hereingekommen wäre, er hätte sogleich bemerkt, daß sie ziemlich franterig gestimmt war.

Angefangen hatte ja alles ganz anders. Als sie heute morgen nach dem Aufstehen die Rückseite der Zeitung studierte, um zu wissen zu kriegen, wer in Zukunft nicht mehr im Konsum einkaufen würde, war ihr sogleich Tekla Büschers Name entgegen gesprungen.

Marianne war richtig zusammengeschreckt. Tekla Büscher war im Alter doch noch gar nicht soweit hin wie sie selber.

Na ja, ein bißchen stökelig war sie in den letzten Jahren schon gewesen, die gute Tekla – aber fünfundachtzig – das ist doch noch kein Alter. Sie stand mit ihren siebenundachtzig noch dreimal die Woche auf dem Markt in der Kreisstadt hinter dem Sauerkrautfaß.

Marianne sauste ziemlich ziellos, mit dem Salztopf in der Hand, in der Küche hin und her. Was sie damit wollte, daß wußte sie selbst nicht.

Gerd kam jüstemang aus dem Schweinestall. Er mußte noch ins Nachbardorf zum Kusenklempner. In seinem Oberkiefer tat sich schon seit Tagen etwas Ungutes.

Bevor er nun für die Tour ins Nachbardorf seinen alten Bulldog mit der Lötlampe anheizte, wollte er mit Marianne noch erst gemütlich Teetrinken. Wer wußte denn, was der Zahndoktor alles mit ihm anstellen würde.

Aber was war das – es war Teezeit in der Zeit, und kein Tee war fertig?

Sowas hatte er seit Ewig und drei Tagen nicht mehr erlebt. Die Frage, warum das heute so war, konnte er aber gar nicht erst loswerden.

Marianne machte ihm gleich klar, wie ihr das bei Saathoff ergangen war. „Ich kann mich über mich selbst ärgern – ich merk nun doch, daß ich älter werde. Jetzt muß ich mich nochmal wieder antakeln.“

Sie war vor Aufregung reinweg am pusten.

„Der Postbote muß unbedingt morgen früh den Brief mitnehmen – sonst kriegt Tekla den doch erst, wenn sie schon in der Erde liegt. Was soll sie denn bloß von mir halten.“

Gerd konnte ihr ansehen, daß sie wütend auf sich selber war.

„Deern – nu wääs doch nich so biesterk. Deine Freundin Tekla kann den Brief doch sowieso selber nicht mehr lesen.

„Das ist mir ganz egal – mir soll, wenn ich gestorben bin, auch ja keiner sowas antun. Mit dem red ich dann nie wieder.“

Was gab’s dagegen zu sagen?

Ein Leuchten strich über Gerds Gesicht. „Weißt du was, Marianne? Ich muß doch gleich aufs Siel, zum Kusendoktor. Ich geh dann eben auf die andere Seite rüber – in Joosten sein Klüterladen werd’ ich sicher ’ne Trauerkarte finden.“

Irgendwie hatten seine Worte irgendetwas bewirkt – denn Marianne war plötzlich gar nicht mehr gnadderich, und unversehens stand auch der Teepott auf dem Tisch.

Beim Kusendoktor war es denn doch nicht so schaurig, wie er es befürchtet hatte. Der alte Doktor „Knieptang“ brauchte mit seinen blanken Spachteln nur ein wenig in seinem Mund herumzurühren – und schon war der Schaden behoben. Gerd fragte sich, warum er eigentlich soviel Schiß inne Bükse gehabt hatte. Als er denn endlich die Tür nach draußen hinter sich zugemacht hatte, schoß ihm plötzlich ein alter Werbespruch durch den Kopf: „Mama, Mama – er hat überhaupt nicht gebohrt.“

Schmüstern mußte er über sich selber. Mit diesem schmüstern um seinen Augen segelte er über die Strasse – in Joostens alten Laden rein.

Junge, Junge – hatte sich das hier drinnen verändert, seitdem ein junger Chef das Sagen über die Schubladen und Regale hatte.

„Papeterie“ stand in goldenen Buchstaben, draussen an der Hauswand, geschrieben.

Gerd blieb ein Momentchen im Eingang stehen, und ließ das alles auf sich wirken, bevor er anfing, zwischen den Verkaufsgondeln hin- und herzugondeln.

Er rutschte von einem Staunen in das andere. Zu welchen Begebenheiten man alles Karten schicken konnte: Hochzeit, Geburtstag, zum neuen Auto, zur bestandenen Prüfung, Namenstag, Konfirmation …, sogar „Glücklich geschieden“ las er. Was er aber nicht fand, das war eine Karte oder ein Brief mit schwarzem Rand drumherum. In seinem Kopf fing es an zu kreiseln.

Er mußte den Verkäufer fragen – denn, ohne Trauerkarte wieder nach Hause zu kommen – das Theater, was er denn erleben würde – das mochte er sich beim besten Willen nicht ausmalen.

Während seiner Irrfahrt durch die „Kartenwelt“ war ihm klar geworden, daß der Verkäufer wohl kein Plattdeutsch verstand, und so fragte er den jungen Mann hinter dem Tresen in seinem besten Schulhochdeutsch: „Haben sie vielleicht Kondolenzbriefe im Sortiment?“

Der junge Bengel schaute ihn mit dem gleichen glubschen Blick an, mit dem ihn vor vierzehn Tagen auch sein Ochse angesehen hatte, als er vor dem neuen Scheunentor stand. „Kondolenzbriefe … Kondolenzbriefe …“ hörte Gerd ihn nur wiederholt murmeln. Nach zwei Minuten Augenverdrehens rauschte das Nichtwissen dann wie ein Umhang aus dem Gesicht des Verkäufers zu Boden: „Aaaach – sie meinen die Karten, mit denen man gratulieren tut, wenn einer gestorben ist.“

 © ee

.

memory-1346375_640

.

auch zu finden in unserer gemeinsamen Schreibwerkstatt.  https://schreibwerkstatt2016.wordpress.com/

mit vielen weiteren Erzählungen und Kurzgeschichten………….

Getaggt mit

Tierisch.

elephant-2029683_640

.

Tierisch.

Ein Elefant bei Hagenbeck
tanzt Samba für ’nen guten Zweck
das passende Schuhzeug dafür zu besorgen
das macht dem Direktor riesige Sorgen

einen Schuster zu finden
für dies´ Riesenpaar
das dauerte locker
ein dreiviertel Jahr

und als er dann endlich einen gefunden
da war der Elefant
aus dem Tierpark verschwunden

ihm wurde einfach das warten zu lang
jetzt tanzt er bei Krone im Küchenschrank
tanzt Walzer mit Mäusen und Küchenschaben
und ist für die Samba nicht mehr zu haben

… und die Moral von der Geschicht’ –
Elefanten die tanzen woll’n
warten nicht

© ee

elephant-1652007_640

Getaggt mit ,

Fliegenvergnügen.

housefly-155460_640

Fliegenvergnügen.

Die Stunden waren richtig toll
an Schlaf war überhaupt nicht zu denken
eine einzige Fliege – verflucht
tat Vergnügen mir schenken

so oft ich auch ‚klatschte’
es ging ständig daneben
einzig ich ratschte
mir blaue Flecken aufs Leben

doch dann gegen fünf in der Frühe
die Sonne zeigte schon ihr Sonntagsgesicht
bekam sie den Lohn für die Mühe
und lacht mir zum letzten mal frech ins Gesicht

ein kräftiger Schlag
mit der druckfrischen Zeitung

mit dem Titel habe ich sie erschlagen
und konnte sie in schöner Begleitung

.
mit der zerdepperten Tasse
zum Mülleimer tragen.

© ee

.

girl-1101936_640

.

schwebend,
magisch angezogen,

auf meiner sommersprossennase
dein bequemes sitzen

lichtgebündeltes auf gläserne flügel
geschnürte taille als letzter chic

keckes tanzen kleiner frechdachs
im durchsichtiges ballettröckchen

kitzelndes ungeheuer
fliege nun weiter

und suche dir einen neuen platz !

© Chr.v.M.

.

Getaggt mit ,