Archiv der Kategorie: Textparadies

Kuscheltiger.

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Kuscheltiger.

Ein riesengroßer Kuscheltiger
lebt im Urwald von Burmesien
sein’s Vaters Wiege stand am Niger
die Mutter stammt aus Polynesien

er fühlt in Freiheit sich alleine
drum wandert er nach China ein
trifft da ’ne Tigerin – ’ne kleine
und denkt das wird die Lösung sein

sie schließen eine wilde Ehe
gründen ’ne Tigermachfabrik
und machen nun auf Wohl und Wehe
Tiger auf Tiger – Stück um Stück

jeder bekommt ’nen schönen Stempel
„made in Südostasia“
so haben die Welt sie umgekrempelt
denn plötzlich war’n nur noch Tiger da

©ee

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Morgens fünf Uhr zweiunddreißig

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Morgens fünf Uhr zweiunddreißig

die Nacht hat sich schon leise davon geschlichen
weil sie das Licht das Tages scheut
bis auf kleine Reste ist das Dunkel gewichen
die werden jetzt von der Helle verbläut

ein Sonnenstrahl schaut keck über die Kante der Erde
seine Nasenspitze ist noch ganz rot
er fragt sich wie wohl das Heute werde
vom Frühstück bis hin zum Abendbrot

mit klammen Fingern erklimmt er den Himmel
richtet es sich komodig dort ein
und reitet auf seinem Feuerschimmel
fröhlich in die Zeit hinein.

©ee

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Trübe wars…

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Trübe wars…

Trübe wars
die Tasse kochte
als es an der Türe pochte

es war der Stimme anzuspüren
die da drang durch alle Wände
sie wollte einen Tanz aufführen
denn so pochten Ordnungshände.

Drinnen waltet gerade
die züchtige Hausfrau
sie kocht Marmelade
aus Klimawandel und Supergau

draußen gestaltet der Vater
mit sehr viel Liebe zum Detail
seinen Benz zum Senkrechtstarter
denn das find’t er obergeil

unterm Dach im Jugendzimmer
vergewaltigt mit viel Jugendliebe
der Klaus den neuen Rasentrimmer
und kürzt damit des Triebes Triebe

Oma möcht’ partout behalten
denn sonst fährt sie aus der Haut
ihren Stuhl den furchtbar alten
den Opa grad zu Kleinholz haut

so ist im ganzen Haus die Lage
gespalten zwar aber im Trend
während im Keller unter Tage
die Tochter ihren Rausch auspennt

mittags dann um zehn vor drei
der Tag ist grad so halb erwacht
ist die Aufregung komplett vorbei
und alles durcheinander lacht.

©ee

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Wilhelmshaven, du ewige Braut …

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Wilhelmshaven, du ewige Braut …

Wie oft du altes Fräulein
hat man dir schon was vorgemacht
wie oft du altes Fräulein
hat echt für dich das Glück gelacht

Mit Königsprunk und Kaisergehabe
großmächtig in die Welt gesetzt
dein erstes Kleid in Preußens Farbe
wurd’ schon bald darauf zerfetzt

Das war das Ende deiner Jugend
fortan gingst du in Lumpen nur
verdecktest schamhaft deine Tugend
verwischtest deiner Unschuld Spur

Jedoch die Freier waren rege
erkannten deines Leibes Kraft
ein Braunauer kreuzt deine Wege
hat deinen Widerstand geschafft

Mit Brautversprechen und Geschenken
hat er dich willenlos gemacht
so konnt’ bedenkenlos er lenken
dich zu Heilsgeschrei und Eisen kracht

Was hat man dir nicht all versprochen
an Gütern und Gesellschaftsweihen
für lichte tausend Ehejahre
die reichten bis zum Morgengrauen

denn da war alles schon zerbrochen.

Wieder gingst du arg in Lumpen
mit zerschlag’nen Gliedern
deine Beine waren Stumpen
nix war mehr mit Heldenliedern

Als du endlich dann genesen
konntest wieder dich am Körper freu’n
trat das nächste Freierswesen
an – und tat dir Blumen streu’n

Dein Lechzen nach des Lebens Blüte
machte dir das Denken blind
du schautest gar nicht in die Tüte
warst wie ein ausgehungert Kind

Und wieder tönten die Trompeten
von Wohlstand und von Arbeit satt
doch als du dann zum Tanz gebeten
war nichts mehr da als nur noch Watt

Der Strand, die Düne und die Sandbank
war vieler Binnenländer Traum
der Ruhrpotthimmel machte krank
Genesung gab’s am Jadesaum

Du hast dich gut damit beschieden
und wurd’st zum kleinen Paradies
doch irgendwer hat’s dir gemieden
und griff erneut zum Hochzeitsvlies

Man kannte deine wunden Stellen
dein Sehnen nach der großen Welt
drum schlug man riesengroße Wellen
hat dir damit den Blick verstellt

Alu wollt man produzieren
als der Zukunft tragend Säule
doch nach hin und herprobieren
wurd daraus ’ne Chlorgaskeule

Als dann die fremde Lust befriedigt
stand’st du erneut alleine da
hast sogar noch den verteidigt
der mit dir Teufels Kind gebar

Ich frage dich du ew’ge Braut
wie schnell erholen sich deine Schätze
weil schon der nächste Freier schaut
zu fangen dich in seinem Netze

Man macht dir wieder groß’ Versprechen
übertrumpft sich in der Größe Wahn
und ist dabei sie schon zu brechen
bevor die Hochzeitsnacht fängt an

Man qualmt dass bald die Schlote krachen
sogar das Schlafgemach dir voll
wenn du erstickst dann hört man Lachen
und reden dass doch alles toll

Gewiß wirst du auch dieses Werben
noch einmal leidlich überstehn
doch wenn die letzten Bürger sterben
wie wird’s mit dir dann weitergeh’n.

©ee

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Die Deutschstunde …

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Die Deutschstunde …

Hygiene und Quartettverein –
Siebenbürgen und Emailleschilder,
was fügt man in die Prüfung ein,
als junger Menschen Sprachausbilder?

Da werden Wörter hingestellt –
in bunt und vielen andern Arten,
man legitimiert sich aller Welt
als Spezialist in schweren Sparten.

Die Lernenden – sie mühen sich –
der Schweiß perlt ihnen von der Stirn,
bei manchen geht es kümmerlich –
bei andren wirkt ein Superhirn.

Doch was ist mit der Prüfung Hürde –
wie hoch liegt Latte auf dem Stab?
Wie schwer wiegt dann des Wissens Bürde –
das man ihnen als Grundstock gab?

©ee

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Wortezauber …

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Wortezauber …

Mit Worten mag ich gern jonglieren –
vielleicht auch zaubern – dann und wann,
ich mag’s wenn Worte faszinieren
und lassen Sein an Seelen ran.

Ein Wort poliert getrübte Augen,
ein Wort bringt Lächeln ins Gesicht,
ein Wort lässt Seel’ an Seele saugen
und stellt die Freude in das Licht.

Ein Wort macht harsch’ Gedanken zärtlich,
ein Wort macht Wollen zum Begehr,
ein Wort stimmt Menschen menschenfreundlich,
ein Wort macht mürrischsein so schwer.

Drum schmied’ ich viele Alltagsworte
in glühend Feuer zärtlich um –
verteil sie dann an viele Orte,
dreh Abwehr zu Willkomm’ um.

©ee

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Hoffmann’s Garten.

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Hoffmann’s Garten…

Ein Paradies im Häusermeer
nicht weit von der Verwaltung Sitz
da fällt Natursein gar nicht schwer
ob’s eiseskalt, ob’s Sommers Hitz.

Ein Doppeldutzend Vogelarten
oder auch in größ’ren Schwaden
aus allen gängig‘ Vogelsparten
bevölkern hier den Vogelladen

Vom Piepmatz bis zu Hammers Specht
geht’s hier keiner Seele schlecht
von Meise bis zu Eichelhäher
kommt Vogel sich hier vogelnäher

Im Holze unter Pflaum’baums Krone
da wird gehämmert und geschafft
das Ergebnis ist nicht ohne
im Stamm ’ne riesen Höhle klafft.

Die Blüten aus des Walles Hecke
erstrahlen gelb so Frühlingsfrisch –
in jeder unbesetzten Ecke
hat Natur gedecket ihren Tisch.

Der bunte Flor auf grünem Grund
als Freude für der Augen Schön
macht Menschempfinden kunterbunt
er muß es nur mit Freuden seh’n.

©ee

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Des Poeten Ruhetag …

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Des Poeten Ruhetag …

Als ich erwachte
hat mich etwas verwirrt
kein Text wartete in meinem Wissen
mein Denken ist durch den Morgen geirrt

während mein Kopf noch ruht’ in den Kissen
es suchte und suchte und suchte vergebens
es konnte nichts finden
wohin es auch flog

es schaute in alle
Kammern des Lebens
voller Furcht dass der Text
es mit einem andern betrog

doch plötzlich
sagt Jemand
du brauchst nicht zu suchen
ich habe es heute Nacht so bestimmt

du darfst jetzt auch greinen
und herrlich laut fluchen
da höre ich
einfach nicht hin

ich hab’ nur aus einem
ganz bestimmt Grunde
gesperrt dir im Schlaf
deinen kreativ’ Sinn

ich will dich bewahren
und lasse dich ruh’n
zu deinem eigenen Schutze

damit du noch lange mit Worten,
mit klaren
den Menschen erklärst
warum ICH sie benutze.

© ee

 

 

 

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Träume.

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Träume . . .

Träume – kann man Träume fangen –
wenn man durch das Leben geht?
Sie sind oftmals doch ein Bangen –
das durch dunkle Nächte weht.

Träume – kann man Träume fühlen –
wenn man durch den Alltag schreitet?
Wer träumt, der sitzt oft zwischen Stühlen –
wenn das Leben ihm entgleitet.

Träume – kann man Träume sehen –
wenn man Welt im Auge hat?
Die sachte dann im Nichts verwehen –
als wenn man sie um Stille bat.

Träume – kann man Träume riechen –
wenn sie durch die Köpfe fliegen?
Wenn Gestalten um dich kriechen –
die überall im Wege liegen.

Träume – kann man Träume leben –
ausgefüllt und traumesschwer?
Wenn sie in das Sinnen streben –
das da schwebt – so traumesleer.

Träume – kann man Träume fragen –
was da kommt und was wohl nicht?
Sie dir oft die Wahrheit sagen –
in Dunkelheit und auch im Licht.

©ee

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Ein neuer Morgen …

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Ein neuer Morgen …

Leichter Flügelschlag des Windes
treibt lautlos uns’res Lebens Kahn
ein Rufen – leis’ , ein sehr gelindes
zieht uns vom fremden Ufer an.

Die Zukunft ist’s die uns erwartet
das Morgen – noch in Kindeskleid
wir fühlen uns im Heut’ geborgen
das Gestern liegt zumal ganz weit.

Stärke wächst in unser’m Denken
Vertrau’n bestimmt den nächsten Schritt
wie spür’n des Schöpfers Hände lenken
und gehen ohn’ Bedenken mit.

©ee

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Getaggt mit ,