Traumwelt.

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Traumwelt.

Die Luft bewegt sich in zitternden Wellen
kein Wölkchen am Himmel – im Lichte dem Grellen
die Sonne beherrscht das Firmament
kein Strich mehr Himmel und Erde trennt

alles ist fließender Übergang
ob weite Strände – ob steiler Hang
das Rauschen der Brandung vereint sich im Wind
mit Tönen die aus der Ferne sind

die Laute der sich wiegenden Bäume
erwecken im Kopfe die herrlichsten Träume
die Natur – sie spielt ein großes Konzert
niemand die fleißigen Spieler stört

so erhofft man sich den Zustand der Welt
bis man dann aus dem Traume fällt…

© ee

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Prisen.

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Prisen.

Wassertäler – Wellenberge
im Mondlicht blinkt der weiße Sand
auf Wogenkämmen tanzen Zwerge
Gott Neptun liegt am hellen Strand

Es irren die Lichter in den Klippen
so manches Schiff vom Kurs abkam
der Wind hat Lieder auf den Lippen
da strandete so mancher Prahm

Zerschlagen an der Felsenküste
liegt Schiff auf Schiffsleib Jahre schon
wenn man nicht um das Irrlicht wüßte
man hielte es für Teufels Lohn

Denn wie des Sensenmanns Gerippe
leuchten gebleichte Spanten – weiß
es scheint wie eine große Sippe
entsprungen aus der Hölle heiß

Den Menschen in dem Küstenstreifen
ist jede Prise lieb und wert
alles was sie sich ergreifen
auf jetzt und immer ihnen gehört

Das wohl auch in fernen Welten
manch’ Träne manches Auge feuchtet
mag Recht auch noch so rechtens gelten
an diesem Strand das Irrlicht leuchtet.

© ee

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Himmelsgaben …

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Himmelsgaben …

Freund sein kann nur,
wer ein offenes Ohr hat.
Lieben kann nur,
wer bereit ist sein Glück zu teilen.
Hoffen kann nur, wer glaubt,
dass seine Sehnsucht gestillt wird.

Möge heute der
Himmel über dir
so richtig aufgehen …

© ee

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Friedens-Nobelpreis …

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Friedens-Nobelpreis …

Frieden ist ein schwierig’ Wort,
kommt’ leicht oft über Kriegers Lippen –
dahergesagt an vielen Ort’,
wo Blut strömt über bleiche Rippen.

Kein Wort wohl in des Schöpfers Welt
wird so mißbraucht, so vergewaltet,
wohl häuf’ger noch als das Wort Geld,
das Machteshungers Welt gestaltet.

„Frieden“ erweckt bunte Bilder
in vieler Menschen Hoffenssinn –
doch meist sind’s nur Reklameschilder,
mit Gift und Sprengstoff mittendrin.

Da wird ein Preis wohl ausgelobt,
der zu Beginn auch wohl recht nobel –
sollt’ Hoffnung wecken wo Krieg tobt,
sollt’ wertvoll sein wie Königs Zobel.

Geworden ist aus ihm ‘ne Masse,
wie Ware auf des Hökers Karren –
mit Qualität der Unterklasse,
für die Begier der Völker Narren.

© ee

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Wenn dir…

 

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Wenn dir…

Wenn dir die Tränen laufen
und netzen dein Gesicht,
sagt dir die Seel’ sie möcht’ verschnaufen,
sonst verliere sie ihr Gleichgewicht.

Lass’ deine Tränen fliesssen
ins große Meer der Welt –
ihr Feucht läßt irgendwo erspriessen
Leben unterm Himmelszelt.

Wenn sie dann mit vielen –
vereint im grossen Strom –

strebend zu den Zielen
in Gottes Reich unendlich Dom,

dann haben sie den Sinn erfüllt,
den Schöpfer ihnen zugedacht –
haben mannigfachen Durst gestillt
und dargelegt des Vaters Macht.

© ee

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Abend . . .

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Abend . . .

Der Tag still in den Abend taucht
ein Bild von großem Frieden
der Himmel ist rot angehaucht
wie Glück das uns beschieden

Über der Brandung leichtes Kräuseln
die Möve streicht im stillen Flug
vom Dünenhang ein leichtes Säuseln
der Wind über die Watten trug

Leichtgeschürzt – auf bloßen Füßen
ein Wand’rerspaar im Abendhauch
in vollen Zügen still genießen
so macht es wohl der Alte auch

Er sitzt auf seiner Bank am Deiche
sein Blick geht sehnsuchtsvoll auf ’s Meer
der Welten Wasser war’n seine Reiche
die Seefahrt – ja, die fehlt ihm sehr

So sitzt er hier an allen Tagen
die Gott ihm noch gelassen hat
er antwortet auf viele Fragen
er gibt so Manchem guten Rat

Er ist schon nicht mehr wegzudenken
von seinem Platz – da auf dem Deich
sein Hiersein ist ein ständig’ Schenken
aus seinem Lebensschatz, so reich

Doch eines Morgens – weite Leere
als hat die Welt ein großes Loch
der Alte sitzt auf Gottes Fähre
auf „Großer Reise“ – also doch.

©ee

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Der Bettler . . .

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Der Bettler . . .

So sitzt er da
in dunkler kalter Ecke

den Mantel um sich zieht
wie eine Burg

die auf ihn seh’n
die seh’n ihn wie ’ne Schnecke

mit Angst und Stolz
sich in sein Häuschen dreh’n

die Knochen steif
die Hände klamm verknotet

die Stiefel
mit Papier wohl vollgestopft

die Armut hat ihn eingesponnen
bedeckt den grauen wirren
eingezogenen Kopf

nur manchmal

wenn ein Groschen ringelt
in seine Mütze

still und ohne Klang
ein Fünkchen in den Augen züngelt

von spröden Lippen
kommt ein stiller Dank

der Frühling hat ihn retten sollen
doch hat er ihn nicht mehr erlebt

der Tod war stärker als das Wollen
er jetzt irgendwo da draussen schwebt

©ee

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Der Regensburger Ludwig …

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Der Regensburger Ludwig …

So schmutziggrau wie die zerstörte Umgebung rings um den erbärmlichen Unterstand in dem Ruinenfeld von Stalingrad ist auch der russische Himmel an diesem Morgen des 29sten Januar 43.
Die Stalinorgeln des Gegners sind vor wenigen Minuten verstummt. Von Anbruch der Dunkelheit bis zum Grauen des neuen Tages spielen sie seit Tagen – oder sind es schon Wochen – Nacht für Nacht die gleiche Melodie. Kaum hat das Pfeifen mit dem kurz darauf folgenden Krachen der Einschläge von Osten her aufgehört, setzt es aufs Neue von Süden her ein, um dann nach Westen und Norden weiterzuwandern. Die rote Artillerie zeichnet so Nacht für Nacht ein schauriges Bild der Windrose in die Köpfe der wenigen die übrig geblieben sind von den Vielen die ausgeschickt wurden, um Raum für das eigene Volk zu erobern. Die kümmerlichen Reste einer einst stattlichen Armee – ausharrend im Kessel und bangend was da kommt. Für sie gibt es kein Vorwärts mehr – und schon gar kein zurück. Es gibt nur noch warten auf die Besiegelung der Niederlage und bangen, was dann kommt. Die Prediger des Endsieges haben sich rechtzeitig abgesetzt, oder sie sind in der klirrenden Kälte und angesichts der gefallenen Kameraden verstummt.
Jede der graugesichtigen Gestalten in den vor Dreck starrenden Uniformen sehnt jede Nacht diesen Moment herbei, wenn der Gefechtslärm um sie her von einer Minute auf die andere abbricht. Dann können sie für ein paar Augenblicke versuchen, der Kälte zu trotzen die ihre Glieder immer länger gefangen hält. Wie lange hat sie schon kein Nachschub mehr erreicht? Zwei Wochen? Drei Wochen? Die Zeit verschwimmt in der Erinnerung zu einem trüben Brei mit steinharten eisigen Brocken, wenn ihre ‚eiserne Ration’ in immer kleinere Portionen zerfällt. Die Zeit gefriert zu einem blutigen Klotz, wenn irgendwo ein kleines Fünkchen Freude aufblitzt über herrenlos gewordene Nahrungsreste gefallener Kameraden.
Einzig der ‚Leutnant’ mit seinen über Nacht ergrauten Haaren – alle Kameraden nannten den stillen Ludwig mit der Hornbrille aus den Regensburger Auen nur ‚Herr Leutnant’ – ließ nie auch nur ein Wort der Kritik hören wenn mal wieder einem von seinen Leuten die ‚Zivilisation’ abhanden gekommen war.
Obwohl auf seiner Uniform schon lange keine Rangabzeichen mehr auszumachen waren, hatte er nicht den Respekt und die Achtung der ihm Anvertrauten verloren.
Als einer der ältesten Kameraden in dem zusammengewür-felten Haufen nahm er an diesem Morgen seine an einer Seite leicht lädierte Brille ab, bevor er den beiden Jüngsten unter ihnen, die in ihrer schäbigen Sommeruniform vor Kälte – oder war es aus Angst vor den kommenden Ereignissen – vor sich hinzitterten, seine Arme um die Schultern legte.
Wie ein Vater der seine Söhne beschützen will, schießt es Josef, dem altgedienten Feldwebel aus dem hannoverschen Göttingen durch den Kopf. Und bevor der Josef den Gedanken in seinem halberfrorenen Hirn wieder ausgelöscht hat, tönt in die Friedhofsstille über dem rauchenden Schlachtfeld mit den unzähligen Granattrichtern und den zahllosen zerstörten Häusern die etwas kratzige, aber trotzdem wie das Gesumme friedlicher Hummeln klingende Stimme des Leutnants. Der Ludwig berichtet von lauen Frühlingstagen an den Ufern der bayrischen Flüsse und Seen, von duftendem Ginster und blühendem wilden Mohn. Eine Strophe des Liedes vom Burschen der sein Liebstes vermisst singt er sogar.
Man kann den Gesichtern der lauschenden Kameraden ansehen, daß ihre Herzen ganz weit weg in der Heimat weilen.
Für eine kurze Zeit haben sie das grausige Schlachtfeld und den unweigerlich drohenden Untergang vergessen.
Für eine kurze Weile haben sie die klirrende Kälte und den nagenden Hunger aus ihrem Fühlen verbannt.
Für ein paar Traumminuten lang haben sie das Gelände um sich herum aus den Ohren verloren.
Diese Minutenumläufe des Sekundenzeigers auf der tickenden Uhr des Schicksals haben den vorrückenden Rotarmisten genügt. Als das erbarmungswürdige Häuflein da unten im Keller von der Stippvisite in der Heimat zurückgekehrt ist, schauen sie ringsum in die drohenden Mündungslöcher mattschwarzer russischer Gewehrläufe.
Obwohl die ausdruckslosen Gesichter der Rotarmisten über den Gewehren regungslos zu ihnen hinabstarren, fällt kein einziger Schuß. Die Kameraden mit dem roten Stern am Stahlhelm helfen ihnen sogar fast freundschaftlich dabei aus dem Graben zu klettern.
Oben angekommen können sie ihnen doch wohl nicht ersparen mit erhobenen Händen vor den schussbereiten Gewehren herzumarschieren.
Als der Tag die Spitze seiner um diese Jahreszeit spärlichen Helle erreicht hat, befinden sie sich seit knapp einer Stunde auf einem ziemlich ebenen Feld am Rande eines Wäldchen in der Nähe einer trostlosen, scheinbar menschenleeren Siedlung, auf der sie die folgende und die darauf folgende Nacht unter freiem Himmel auf der blanken Erde zubringen. Dadurch dass man ihnen alles – auch die persönlichen Gegenstände – weggenommen hat, haben sie auch keine Uhr mehr in ihrem Besitz, um wenigstens die Zeit verfolgen zu können.
‚Scheiß auf die Uhren’ sagt der Göttinger Josef schon fast fröhlich. ‚Hätten wir die etwa essen können?’ vollendet er seine ‚Ansprache an mein Volk’, wie er sagt, bevor er gierig in das in der kalten Kohlsuppe eingeweichte russische Steinbrot beißt. Am dritten Tag ist die Lagerherrlichkeit vorbei. Eine endlos scheinende Schlange Feldgrau windet sich über den schmutzigen Schnee und durch tiefe Panzerfurchen in südöstliche Richtung. Das es nach Südosten geht wissen sie vom Leutnant. Der scheint irgendwie einen Draht zum Himmel zu haben. Obwohl keiner der Gefangenen seinen Platz in der Kolonne verlassen darf, und obwohl er von den Essensrationen der letzten Tage nicht einmal die Hälfte für sich behielt, sondern sie an die Kameraden verteilte, die vor Entkräftung bald nicht mehr auf den Beinen stehen konnten, taucht er immer wieder mal hier und mal dort in der Kolonne auf, um dem einen oder anderen Mut zu machen. Niemand von den sie begleitenden Rotarmisten bemerkt es – als wenn der Regensburger Ludwig unsichtbar ist.
Nach einem endlos langen Marsch erreichte der Gefangenentross das Sammellager Beketowka. Irgendeiner der ein wenig russisch konnte, hatte den Namen des Lagers als Latrinenparole in Umlauf gebracht.
In Beketowka verlief alles ungeordnet. Die rote Generalität war auf so viele Plennys in diesem Abschnitt nicht vorbereitet gewesen.
Es mangelte an allem, nur an einem nicht – an Krankheiten und Seuchen die sich, bei Menschen die unter solch katastrophalen Umständen leben müssen, rasend schnell breit machen.
Jeder versuchte so schnell wie möglich dieser Hölle von menschlichen Wracks zwischen flüssigen Exkrementen und Erbrochenem zu entfliehen.
Der Ludwig und der Göttinger Josef hatten das Glück.
Sie ergatterten für den Mittag des 13. März einen Platz innerhalb eines Transports nach Wolsk.
300 Kilometer Bahnfahrt bei 40 Minusgraden im offenen Güterwagen. Für die meisten war es eine Reise in den Tod, der viele schon während der 7 Tage dauernden Fahrt dahinraffte. Dem Leutnant Ludwig sollte nach dem Willen des Herrn wohl ein würdigerer Abschied von dieser Erde beschieden sein, als der als Toter aus dem fahrenden Zug hinausgeworfen zu werden. Am 20. März in Wolsk angekommen ließ ihn der Herr noch mit Hilfe seines Kameraden sein ‚Golgatha’ besteigen, um ihn von der Höhe des Lagerhügels friedlich zu sich zu holen.
Gott war seiner Seele gnädig.© ee
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Krieg ist der Vater aller Dinge…

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Krieg ist der Vater aller Dinge…

Krieg ist der Vater aller Dinge.
So sagen es Menschen mit Sachverstand.
Sie sehen das Ganze durch goldene Ringe
und bringen Verderben über das Land.

Sie schicken Raketen mit tödlicher Fracht
an blühende fruchtbare Orte,
und sagen sie hätten den Frieden gebracht –
mit ehrlichem biblischem Worte.

Sie sagen sie hätten die Menschen befreit
von Knechtschaft und blutiger Fron,
und wären zu selbstloser Hilfe bereit –
die Freiheit der anderen, die wär’ ihr Lohn.

So bauen sie auf, was sie selber zerstört
und füllen damit ihre Kassen –
sie tun, als ob die Welt ihnen gehört,
und wundern sich, wenn ihre Opfer sie hassen.© ee

© ewaldeden2015-01-22

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Sein Requiem.

 

Sein Requiem.

Sein Lieblingsplatz ist oben im Turm
unter den uralten Glocken der Kirche.
Es ist Mai, die liebliche Zeit.
Tief in ihm ist Trauer und Klage.

Der ORLOG tobt im dritten Jahr.
Er schreibt einen Gruß an das Leben,
an die Liebe und an das Rauschen des Schilfes am See.
Er weiß um die bemessene Zeit seines Lebens.

Er schreibt in dem Abschied sein eigenes Requiem,
das mir klingt wie das von Webber.
Die alten Worte
– Worte –

fügen sich passend dazu.

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Dona eis requiem.

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Pie Jesu, pie Jesu, pie Jesu, pie Jesu
Qui tollis peccata mundi
Dona eis requiem, dona eis requiem
Pie Jesu, pie Jesu, pie Jesu, pie Jesu
Qui tollis peccata mundi
Dona eis requiem, dona eis requiem

Agnus Dei, Agnus Dei, Agnus Dei, Agnus Dei
Qui tollis peccata mundi
Dona eis requiem, dona eis requiem
Dona eis requiem
Sempiternam
Dona eis requiem
Sempiternam
Requiem
Sempiternam.

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STILL.

Still liegt mein Dorf.
Nur irgendwo stört ein Hund den abendlichen Frieden.
Grauweißer Nebel über’m Torf
bedeckt mit frischem Tau die tagesmüden Wiesen.

Ein frischer Windstoß kühlt mir meine Stirn.
War ich in einen Traum versunken?
Schon leuchten Sterne über meiner Welt,
die all mein Sehnen, meine Liebe hat gefunden.

Wer könnte es mit Worten sagen,
wie tief dein Antlitz meine Seele stets gerührt,
wenn du im Wasser und des Schilfes Rauschen
Gedanken meines Herzens hast gespürt?

Könnt ich dir nur auch etwas schenken,
ich baute alles auf dem Tisch deiner Treue auf.
Noch immer werd ich dein gedenken,
wenn sich das Rad der Zeit im steten Lauf

dem Ende meines Lebens nähert,
und immer werd ich treu und rein
ein Hüter deines Wesens sein.
………………………

(seine Letzte Zeile fehlt)

Er schrieb die Worte des Abschieds im Mai 1941,
zwei Jahre später stirbt er im Kampf grausamer Kräfte, gerade 20 Jahre.

Ich bin sein Bruder und erinnere an Ihn und auch an die Sinnlosigkeit von Kriegen.
N.N.

Rudi Witzke

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