die grüne Stadt am Meer…

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Wilhelmshaven – die grüne Stadt am Meer

Wenn ich als Kind mal wieder eine Zeitlang in einem mir fremden Landstrich die Schule besuchen mußte, ordneten mich viele meiner neuen Mitschüler anfangs häufig in die Kategorie ‚Flüchtling’ ein. Das wird in der Nachkriegszeit sicherlich nicht nur mir so ergangen sein. Jemand, der keinen wahrnehmbaren Dialekt sprach, der konnte ja nur ‚Flüchtling’ sein. Ich habe manchmal bei mir gedacht, was seid ihr doch doof. Dabei war es für die anderen oftmals wohl nur die eigene Antwort auf ihre nicht laut gestellte Frage: Woher kommst du eigentlich?

Mit kindlichem Stolz habe ich mich stets gegen die ‚Unterstellung’ ein ‚Flüchtling’ zu sein gewehrt. Das war einfach so. Ich kam schließlich aus Wilhelmshaven, der großen norddeutschen Marinestadt. Dort war ich als Kind ostfriesischer Eltern geboren und aufgewachsen – soweit wie ich denn schon gewachsen war. Das war doch was!

Wer von meinen neuen Mitschülern in der Fremde konnte denn schon von großen Hafenanlagen, von weißen weiten Stränden, von grünen endlosen Deichen und von Wasser bis zum Horizont berichten? Wer von ihnen hatte schon einmal auf und in den gewaltigen Trümmerbergen der größten Seeschleuse der Welt gespielt? Vor wessen Haustür stand im Watt ein riesengroßer Zinnsoldat? In wessen Heimatstadt befand sich die damals noch größte Drehbrücke Europas? Doch in meiner! In welcher Stadt stand inmitten gepflegten Grüns ein fünfzig Meter hoher Rathausturm aus dunklen Klinkersteinen? Doch auch nur in meiner!

Als Trumpf knallte ich zum Schluß immer auf den Tisch: Ich komme aus der grünen Stadt am Meer. Bei vielen Älteren rannte ich damit freilich offene Türen ein – sie kannten ‚Schlicktau’ entweder aus ihrer eigenen Dienstzeit bei der Marine, oder durch die Erzählungen der Ehemänner, Väter oder Söhne aus deren Dienstzeit. Gleich, ob die Tage im Zeichen des Königs- und Kaiseradlers oder des Hakenkreuzes gestanden hatten.

Wäre ich damals schon etwas höher gewachsen gewesen, hätten meine Empfindungen bezüglich meiner Heimatstadt vielleicht ein anderes Gesicht gehabt.

Ich liebe diesen Flecken Erde an der westlichen Seite des Jadebusen Heute ebenso wie damals, nur eben anders – und ich bin bestimmt nicht der einzige, der so fühlt.

Nur – Heute mag ich in der Fremde oft gar nicht dazu stehen, aus Furcht die Frage beantworten zu müssen, was denn um Himmelswillen aus meiner schönen grünen Stadt am Meer geworden sei. Wenn ich ein Zyniker wäre, würde ich darauf antworten, Grün verblasst nun einmal mit der Zeit zu Schwefelgelb.

©ee

auch zu finden hier in unserer  : Schreibwerkstatt

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Zwiespalt.

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Zwiespalt

In diese Stadt hineingeboren
sie nie gemocht und doch geliebt
und stets neu auf sie eingeschworen
auch wenn hier Machtfilz Armut schiebt.

Die Stadt stets blühte wenn Welt brannte
gedüngt mit vieler Menschen Blut
der Wohlstand schnell von dannen rannte
wenn sie ertrank in Nachkriegsflut.

Die Stadt ein Friedhof erster Klasse
mit wohlbestallter Wärterschar
die warten auf den Tod der Masse
die trotz des Nichts noch immer da.

Die Stadt der Hoffnung die stets trog
die Stadt der aufgebläht Versprechen
in der die Macht die Macht verbog
und das – ihr Mächtigen,

wird sich rächen.

©ee

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Die Deutschstunde …

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Die Deutschstunde …

Hygiene und Quartettverein –
Siebenbürgen und Emailleschilder,
was fügt man in die Prüfung ein,
als junger Menschen Sprachausbilder?

Da werden Wörter hingestellt –
in bunt und vielen andern Arten,
man legitimiert sich aller Welt
als Spezialist in schweren Sparten.

Die Lernenden – sie mühen sich –
der Schweiß perlt ihnen von der Stirn,
bei manchen geht es kümmerlich –
bei andren wirkt ein Superhirn.

Doch was ist mit der Prüfung Hürde –
wie hoch liegt Latte auf dem Stab?
Wie schwer wiegt dann des Wissens Bürde –
das man ihnen als Grundstock gab?

©ee

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Anderssein.

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Anderssein.

Ungeboren, ungeschoren –
trotz Anderssein nicht abgetrieben.
Liebeslust, Leibesfrucht –
der Berater Glaubensfrust
überwiegend weltverrucht –
hin und her Moralgeschiebe
verhindert selten Fleischestriebe.

 


Und wenn ein Kind die Welt erblickt
wohl jedes Mutterherz beglückt –
wenn nicht ihre Mit und Welt
verächtlich denkend gegenhält,
und mit ätzend spitzem Munde
„behindert“ schickt in Hörers Runde.

 


Wer so verhält sich, und auch denkt,
der fährt auf einem falschen Gleis –
wurd‘ irgendwann verkehrt gelenkt
und labert nur gequirlten Scheiß –
denn Andersein ist unser Schicksal –
jeder Mensch ein Unikat.

 


Der eine trägt ein Kainesmal,
den and’ren quält das Zölibat …
drum sollt‘ ein Jeder sich besinnen,
auf sich und auf sein eig’nes Fehl,
dann würde Miss und Gunst verrinnen
wie durch die Finger feines Mehl
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©ee

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Gedichte

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Gedichte.

Eine Welt ohne Gedichte
ist wesenslos und inhaltsleer –

denn der Welten Gleichgewichte
bewahren Texte inhaltsschwer.

©Johann Eden Christians

Ϯ 1951

Wortezauber …

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Wortezauber …

Mit Worten mag ich gern jonglieren –
vielleicht auch zaubern – dann und wann,
ich mag’s wenn Worte faszinieren
und lassen Sein an Seelen ran.

Ein Wort poliert getrübte Augen,
ein Wort bringt Lächeln ins Gesicht,
ein Wort lässt Seel’ an Seele saugen
und stellt die Freude in das Licht.

Ein Wort macht harsch’ Gedanken zärtlich,
ein Wort macht Wollen zum Begehr,
ein Wort stimmt Menschen menschenfreundlich,
ein Wort macht mürrischsein so schwer.

Drum schmied’ ich viele Alltagsworte
in glühend Feuer zärtlich um –
verteil sie dann an viele Orte,
dreh Abwehr zu Willkomm’ um.

©ee

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Hoffmann’s Garten.

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Hoffmann’s Garten…

Ein Paradies im Häusermeer
nicht weit von der Verwaltung Sitz
da fällt Natursein gar nicht schwer
ob’s eiseskalt, ob’s Sommers Hitz.

Ein Doppeldutzend Vogelarten
oder auch in größ’ren Schwaden
aus allen gängig‘ Vogelsparten
bevölkern hier den Vogelladen

Vom Piepmatz bis zu Hammers Specht
geht’s hier keiner Seele schlecht
von Meise bis zu Eichelhäher
kommt Vogel sich hier vogelnäher

Im Holze unter Pflaum’baums Krone
da wird gehämmert und geschafft
das Ergebnis ist nicht ohne
im Stamm ’ne riesen Höhle klafft.

Die Blüten aus des Walles Hecke
erstrahlen gelb so Frühlingsfrisch –
in jeder unbesetzten Ecke
hat Natur gedecket ihren Tisch.

Der bunte Flor auf grünem Grund
als Freude für der Augen Schön
macht Menschempfinden kunterbunt
er muß es nur mit Freuden seh’n.

©ee

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Des Poeten Ruhetag …

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Des Poeten Ruhetag …

Als ich erwachte
hat mich etwas verwirrt
kein Text wartete in meinem Wissen
mein Denken ist durch den Morgen geirrt

während mein Kopf noch ruht’ in den Kissen
es suchte und suchte und suchte vergebens
es konnte nichts finden
wohin es auch flog

es schaute in alle
Kammern des Lebens
voller Furcht dass der Text
es mit einem andern betrog

doch plötzlich
sagt Jemand
du brauchst nicht zu suchen
ich habe es heute Nacht so bestimmt

du darfst jetzt auch greinen
und herrlich laut fluchen
da höre ich
einfach nicht hin

ich hab’ nur aus einem
ganz bestimmt Grunde
gesperrt dir im Schlaf
deinen kreativ’ Sinn

ich will dich bewahren
und lasse dich ruh’n
zu deinem eigenen Schutze

damit du noch lange mit Worten,
mit klaren
den Menschen erklärst
warum ICH sie benutze.

© ee

 

 

 

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Sonntagsgrüße.

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Sonntagsgrüße.

Geh’ in den Tag
als gäb es nur diesen
zeig’ für sein Werden
dich bereit

freu’ dich
der Blumen auf den Wiesen
und fühl’
dass auch Natur sich freut.

© ee

Getaggt mit

Träume.

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Träume . . .

Träume – kann man Träume fangen –
wenn man durch das Leben geht?
Sie sind oftmals doch ein Bangen –
das durch dunkle Nächte weht.

Träume – kann man Träume fühlen –
wenn man durch den Alltag schreitet?
Wer träumt, der sitzt oft zwischen Stühlen –
wenn das Leben ihm entgleitet.

Träume – kann man Träume sehen –
wenn man Welt im Auge hat?
Die sachte dann im Nichts verwehen –
als wenn man sie um Stille bat.

Träume – kann man Träume riechen –
wenn sie durch die Köpfe fliegen?
Wenn Gestalten um dich kriechen –
die überall im Wege liegen.

Träume – kann man Träume leben –
ausgefüllt und traumesschwer?
Wenn sie in das Sinnen streben –
das da schwebt – so traumesleer.

Träume – kann man Träume fragen –
was da kommt und was wohl nicht?
Sie dir oft die Wahrheit sagen –
in Dunkelheit und auch im Licht.

©ee

Getaggt mit , ,